Recycling-Pionier Helmuth Schulz ist tot

Back to Beiträge

Der Mitgründer des Recyclingmaschinenbauers Erema Helmuth Schulz ist im Alter von 71 Jahren verstorben. Schulz hielt über 60 Patente und war einer der Ideengeber der Kunststoffindustrie.

Helmuth Schulz Foto: MAS

Mit Ing. Helmuth Schulz, der am 14. Oktober 2017 nach längerer Krankheit, aber doch überraschend, im Alter von 71 Jahren verstorben ist, verliert der österreichische Kunststoff-Maschinenbau einen seiner schöpferischsten Pioniere. Ihm ist zu verdanken, dass Kunststoff heute wirtschaftlich und qualitativ hochwertig recycled werden kann. Mehr als 60 Patente und die drei Maschinenbauunternehmen Erema, Ekuma, MAS–Maschinen- und Anlagenbau Schulz sind mit seinem Namen verbunden.

Wie bei vielen der österreichischen Kunststoff-Pioniere, begann seine Berufslaufbahn weit abseits des Kunststoffs. Der geborene Wiener begann als Mechaniker-Lehrling beim Lokomotivenbauer Simmerring-Graz-Pauker in Wien-Floridsdorf. Bald konnte er guten technischen Vorschlägen und Lösungen die Aufmerksamkeit seiner Vorgesetzten auf sich ziehen und wurde rasch zum technischen Zeichner befördert. Parallel dazu entschloss er sich, im Abendstudium die Maschinenbau-Ausbildung am TGM-Wien nachzuholen.

Mit der Kunststofftechnik kam er erstmals in Kontakt, als er 1969 dem Ruf seines damaligen Vorgesetzten folgte, mit ihm zum Wiener Extruderbauer APM (Anger Plastic Maschinen OHG von Wilhelm Anger) zu wechseln. So begann er im Alter von 23 Jahren Schnecken und Extrudergetriebe auszulegen und fiel auch dabei mit seiner technischen Kreativität auf. Zum Konstruktionsgruppenleiter avanciert, konstruierte er mit dem Doppelschneckenextruder A2-80 einen der großen Verkaufserfolge der APM, die später von Cincinnati Milacron übernommen wurde.

1971 wechselte Helmuth Schulz zur Wiener Dependance des Münchner Krauss-Maffei Kunststoffmaschinenbaus, die sich auf Doppelschnecken-Extruder konzentrierte. In diese Zeit fielen seine Beiträge zur Konstruktion des "3-Wellengetriebes mit Tandemritzseln", mit dem die Drehmomentübertragung auf die Schnecken wesentlich erhöht werden konnte.

Als 1974 die Krauss-Maffei Extrusionstechnik im damals neu errichteten Entwicklungszentrum in  Linz/Asten zusammengefasst wurde, ging Helmut Schulz mit und kam dort erstmals mit Recycling in Kontakt. Dieser Maschinenbereich war als Folge der damaligen Ölkrise in Form von Zerklomaten (=Agglomerierer) ins Programm aufgenommen worden. In diesem Unternehmensbereich, den Helmuth Schulz ab 1977 leitete, wurde erstmals auch die Idee entwickelt, einen Agglomerierer und einen Extruder zu kombinieren, die später als Erema-System bekannt wurde. Obwohl das Konzept damals patentiert wurde, verfolgte Krauss Maffei diese Technologie nicht weiter.

Mit der Zurückverlegung der Krauss-Maffei-Austria in die Münchner Zentrale im Jahr 1980 wechselte Herr Schulz als technischer Leiter zur Linzer ÖSWAG (Österreichische Schiffswerften AG) in deren neu eingerichteten Kunststoffmaschinenbau. Dorthin nahm er die Idee der Schneidverdichter-Extruder-Kombination mit, entwickelte sie weiter und meldete den "Retruder" zusammen mit Helmut Bacher zum Patent an. Ende 1980 war die erste Anlage funktionsfähig, der in den zwei Folgejahren weitere 30 Maschinen folgten.

1983 gründete Ing. Schulz mit den Kollegen Helmut Bacher und Georg Wendelin das Unternehmen Erema, mit dem Ziel, Recyclingmaschinen zu bauen. In mehreren Schritten wurde das Recycling-System um Peripheriekomponenten erweitert, z.B. um Rückspül-Siebwechsler für die Kunststoff-Schmelze oder die Heißabschlag-Granulierung mit patentierter Wassereinspritzung, bzw. die Kombination aus Entgasung und Filtrierung, um nur einige zu nennen.

Nach 23 Jahren entschied Helmuth Schulz im Zuge des Generationswechsels aus "seinem" Unternehmen auszuscheiden und im Alter von 60 Jahren nochmals ein eigenes Unternehmen zu gründen. Seine Absicht war in der "MAS-Maschinen- und Anlagenbau Schulz GmbH" innovative Konzepte für die Extrusion zu verwirklichen, insbesondere den von ihm entwickelten und patentierten konischen, gleichläufigen Doppelschneckenextruder, dessen Kennzeichen die hohe Förder- und Homogenisierungsleistung, eine besonders schonende Materialbehandlung und ein stabiler Massedruck sind. Weitere Innovationen sind ein neuartiges kontinuierliches Scheibenfiltersystem für Kunststoffschmelzen und eine wasserlose Trockenreinigung  für Folienabfälle, die von seinem Unternehmen Ekuma erzeugt werden.

Helmuth Schulz hinterlässt mit MAS ein, in der internationalen Kunststoffindustrie etabliertes Unternehmen, dessen Angebot konische gleichlaufende Doppelschnecken-Extruder in 6 Baugrößen für Ausstoßleistungen von 20 bis 2000 kg/h, Schmelzefilter in 4 Baugrößen für einen Schmelzedurchsatz von 300 bis 4000 kg/h und Trockenreiniger in 2 Baugrößen für 600 bis 1.600 kg/h umfasst. Das Unternehmen wird von seiner Tochter Katharina Schulz und dem bisherigen Führungsteam weitergeführt.

Das Eigentum an den Unternehmen Ekuma und MAS-Maschinen- und Anlagenbau Schulz GmbH geht zu 100 % an seine Tochter, Frau Katharina Schulz, über. Die beiden Unternehmen werden auf Wunsch von Herrn Schulz operativ vom bereits etablierten Managementteam weitergeführt. Die Kontinuität der beiden Unternehmen ist somit gesichert. Mit Helmuth Schulz verliert die Kunststoffwelt einen wahren Pionier, dessen Ideen die Kunststoffverarbeitung noch viele Jahre beeinflussen werden.

pl

Share this post

Back to Beiträge