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Recycling: Neue Produkte aus Hausmüll herstellen

Hausmüll in der schwarzen Tonne: Wie daraus möglicherweise neue Produkte durch Recycling entstehen können, darüber spricht Thomas Stegmeier von AZO. Foto: Pixabay

Wie das Recycling von Hausmüll funktionieren und daraus neue Produkte entstehen können, darüber spricht Thomas Stegmeier von AZO im Way-2-K-Interview.

Im Vorfeld der K-Messe 2022 spricht Thomas Stegmeier, Head of Sales bei AZO, im Way-2-K-Interview des VDMA über Kreislaufwirtschaft und Rezyklate sowie über mögliche neue Prozesse – so zum Beispiel über neue Produkte, die sich aus dem Recycling von Hausmüll ergeben.

Herr Stegmeier, im Zuge der Kreislaufwirtschaft wird der Einsatz von Rezyklaten in Kunststoffprodukten zunehmen. Hat AZO hierfür schon seine Produktpalette angepasst?

Thomas Stegmeier: Als Hersteller von Material-Handling-Systemen wissen wir, dass sich Rohstoffe in ihren Eigenschaften unterscheiden können. Das ist bei Kunststoff-Neuware so, aber erst recht bei Mahlgütern, die in Recyclinganwendungen zum Einsatz kommen. Mahlgut ist nicht gleich Mahlgut, auch wenn das Ausgangsprodukt das gleiche ist. Die Fließeigenschaften der Mahlgüter werden durch deren Verarbeitung mitbestimmt, hauptsächlich Partikelgröße und -form, aber auch Reststaubgehalt. Also haben Prozesse, wie das Schreddern und Mahlen, das Waschen und das Sortieren Einfluss darauf. Wir haben hier bereits spezielle Austragsysteme entwickelt, damit Mahlgüter zuverlässig ausgetragen werden können. Außerdem spielt bei manchen Anwendungen auch ein spezieller Verschleißschutz der Anlagen eine Rolle.

Thomas Stegmeier ist Head of Sales bei AZO. Foto: VDMA/AZO

Wie funktioniert der?

Stegmeier: Bei einer pneumatischen Förderung etwa entsteht durch die Fördergeschwindigkeit des Produkts sowohl eine innere Reibung als auch eine Reibung mit dem Rohr aus Edelstahl. Wenn das Fördergut unrein ist, weil Füllstoffe wie Kreide oder Glasstäube darin enthalten sind – das kommt zum Beispiel bei recycelten Fensterprofilen häufig vor – dann verschleißen diese Stoffe die Oberflächen der Anlage. Unser Verschleißschutz führt dazu, dass die Anlagen länger laufen können.

Dann profitiert AZO vom vermehrten Rezyklateinsatz auch wirtschaftlich?

Stegmeier: Das Recycling ist ganz klar eine Wachstumsbranche. Nicht zuletzt wegen der europäischen Gesetzgebung sind jetzt alle Hersteller angehalten, zumindest teilweise auf Rezyklate umzusteigen. Das kommt uns bei AZO gelegen. Durch Mahlgüter und Rezyklate entstehen neue Herausforderungen im Bereich Material-Handling und wir haben als Experten Lösungen parat. Und sollten wir mal ein Produkt nicht kennen, untersuchen wir es in unserem Labor- und Versuchszentrum. Das gilt auch für ganz neue Prozesse.

Neue Produkte aus recyceltem Hausmüll

Können Sie ein Beispiel nennen?

Stegmeier: Wir sind zum Beispiel in ein Projekt eingebunden, bei dem es darum geht, Hausmüll zu recyceln. Ohne ihn vorher zu trennen, wohlgemerkt. In diesem Müll sind Kunststoffreste enthalten, Pappe, Papier, aber auch organische Bestandteile. Es gibt am Markt ein Verfahren, das alle diese Stoffe zusammenbringt und ein komplett neues Produkt daraus schafft. Dieses kann dann als Füllstoff in andere Anwendungen einfließen. Daraus ergeben sich zwei Vorteile: Zum einen eine Wiederverwertung des Hausmülls, der ansonsten verbrannt würde. Zum anderen hat dieser ganze Prozess einen negativen CO2-Fußabdruck. Wenn man dann dieses Produkt in die eigenen Produkte einbringt, verringert sich deren CO2-Fußabdruck entsprechend.

Wie kommt das zustande?

Stegmeier: Dafür sind verschiedene Faktoren verantwortlich. Beim Lagern von organischen Abfällen entsteht zum Beispiel das Klimagas Methan. Da nicht mehr gelagert wird, fällt das also weg. Da der Müll auch nicht mehr verbrannt wird, entstehen infolgedessen auch an dieser Stelle keine zusätzlichen Emissionen. Das Ganze ist ein sehr spannender Prozess, der noch in den Anfängen steckt. Aber davon wird man in der Zukunft sicherlich noch hören.

Recycling in der Welt vorantreiben

In Europa tut sich beim Recycling schon viel. Wie sieht es anderswo aus?

Stegmeier: Wir stellen fest, dass die Verarbeitung von Mahlgütern und Rezyklaten in Teilen der Welt noch eine untergeordnete Rolle spielt. Post Industrial Recycling, also das Rückführen von Produktionsabfällen in den Herstellungsprozess, wird nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten bereits flächendeckend praktiziert. Beim Post Consumer Recycling sieht das etwas anders aus. Das liegt zum einen an fehlenden oder nicht effizienten Abfallsammel- und Trennsystemen in diesen Ländern, zum anderen fehlt es an den politischen Rahmenbedingungen, die entsprechende Anreize setzen. Beides sind zwingende Voraussetzungen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft. Wir merken aber auch, dass man in anderen Ländern schon registriert, welche Systeme die Anwender hier bei uns aufbauen. Als Maschinen- und Anlagenbauer sind wir alle global aufgestellt. Wir können dabei helfen, diesen Trend in die Welt hinauszutragen.

VDMA/kus

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