Recycelbarkeit beeinflusst Kaufentscheidung positiv

Bei einer Fachtagung in Österreich wurde deutlich, dass bei den Verbrauchern die Recycelbarkeit der Verpackung zunehmend die Kaufentscheidung beeinflusst.

Beim vierten Treffpunkt des oberösterreichischen Kunststoff- und Cleantech-Cluster, der sich dieses Mal mit dem Einsatz von Kunststoff-Rezyklat in Verpackungen für Reinigungsmittel und Kosmetik beschäftigte, wurde den knapp 100 Teilnehmer*innen eindrucksvoll vor Augen geführt, dass der Umweltgedanke bei den Konsumenten angekommen ist und Aussagen über die Recycelbarkeit der Verpackung immer stärker zur Kaufentscheidung bei tragen.

Karl Hagspiel von der Alpla Werke Alwin Lehner GmbH & Co KG erklärte, wie der Verarbeitungsprozess von HDPE-Rezyklat heute bei Alpla funktioniert und welche Erfahrungen bis jetzt gemacht wurden. Für Hagspiel es ein wichtiger Schritt, dass Alpla mit der bestehenden Technologie bereits in der Lage ist, Sortiertiefen zu erreichen, um aus rHDPE-Flakes ohne Zugabe von Masterbatches oder anderen Additiven klassische farbige Flaschen herzustellen. Bereits verfügbar sind die Farben Natur, Weiß und Milchgrau. Aber auch gelbe, blaue oder rote Flaschen sind technologisch schon realisierbar und könnten demnächst auf den Markt kommen.

Mit Mehrschichtflaschen Recyclingquote erhöhen

PE-Flaschen können auch in mehreren Schichten aufgebaut werden. Hier wird die äußere Schicht mit Masterbatch eingefärbt oder auch aus Neuware hergestellt. Die Innenschicht oder Mittelschicht bestehen aus Rezyklat. Mit dem Ansatz kann die Recyclingquote bei PE stark erhöht werden. Mehrschichtaufbau wird eingesetzt, wenn 100 Prozent Farbstabilität gefordert sind oder für Farben, die mit 100 % rHDPE nicht möglich sind. Hagspiel sprach auch ein allgegenwärtiges Problem an: „Alle wollen klares Material, um es dann einzufärben. Sie entziehen es so dem transparenten Stoffstrom. Für farbige Produkte sollten bereits farbige Rezyklate verwendet werden.“

Ein Dreischichtaufbau ist auch für die bei Alpla verfügbare Farbe „Milk Grey“ verantwortlich. Spezielle PE-Milchflaschen, die besonders schön weiß erscheinen, sind dreischichtig aufgebaut: weiße Innen- und Außenschicht sowie eine schwarze oder graue Mittelschicht. Werden diese Flaschen aufbereitet, entstehen Rezyklate mit dieser grauen Farbe.

Preisgekrönte Monomaterial-Lösungen für Nachfüllbeutel

Thomas Kahl, Projektmanager für Eco Solutions bei der Mondi Group, einem globalen Verpackungs- und Papierunternehmen, stellte den Teilnehmern zahlreiche Best Practice Beispiele zum Thema Design-4-Recycling vor. „Für ein Umstellungsprojekt muss man Geduld mitbringen“, gab Kahl den Teilnehmern als Hauptinformation mit. Für ein Produkt der Marke „Frosch“ habe der Prozess bei Mondi vier Jahre gedauert, das Ergebnis sei aber mittlerweile mehrfach preisgekrönt.

Die Werner & Mertz GmbH, ein Kunde von Mondi, verwendete früher Polyester-Polyethlen-Nachfüllbeutel für ein Frosch-Produkt. Aufgabe war es, ohne große Systemwechsel in der Abfüllung oder Versiegelung den Beutel auch recyclingfähig zu machen. Man untersuchte verschiedenste Monomaterialien und holte auch externe Partner (zum Beispiel den Grünen Punkt) ins Boot.

Letztendlich fand man eine Lösung aus Polyethylen mit einer ablösbaren Banderole. 80 % des Beutelmaterials ist nun unbedruckt und somit sehr gut recyclingfähig. Beutel, Banderole und Ausgießer sind einheitlich aus PP und seit Anfang 2020 am Markt. Die neue Verpackung ist 100% recyclingfähig.

Brand Owner setzen vermehrt auf Rezyklate aus mechanischem Recycling

Mondi testet verschiedenste Rezyklat-Qualitäten für Wasch-, Putz- und Reinigungsmittelverpackungen. Alle großen Brand Owner setzen hier künftig auf Rezyklate aus mechanischem Recycling. Für Food Anwendungen verwendet Mondi chemisch rezykliertes Material, die vorhandenen Kapazitäten erlauben aber derzeit noch keinen flächendeckenden Einsatz.

Verpackung beeinflusst Kaufentscheidung

Für Daniela Schittengruber von der Henkel CEE GmbH aus Wien, führend bei Wasch- und Reinigungsmitteln, sieht die Verpackung neben der Funktionalität in einer wichtigen Rolle. „Sie ist der Platz für die Informationen für Konsumenten und wichtig für die Kaufentscheidung“, so die Marketingexpertin.

Henkel arbeitet intensiv an der Recycelbarkeit der Verpackungen

Bis 2025 sollen bei Henkel alle Verpackungen rezyklierbar sein, derzeit sind es 80 %. Das Unternehmen setzt bei Verpackungen insbesondere auf den Einsatz von Standard-Verpackungsmaterialien, Monomaterialien, optimierte Etikettierungen und Verschluss-Systeme sowie dem vermehrten Einsatz von transparenten und helleren Flaschen.

Besonderes Augenmerk legt Henkel derzeit auf die Umstellung der Banderolen auf Full Sleeve Labels oder Papier. So werden keine Klebstoffe mehr benötigt und durch die Full Sleeve-Labels könne vermehrt transparent Flaschen eingesetzt werden. Allerdings ist dazu die Mithilfe der Konsumenten notwendig. Sie müssen beim Entsorgen die Sleeves abziehen, damit in der Sortieranlage der Kunststoff richtig erkannt wird. Hier ist das Marketing stark gefordert, die Konsumenten mit entsprechend aufgedruckten Anweisungen zu „erziehen“.

Konsumenten einbinden, aber nicht überfordern

Derzeit werden Full Sleeves leider erst von maximal 4 % der Konsumenten entfernt. Mittlerweile gibt es schon Entwicklungen, um dem Konsumenten das Trennen von Flasche und Sleeve, abzunehmen. Mit einem integrierten digitalen Wasserzeichen (Invisible Codes) am Sleeve, können die Sortieranlagen das Material trotz Sleeve erkennen. „Allerdings gilt dies nur für Anlagen, die die entsprechende Technologie dazu haben. Und gerade im osteuropäischen Raum ist diese noch kaum vorhanden“, räumte Schittengruber ein.

Akzeptanz von Rezyklaten steigt

Henkel setzt ebenfalls vermehrt Rezyklate ein, was im Marketing zu großen Diskussionen führte. Im Sinne der Kreislaufwirtschaft entscheidet sich das Unternehmen vermehrt auch schon für weniger strahlende, leicht gräuliche Farben, die auch mit höheren Rezyklatanteilen machbar sind. Schittengruber ist überzeugt, dass die Akzeptanz des Konsumenten für derartige Farben steigt. „Es wäre wichtig, den Rezyklat-Anteil auf den Verpackungen anzuführen“, meint die Expertin auf eine Frage aus dem Auditorium. „Aber wir dürfen Konsumenten nicht überfordern. Ob jetzt Post Consumer oder Post Industrial Material, das ist für mich persönlich zu viel an Information.“

gk