RCI: Mehrweg ja – aber dann auch ohne Erdöl

CO₂ ersetzt Erdöl nicht nur bei Mehrwegverpackungen: Die Unternehmen Covestro, Advanced Polymer Technology und Polytan entwickelten gemeinsam den Hockeybelag Poligras Tokyo GT. Er ist als Bodenbelag in den Hockeyfeldern bei der Oympiade in Tokio eingesetzt und enthält einen Polyurethan-Rohstoff von Covestro, der mit bis zu 20 % CO₂ hergestellt wurde. Foto: Getty Images

Die Renewable Carbon Initiative fordert einen Systemwechsel weg vom Erdöl und hin zu neuen Mehrwegsystemen mit Rohstoffen aus Biomasse, CO2 und Recycling.

Die Renewable Carbon Initiative (RCI) unterstützt das Verbot von Einwegkunststoffen für eine Reihe von Anwendungen wie Besteck, Teller oder Strohhalme, aber auch Feuchttücher und Ohrreinigungsstäbchen, das in der gesamten Europäischen Union ab Juli 2021 in Kraft getreten ist, fordert aber auch, einen Schritt weiter zu gehen und auf den Einsatz von Erdöl als Basis für die neuen Mehrwegprodukte zu verzichten.

Systemwechsel von Ein- zu Mehrweg reduziert den Ressourcenverbrauch

Der Systemwechsel von Ein- zu Mehrweg reduziert den Ressourcenverbrauch und die Mengen an Kunststoffen, die nach ihrer Nutzung in die Umwelt gelangen und zu Mikroplastik werden. Er erfordert erhebliche Anstrengungen in Bezug auf technische Entwicklungen, Standardisierung, Logistik und Investitionen. Bei diesem Schritt sollte dann aber auch gleich damit begonnen werden, die fossile Rohstoffbasis ad acta zu legen, so RCI.

Michael Carus, der Begründer der RCI-Initiative: „Der fossile Kohlenstoff, aus dem heute 99 % der Kunststoffe produziert werden, ist die Hauptursache für den menschenverursachten Klimawandel. Wenn wir nun neue, nachhaltige und zukunftsweisende Mehrwegsysteme für Verpackungen und Catering einführen wollen, so dürfen diese nicht auf fossilem Erdöl basieren und damit immer weiteren fossilen Kohlenstoff in die Technosphäre und Atmosphäre eintragen. Zumal heute praktisch sämtliche Kunststoffe und viele andere Materialien genauso gut aus Biomasse, CO2 und Recycling gewonnen werden können. Der Systemwechsel darf nicht auf Basis von Erdöl geschehen – niemand käme heute bei Mobilität auf die Idee, bei einem neuen Konzept auf Erdöl zu setzen. Und dies sollte ebenso bei Kunststoffen so sein.“

Vielfältige Mehrweglösungen, die ohne Erdöl auskommen

Die Unternehmen, die sich in der RCI zusammengeschlossen haben, können hier schon vielfältige Lösungen anbieten, deren weitere Optimierung und genereller Ausbau unterstützt werden sollten. So können zum Beispiel Mehrweg-Cateringboxen ebenso wie Mehrweg-Besteck und -Teller schon heute aus Polyethylen (PE) hergestellt werden, dass nicht mehr auf Erdöl basiert, sondern auf Biomasse, CO2 oder Recycling.

Ganz konkret: PE wird bereits aus Zuckerrohr, aus Altspeiseölen („Used Cooking Oil“) von der finnischen Firma Neste (FI) und von der US-Firma LanzaTech aus den Abgasen von Stahlwerken hergestellt, die CO2, CO und Wasserstoff enthalten. Zahlreiche Unternehmen bieten zudem hochwertige PE-Recyclingware an. 

Auch für Polyester stehen nach Überzeugung von RCI erneuerbare Alternativen zu Erdöl bereit: Das finnische Unternehmen UPM stellt ab 2023 in seiner neuen Bioraffinerie in Deutschland aus regionalem Laubholz MEG her, ein wichtiges Vorprodukt von Polyestern wie PET oder PEF. In die gleiche Richtung geht die Cosun Beet Company (Niederlande), die aktiv an der Verwertung ihrer Zuckerrüben zu MEG arbeitet.

Hochleistungspolymere auf Basis von Biomasse und CO2

Auch die Hochleistungspolymere der deutschen Firma Covestro und der US-Firma Dupont Biomaterials, die sich für hochwertige Mehrwegsysteme eignen, können zumindest zu gewissen Anteilen schon aus Biomasse und CO2 hergestellt werden. Eine Vielzahl an nicht-fossilen Kunststofflösungen bietet der israelische Compoundeur Triple W auf Basis von Bioabfall an.

Aber auch da, wo keine Mehrweglösungen möglich sind, wie bei Feuchttüchern, können diese nach Überzeugung von RCI schon heute ohne Qualitätseinbußen zu 100 % bio-basiert hergestellt werden. Dies zeigten unter anderem der österreichische Zellulosefaserproduzent Lenzing und die deutsche Firma Beiersdorf, die ausschließlich pflanzenbasierte Fasern für Gesichtsreinigungstücher verwendet.

Das Fazit der RCI: Dort, wo Mehrweglösungen gehen, sind diese auf jeden Fall zu bevorzugen. Daher unterstützt die RCI das neue Gesetz, schlägt aber der Politik vor, einen Schritt weiter zu gehen: Alle neuen Konzepte müssen ohne fossilen Kohlenstoff auskommen – unter Einsatz von Biomasse, CO2 und Recycling.

Wie die RCI betont, sind übrigens alle genannten Unternehmen Mitglieder der Renewable Carbon Initiative und zeigen damit, dass sie es ernst meinen mit dem Klimaschutz in der Chemie- und Kunststoffindustrie.

gk