Prüfkoffer als robustes Leichtgewicht

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Ein neuer Prüfkoffer von Bormann wiegt rund ein Drittel weniger als das Vorgängermodell. CF-PP-Compounds von Wipag ersetzen hierbei GF-PC/ABS-Blends.

Leichtbau spielt auch bei Werkzeugen eine zunehmende Rolle, ein gutes Beispiel hierfür ist das Prüfkoffersystem ULW-L12 der Firma Bormann. Das Unternehmen mit Sitz in Neusäß ist ein Spezialist für IT-Hardwarelösungen und gewann mit seinem Konzept den Auftrag für ein neues Prüfkoffersystem für einen bekannten deutschen Prüfungs- und Zertifizierungsdienstleister.

Leichter Prüfkoffer für den harten Außeneinsatz

Die Vergangenheit zeigte: Wenn die Prüfingenieure mit ihrem Wagen nicht direkt neben dem Prüfplatz halten konnten, wurde bereits der Transport des bisherigen Prüfequipments zum Knochenjob. Der neue Prüfkoffer bietet jetzt nicht nur modernste Technik, sondern ist auch vom Gewicht her eine echte Erleichterung. „Die Gutachter und Techniker unseres Kunden sind viel im Außeneinsatz unterwegs, da zählt jedes Gramm“, weiß Geschäftsführer Tim Bormann. Die weitere Aufgabenstellung lautete: Der Koffer musste robust genug für den Einsatz in Industrieumgebungen sein, ein angenehmes Handling aufweisen und zudem eine mobile Druckereinheit aufnehmen können. Bormann: „Robustheit und technisches Equipment auf der einen, Gewichteinsparung auf der anderen Seite, das klingt zunächst nach gegenläufigen Zielsetzungen.“

Robust und leicht mit CF-Polypropylen

Diesen Widerspruch lösten die Experten von Bormann durch das Drehen an mehreren Stellschrauben sowohl in der Elektronik als auch in der Mechanik: Durch das Know-how als Hersteller von Computerhardware wurden Platinen speziell für das Prüfkoffersystem entwickelt, um unter anderem schwere Netzteile einzusparen. Und bei der Materialauswahl wurde durch den Einsatz von carbonfaserverstärktem Kunststoff ein weiterer wesentlicher Gewichtsvorteil erzielt.







Innenansicht des Prüfkoffers: Geräteträger und Halteplatte sind aus carbonfaserverstärktem Polypropylen von Wipag. Foto: Bormann

Substitution von GF-PC/ABS-Blends

„Zwei der schwersten und zentralen Bauteile in dem Koffer sind die Geräteträger sowie die Halteplatte“, sagt Christoph Metzker, der das Projekt aufseiten der Wipag begleitet hat. Wipag ist ein Tochterunternehmen von Albis Plastic und stellt carbonfaserbasierte Compounds der Marke WIC her. „Nach eingehender Analyse des Anforderungsprofils haben wir die Verwendung von zwei spezifischen Wipag Produkten mit Polypropylen und fest definierten Carbonfaseranteilen empfohlen.“ Im Vergleich zum vorher eingesetzten glasfaserverstärkten PC/ ABS-Blend vereint carbonfaserverstärktes Polypropylen noch besser die gewünschten Eigenschaften, die sich bei anderen Materialien gegenseitig ausschließen: geringes Gewicht, hohe Steifigkeit sowie Druck- und Zugfestigkeit zugleich. Das Material dehnt sich bei Erwärmung kaum aus, ist dimensionsstabil und chemisch beständig.

Bis zu 30 Prozent weniger Gewicht

Quelle für die wertvollen Carbonfasern sind Beschnitte, die bei der Fertigung von CFK-Leichtbauteilen im Bereich der Luftfahrtindustrie, bei dem Bau von Windanlagen und in der Automobilindustrie im großen Maßstab anfallen. Dieser Markt hat jährliche Wachstumsraten von über 15 % und die Versorgungslage mit Faserresten zur Produktion der WIC Carbon- Compounds ist langfristig gesichert. Da die Beschnitte lediglich die Erstanwendung nicht erlebt haben, stellen diese im eigentlichen Sinn keine „Sekundär- oder Rezyklatware“ dar. Die Eigenschaften der WIC Carbonprodukte sind daher absolut mit marktüblichen CF-verstärkten Kunststoffen vergleichbar, nur eben zum attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis.

„Nach erfolgreicher Musterung ist ein Koffersystem fertiggestellt worden und in Serie gegangen, das sich mit einem Basiskoffergewicht von nur 6,6 Kilogramm inklusive Tablet-PC und Drucker durch eine Gewichtsreduzierung von bis zu 30 Prozent von herkömmlichen Koffersystemen absetzt“, so Tim Bormann. „Die Auswahl des richtigen Kunststoffs durch unseren Partner Wipag hat einen signifikanten Anteil dazu beigetragen.“ Ein angenehmes Handling wurde zudem durch ein ergonomisches, modernes Produktdesign, die integrierte Thermo-Direkt-Drucktechnologie und eine kurze Rüstzeit durch integrierte Kabelrolle mit Aufwicklung erreicht. Auch die bei Bedarf entnehmbare funkgesteuerte Maus und Tastatur erleichtern das Arbeiten. „Das bislang überaus positive Feedback der Gutachter unseres Kunden, vor allem zur Gewichtserleichterung, ist für uns ein Antrieb, weiterzumachen“, so Bormann.

mg

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