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Preis Plagiarius für Kunststoffbesteck-Plagiate

Links das Original von Koziol, rechts das chinesische Plagiat: Für dieses dreiste Fake hat der chinesische Hersteller den Negativpreis Plagiarius erhalten. Foto: Aktion Plagiarius

Der Negativpreis Plagiarius für besonders dreiste Plagiate und Fälschungen geht in diesem Jahr an die Fälscher eines Kunststoff-Bestecksets von Koziol.

Ein chinesischer Hersteller hat Plagiate des dreiteiligen Bestecksets Klikk von Koziol im Internet angeboten – und dafür nun den 1. Preis der Aktion Plagiarius erhalten. Ziel der Aktion Plagiarius ist es, die fragwürdigen und teils kriminellen Geschäftsmethoden von Produkt- und Markenpiraten ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, und Industrie, Politik und Verbraucher für die Problematik zu sensibilisieren. Die Auszeichnung mit dem „Plagiarius“ sagt nichts darüber aus, ob das nachgemachte Produkt im juristischen Sinne erlaubt oder rechtswidrig ist.

Das funktionale Mehrweg-Besteck Klikk Pocket von Koziol mit Sitz in Erbach ist optimal für unterwegs und trifft den Zeitgeist: kompakt, robust und 100% recyclebar. Für das Besteck hat Koziol – wie für alle seine Produkte – EU-weiten Designschutz eingetragen. Was auf den ersten Blick so einfach wirkt, ist in der Feinkonstruktion sehr komplex. Das designprämierte Mehrweg-Besteckset begeistert durch die intelligente Steckverbindung sowie einem nachhaltigen Material- und Fertigungskonzept.

Chinesisches Plagiat besteht aus „ ungeeignetem Kunststoff“

Billiganbieter Shein wirbt Kunden über Google Adwords und Social Media und bot das optisch identische, aber instabile Plagiat in vier Farben an – für weniger als ein Drittel des Originalpreises. Auf der Verpackung des Plagiats sind fünf Zertifikatslabel abgebildet, die die Nachhaltigkeit, Qualität und Sicherheit bezeugen sollen. Ob die Prüfstätten Material und Billigprodukt je getestet haben, ist fragwürdig. Das Urteil der Juroren der Aktion Plagiarius: „Das Plagiat ist aus ungeeignetem Kunststoff produziert, der sich nach kürzester Zeit verformt und damit das Besteck nach wenigen Einsätzen völlig unbrauchbar macht.“

Negativpreis für dreisten Ideenklau

Die goldene Nase des Award-Zwergs ist ein Symbol für die Profite, die ideenlose Nachahmer auf Kosten von Kreativen und der Industrie erwirtschaften. Foto: Aktion Plagiarius

Die Aktion Plagiarius – hier mehr zur Preisverleihung 2022 – engagiert sich gegen dreisten Ideenklau zugleich für mehr Wertschätzung von kreativen Leistungen. Denn von einer ersten Idee bis hin zum marktreifen Endprodukt ist es ein anspruchsvoller und kostenintensiver Prozess, bei dem die Entwickler beziehungsweise Markeninhaber regelmäßig finanziell in Vorleistung gehen. Design- und Ingenieursleistung erfordern nicht nur sehr komplexes Fachwissen, sondern auch ein Gespür für Märkte, Trends, nachhaltige Produktion und wirtschaftliche Machbarkeit. Ebenso spielen Qualitäts- und Sicherheitskontrollen, Zertifizierungen, Verpackungsdesign und vieles mehr eine wichtige Rolle. Um weitere Produktentwicklungen und Arbeitsplätze sichern zu können, muss sich dieses unternehmerische Risiko lohnen. Nur dann können sich Wirtschaft und Wohlstand in Deutschland, Europa und der Welt entfalten und die Zukunft gestaltet werden.

Auch in Europa werden illegale Fakes produziert

Im Bericht „Global Trade in Fakes“ beziffern das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) und die OECD den internationalen Handel mit Fälschungen alleine für 2019 auf 412 Mrd. EUR. Dies entspricht 2,5 % des Welthandels. In Europa liegt der Anteil mit 5,8 % aller EU-Einfuhren nochmal deutlich höher. Die Einfuhren gefälschter Produkte in die EU beliefen sich 2019 auf 119 Mrd. EUR. Nicht erfasst sind reine Inlandsgeschäfte. Die Studie „Intellectual Property Crime Threat“ von Europol und EUIPO zeigt, dass ein Großteil der Fälschungen in China hergestellt wird. Die zunehmende Einfuhr von gefälschten Verpackungsmaterialien und Halbfertigprodukten in die EU deutet aber auch auf illegale Produktionsstätten in der EU hin.

sk