Polyester als Alternative zu PA66

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Sabic führt mit Xenoy HTX ein Hochtemperatur-Polyester für Strukturkomponenten ein. Der Werkstoff eignet sich als Alternative zu PA66-Compounds.

Sabic hat auf der K-Messe 2019 in Düsseldorf ganz neue polyester-basierte, thermoplastische Hochtemperatur-Polymere eingeführt. Die neue Polymerfamilie heißt Xenoy HTX. Sie eignet sich vor allem zur Fertigung leichter und schlagzäher Strukturbauteile für Kraftfahrzeuge. Xenoy HTX richtet sich also an Automobilhersteller, die auf der Suche nach neuen Polymerlösungen sind, die erhöhten Temperaturen standhalten müssen, wie zum Beispiel in der kathodischen Tauchlackierung bei über 180 °C. Zu den relevanten Anwendungen zählen Rohbauteile, Strukturverstärkungen und Batterieschutzsysteme für Elektrofahrzeuge (EV).

Neues Polyester kann PA66 ersetzten

Xenoy HTX ist mit oder ohne Glasfaser verstärkt lieferbar. Es eignet sich laut Sabic als unmittelbare Alternative zu Compounds und Blends auf Basis von Polyamid 6.6 (PA66), bei denen in letzter Zeit häufig Lieferengpässe und Preisschwankungen aufgetreten sind.

„Die Neuentwicklung Xenoy HTX zeigt, dass wir fest entschlossen sind, in die Zukunft der Automobilindustrie zu investieren und unsere Kunden dabei zu unterstützen, neue Anforderungen zu erfüllen oder bisherige Leistungsgrenzen zu überwinden“, sagt Amanda Roble, Global Leader of Sabic’s Automotive Business.

Seitenschweller zum Schutz von Batterien

Die ersten Produkte dieser neuen Hochtemperatur-Polymertechnologie sind das unverstärkte Xenoy HTX 950 sowie zwei glasfaserverstärkte Typen: Xenoy HTX 975 und Xenoy HTX 575. Das unverstärkte Material ist modifiziert, um bei einem Unfall einen erheblichen Teil der Aufprallenergie aufzunehmen und der plastischen Verformung entgegenzuwirken. Sabic positioniert dieses Material zur Substitution von Metall in neuen Leichtbau- und Sicherheitsanwendungen, einschließlich Seitenschwellern zum Schutz von Batterieeinheiten im Unterboden von Elektrofahrzeugen. In Düsseldorf zeigt Sabic bereits einen 3D-gedruckten Prototypen einer Seitenschwellerverstärkung für den Schutz von EV-Batterien.

Kaum Versprödung bei Kälte

Bei Temperaturen von -30 °C neigen viele technische Kunststoffe unter Belastung zu Versprödung und Bruch. Die Kältezähigkeit und sehr hohe Dehnung von Xenoy HTX sichern die Leistungsfähigkeit des Materials auch unter derartigen Bedingungen. Die neue Technologie sorgt außerdem für erhöhte Fließfähigkeit, was den Designspielraum für komplexe Geometrien erweitert und eine kostengünstige Konsolidierung von Bauteilen ermöglicht.

Nach der kathodischen Tauchlackierung durchgeführter Schlagversuch mit zwei aus Xenoy HTX spritzgegossenen, wabenförmigen Teilen. Das linke Teil zeigt auch bei -30 °C gute Duktilität und Energieaufnahme. Das rechte Teil wurde bei Raumtemperatur getestet. Foto: Sabic

Hybride Wabenstrukturen mit Xenoy HTX können bis zu 60 % des normalerweise mit traditionellen Ganzmetall-, mehrteiligen Stahl- oder extrudierten Aluminiumkonstruktionen für den Aufprallschutz verbundenen Gewichts einsparen – ohne Abstriche an Dimensionsstabilität, Steifigkeit und mechanischer Festigkeit hinzunehmen. Die glasfaserverstärkten Typen eignen sich insbesondere für anspruchsvolle Rohbaustrukturen, die kathodischen Tauchlackierzyklen von 30 Minuten bei Temperaturen zwischen 180 und 220°C aushalten müssen. Sie können darüber hinaus zur Fertigung anderer Strukturkomponenten eingesetzt werden, die erhöhten Betriebstemperaturen ausgesetzt sind, wie Frontend-Baugruppen, Vorbauträger und Bauteile im Motorraum.

mg

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