Polierwerkstatt Bestenlehrer feiert Jubiläum

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40 Jahre Hochglanz: Polierwerkstatt Bestenlehrer feiert.

Der junge Marcel Bestenlehrer in einem Werkzeug für die Innenverkleidung des ICE 1 – dieses war schon allein ob seiner Größe eines der ungewöhnlichsten Teile, das in der Firma je poliert wurde. „Dieses Werkzeug war überdimensional und musste von uns im Eingangsbereich bearbeitet werden. Ich selbst war natürlich noch zu jung, um mitzuhelfen“, erzählt Marcel Bestenlehrer. Foto: Bestenlehrer

Mitten im Sommer 1979 gründete der damals 33-jährige Werkzeugmachermeister Alexander Bestenlehrer seine Polierwerkstatt. Er hatte den Bedarf der Werkzeug- und Formenbauer erkannt, die Oberflächen ihrer Spritzguss-, Druckguss- und Umformwerkzeuge polieren zu lassen.

Die Geschichte von Bestenlehrer begann in Erlangen als reiner Familienbetrieb, doch bereits 1984 übersiedelte die gewachsene Firma nach Herzogenaurach in eine eigene Halle. 2017 übernahm Alexander Bestenlehrers Sohn Marcel das Unternehmen. Nun feiert die Bestenlehrer GmbH ihr 40-jähriges Jubiläum.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Firma zu einem Kompetenzzentrum für Oberflächen entwickelt, in dem derzeit zehn Mitarbeiter tätig sind. Seit etwa 20 Jahren fokussiert das Unternehmen auf die Hochglanzpolitur komplexer Bauteile und beliefert dabei die anspruchsvollsten Kunden.

Oberflächen-Musterplatte: Das Werbegeschenk ist der Renner bei den Kunden der Polierwerkstatt

Ein Polierstein auf einer hochglanzpolierten Oberfläche: Das Bild verdeutlicht die Tätigkeit von Bestenlehrer – Hochglanz durch Handarbeit. Foto: Bestenlehrer

„Hochglanz auf höchstem Niveau können nicht alle“, meint Marcel Bestenlehrer, der Werkzeugmechaniker für Umformtechnik und Wirtschaftsingenieur ist. Als Entscheidungshilfe für Kunden und deren Endkunden hat die Polierwerkstatt 2018 eine Oberflächen-Musterplatte mit sieben Referenzflächen herausgegeben. Sie dokumentiert das Bearbeitungsangebot des Unternehmens und ist dessen einziges Werbegeschenk – ein Renner bei den Kunden, Lagerstand null.

Diese hohen Standards zeigen die lange Erfahrung und die intensive Auseinandersetzung mit der Materie. „Das Geheimnis des ‚richtigen Polierens‘ ist der Ablauf“, erklärt Unternehmensgründer Alexander Bestenlehrer. „Man muss wissen, wann man eine Stufe beenden kann, um die nächste zu beginnen. Dann schafft man ein gutes Ergebnis in einer guten Zeit.“

Die Grundzüge der Arbeit sind die gleichen wie vor 40 Jahren

Marcel Bestenlehrer, der mit der Firma aufgewachsen ist, erkennt eine gewisse Kontinuität in der Ausübung seines Metiers. „Wir verwenden rotierende und Feil-Handstücke, Ultraschallgeräte, Schleifsteine und Diamantpasten, aber die Grundzüge unserer Arbeit – natürlich modernisiert – sind die gleichen wie vor 40 Jahren“, sagt der Geschäftsführer. „Und: Auch in Zukunft wird das letzte Quäntchen Hochglanz von Hand poliert werden müssen, am Ende kommt man um die Fingerfertigkeit eines Menschen nicht herum!“

Zugleich ist der Betrieb stets offen für Innovation. 1995 ließ sich Bestenlehrer eine Technik für Laserpolieren patentieren. Die Idee war, dass ein Laserstrahl durch Umschmelzen der Werkstückoberfläche das Hochglanzpolieren von Hand ablösen kann. Das Verfahren war seiner Zeit so weit voraus, dass es von einem kleinen Familienbetrieb wirtschaftlich nicht umgesetzt werden konnte. Erst 19 Jahre später waren Technik und Wirtschaftlichkeit der Lasertechnik soweit, dass eine selbst entwickelte Laserpolieranlage in Betrieb genommen werden konnte. Seit 2014 wird das Laserpolieren von Funktionsoberflächen angeboten, beispielweise bei Umformwerkzeugen.

Eine weitere Herausforderung ist gegenwärtig das Polieren von Formeinsätzen, die mit Additiver Fertigung hergestellt wurden. „Die Kunst ist, 3D-Druck polierbar zu machen“, erläutert Marcel Bestenlehrer. „Da sehe ich mich in der Pflicht, unsere Kunden zu beraten. Wir schaffen es inzwischen, gedruckte Teile nahe an den Hochglanz heranzupolieren.“

Firmengründer Alexander Bestenlehrer, zusammen mit seinem Sohn und Nachfolger, Marcel Bestenlehrer. Foto: Bestenlehrer

Der Fachkräftemangel bereitet Sorgen

In den letzten Jahren bemerkt Marcel Bestenlehrer eine spezielle Nuance des Fachkräftemangels: Die Inhaber von kleinen Polierwerkstätten gehen in Rente wie sein Vater, haben aber keine Nachfolger mehr. Was sich zunächst positiv für den eigenen Betrieb anhört, bereitet Bestenlehrer Sorgen: „Die Nachfrage muss bedient werden, sonst sucht sich der Markt andere Wege. Langfristig ist die fehlende Vielfalt schlecht für die Branche.“

Aber derzeit gibt es keinen Grund zur Beunruhigung in Herzogenaurach. Die Maschinen sind auf dem Stand der Technik, die Auftragslage ist stabil. Außerdem bleiben Öffentlichkeitsarbeit und Kundenkontakt bei Bestenlehrer ein wichtiges Thema. Seit Mitte der 1980-er Jahre ist der Betrieb jedes Jahr mindestens auf einer Messe präsent – eine Tradition, die Marcel Bestenlehrer fortführen wird. Wie sein Vater, der im Rummel der Branchentreffs stets Ruhe und Zufriedenheit ausstrahlte, ist auch er ein Fels in der Brandung.

jl

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