Pilotprojekt: Kunststoffe im Automobil chemisch recyceln

KIT und Audi arbeiten in einem Pilotprojekt am chemischen Recycling für Kunststoffe im Automobil. Aus Pyrolyseöl sollen neue Bauteile entstehen.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) startet mit Audi ein Pilotprojekt für chemisches Recycling, um gemischte Kunststofffraktionen aus verschrotteten Automobilen zurück in einen ressourcenschonenden Kreislauf zu führen.

Zahlreiche Bauteile in Autos werden aus Kunststoffen gefertigt. Für sie gelten hohe Anforderungen an Sicherheit, Hitzebeständigkeit und Qualität. Diese können mit Rezyklaten aus mechanischen Recycling häufig nicht erfüllt werden. Zudem fallen im Auto nur wenig sortenreine Kunststoffe ab, die mechanisch recycelt werden können. „Automobile Kunststoffe zu recyceln, ist bisher für viele Bauteile nicht möglich“, sagt Professor Dieter Stapf, Leiter des Instituts für Technische Chemie am KIT. „Wenn wir die Kreisläufe schließen wollen, dann müssen wir hierfür geeignete Verfahren wie das chemische Recycling entwickeln.“

Chemisches Recycling bisher einzige Methode

Chemisches Recycling ist bisher die einzige Methode, mit der es möglich ist, gemischte Kunststoffabfälle wieder in Produkte mit Neuwarenqualität umzuwandeln. Dadurch könne eine größere Bandbreite an Kunststoffen wiedergewonnen werden, so Stapf. „Derart geschlossene Materialkreisläufe sparen Ressourcen, weil weniger Primärmaterial benötigt wird“, sagt Dr. Rebekka Volk vom Institut für Industriebetriebslehre und Industrielle Produktion des KIT.

Das Pilotprojekt „Chemisches Recycling von Kunststoffen aus dem Automobilbau“ führt der Thinktank Industrielle Ressourcenstrategien durch, den die baden-württembergische Landesregierung gemeinsam mit der Industrie und mit Unterstützung der Wissenschaft am KIT eingerichtet hat. „Das chemische Recycling kann einen Baustein für ein umfassendes Kunststoffrecycling bilden. Das macht es so interessant für die Automobilindustrie“, so der Geschäftsführer des Thinktanks, Dr. Christian Kühne.

Pilotprojekt im Automobilbau

Audi zählt zu den ersten Automobilherstellern, der das chemische Recycling in einem Pilotprojekt mit Kunststoffen aus der Automobilproduktion testet. „Wir wollen intelligente Kreisläufe in unseren Lieferketten etablieren und Ressourcen effizient einsetzen“, sagt Marco Philippi, Leiter Beschaffungsstrategie bei Audi. „Chemisches Recycling birgt hierfür großes Potenzial: Wenn Kunststoffbauteile ohne Qualitätsverlust aus Pyrolyseöl hergestellt werden können, wäre es möglich, den Anteil an nachhaltig hergestellten Teilen im Auto zu erhöhen. Auf lange Sicht kann dieses Verfahren auch im Altfahrzeug-Recycling eine Rolle spielen.“

Mit dem Thinktank am KIT als Partner will Audi zunächst die technische Machbarkeit des chemischen Recyclings testen und das Verfahren auf Wirtschaftlichkeit und Umweltauswirkung bewerten. Das Unternehmen stellt dafür nicht mehr benötigte Kunststoff-Bauteile wie Kraftstofftanks, Radzierblenden oder Kühlerschutzgitter aus Audi-Modellen zur Verfügung, die aus dem deutschen Händlernetzwerk zurückkehren. Diese Kunststoff-Bauteile werden durch chemisches Recycling zu Pyrolyseöl verarbeitet.

Mittelfristig können Bauteile aus Pyrolyseöl erneut in Automobilen verwendet werden. Gelingt es, die technische Machbarkeit nachzuweisen, will Audi das Verfahren industrialisieren und dann sukzessive auf mehr und mehr Teile anwenden.

mg

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