Märkte 04.12.2017 2 Bewertung(en) Rating

Ob Drop-in oder kompostierbar: Biokunststoffe wachsen weiter

Die weltweiten Produktionskapazitäten für Biokunststoffe sollen in den nächsten fünf Jahren um 20 Prozent steigen. Doch unter den einzelnen Typen gibt es Gewinner und Verlierer.

European Bioplastics (EUBP) stellte Ende November seine aktuelle Marktdatenauswertung vor. Demnach setzt sich der positive Wachstumstrend der Biokunststoffbranche weiterhin fort. "Der Markt für Biokunststoffe wird in den nächsten fünf Jahren um 20 Prozent wachsen. Die Bemühungen um den Wandel hin zu einer Kreislaufwirtschaft sowie die stärkere politische Unterstützung und nicht zuletzt das gesteigerte Verbraucherbewusstsein für nachhaltige Produkte und Verpackungen tragen zu dem Wachstum bei", sagt François de Bie, Vorsitzender von European Bioplastics.

 - Die weltweiten Produktionskapazitäten für Biokunststoffe sollen in den nächsten fünf Jahren um 20 % steigen.
Die weltweiten Produktionskapazitäten für Biokunststoffe sollen in den nächsten fünf Jahren um 20 % steigen.
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Biopolymere wie PLA und PHA sind die größten Treiber

Die weltweiten Produktionskapazitäten für Biokunststoffe werden in den kommenden Jahren weiter ansteigen von rund 2,05 Mio. t im Jahr 2017 auf etwa 2,44 Mio. t bis 2022. Biopolymere wie PLA (Polylactide) und PHA (Polyhydroxyalkanoate) sind die größten Wachstumstreiber im Bereich der biobasierten und biologisch abbaubaren Kunststoffe. PHA sind eine wichtige Polymerfamilie, die sich lange Zeit in der Entwicklung befand und nun in kommerziellen Mengen auf dem Markt erhältlich ist. Die Produktionskapazitäten für PHA werden in den kommenden fünf Jahren voraussichtlich um das Dreifache steigen. Diese Polyester sind 100 % biobasiert, biologisch abbaubar und bieten eine Fülle an Eigenschaften abhängig von ihrer chemischen Zusammensetzung. Die Produktionskapazitäten für PLA verzeichnen ebenfalls ein starkes Wachstum und werden bis 2022 voraussichtlich um 50 % ansteigen. PLA ist ein vielseitiges Material mit guten Barriere-Eigenschaften, das in verschiedenen Sorten erhältlich und damit ein idealer Ersatz für PP (Polypropylen), PS (Polystyrol) und ABS-Kunststoffe in anspruchsvolleren Anwendungen ist.

Mehr als die Hälfte der Kapazitäten sind Drop-in Lösungen

Haltbare Kunststoffe, wie die Drop-in Lösungen biobasiertes PE (Polyethylen) und biobasiertes PET (Polyethylentherephthalat) sowie biobasiertes PA (Polyamid), machen derzeit rund 56 % (1,2 Mio. t) der weltweiten Produktionskapazitäten von Biokunststoffen aus. Die Produktion von biobasiertem PE wird aufgrund neuer geplanter Kapazitäten in Europa weiter ansteigen. Der angekündigte Ausbau der Kapazitäten für PET wurde nicht wie in den vergangenen Jahren vorhergesagt realisiert. Stattdessen verlagert sich der Fokus auf die Entwicklung von PEF (Polyethylenfuranoat), einem neuen Polymer, das voraussichtlich 2020 am Markt erhältlich sein wird. PEF ist vergleichbar mit PET, jedoch 100 % biobasiert und weist verbesserte Barriere- sowie thermische Eigenschaften auf und ist somit ein ideales Material für Verpackungen. Biobasiertes PP (Polypropylen) wird ebenfalls spätestens 2022 in kommerziellen Mengen auf dem Markt erhältlich sein. Auch hier wird aufgrund der vielseitigen Einsatzmöglichkeiten von PP in vielen verschiedenen Anwendungsbereichen mit einem starken Wachstum gerechnet.

 - Nicht abbaubare Lösungen wie biobasiertes PE, PET und PA machen derzeit rund 56 % (1,2 Mio. t) der weltweiten Produktionskapazitäten von Biokunststoffen aus
Nicht abbaubare Lösungen wie biobasiertes PE, PET und PA machen derzeit rund 56 % (1,2 Mio. t) der weltweiten Produktionskapazitäten von Biokunststoffen aus
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Führende Anwendung bleibt die Verpackung

Verpackungen bleiben das führende Anwendungssegment für Biokunststoffe mit fast 60 % (1,2 Mio. t) Anteil am gesamten Biokunststoffmarkt im Jahr 2017. Die Daten zeigen zudem, dass Biokunststoffe bereits in vielen weiteren Bereichen eingesetzt werden, einschließlich Textilien, Gebrauchsgüter, Automobil- und Verkehrsbereich sowie im Landwirtschafts- und Gartenbereich. Mit Blick auf die regionale Verteilung der Produktionskapazitäten bleibt Asien weiterhin die zentrale Produktionsstelle. Über 50 % aller Biokunststoffe wurden 2017 in Asien produziert. Rund ein Fünftel der Kapazitäten sind in Europa angesiedelt. Dieser Anteil wird bis 2022 voraussichtlich auf ein Viertel ansteigen. Der Entschluss der Europäischen Kommission zum Wandel hin zu einer Kreislaufwirtschaft setzt wichtige Impulse für das Wachstum und die Entwicklung der Biokunststoffbranche in Europa.

 - Verpackungen bleiben das führende Anwendungssegment für Biokunststoffe mit fast 60 % (1,2 Mio. t) Anteil am gesamten Biokunststoffmarkt im Jahr 2017
Verpackungen bleiben das führende Anwendungssegment für Biokunststoffe mit fast 60 % (1,2 Mio. t) Anteil am gesamten Biokunststoffmarkt im Jahr 2017
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Steigende Zahl großer Marken und Unternehmen

"Im Laufe der vergangenen zehn Jahre hat sich die Biokunststoffindustrie zu einer innovativen und schnell wachsenden Branche entwickelt", sagt de Bie. "Wir beobachten eine steigende Zahl großer Marken und Unternehmen, die von fossilen auf biobasierte oder biologisch abbaubare Kunststofflösungen für Ihre Produkte umsteigen. Diese Unternehmen reagieren auf die steigende Nachfrage nach nachhaltigeren Produkten sowie den generellen Wandel im Bewusstsein über die Umweltauswirkungen."

Die Daten für die weltweiten Produktionskapazitäten von Biokunststoffen basieren auf der Marktstudie "Bio-based Building Blocks and Polymers" des Nova-Instituts (2018).

mg

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