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Für eine problemlose Staffelstabübergabe bei der Unternehmensnachfolge sollten Inhaber von KMUs rechtzeitig handeln und eine Strategie entwickeln.

Management

Nachfolge: Nur jedes vierte Unternehmen übergabereif

Von rund 772.000 Familienunternehmen in Deutschland ist laut IfM nur jedes vierte übergabereif. Daher sollten Unternehmer die Nachfolge frühzeitig planen.

Von rund 772.000 Familienunternehmen in Deutschland ist laut IfM nur jedes vierte übergabereif. Daher sollten Unternehmer die Nachfolge frühzeitig planen.

Rund 772.000 von den 3,3 Mio. Familienunternehmen in Deutschland so wirtschaftlich, dass sie an Nachfolger übergeben werden könnten – aber nur 190.000 davon sind in den kommenden fünf Jahren tatsächlich übergabereif. Viele mittelständische, inhabergeführte Unternehmen in Deutschland sind übernahmewürdig, weil sie genug Gewinn erwirtschaften. Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) schätzt in einer Studie, dass davon etwa ein Viertel – also rund 190.000 – in der Zeit zwischen 2022 und 2026 zur Übergabe anstehen. „Fast die Hälfte der Übernahmen erwarten wir im Bereich der Unternehmensnahen Dienstleistungen, gefolgt vom Produzierenden Gewerbe und Handel“, schreibt das IFM in der Studie.

Aufwand der Nachfolgeregelung wird unterschätzt

Spannend auch die Einschätzung zu den Unternehmensgrößen-Klassen: Firmen mit weniger als 100.000 EUR Umsatz erwirtschaften laut IfM nicht den nötigen Gewinn, um übernahmewürdig zu erscheinen. Sehr viele Übergaben seien hingegen mit rund 39.100 Unternehmen in der Größenklasse 1 bis 2 Mio. EUR Jahresumsatz zu erwarten. „Viele Inhaber von Familienunternehmen unterschätzen leider den Zeitrahmen und den Aufwand für eine Nachfolgeregelung“, betont Matthias Ehnert, geschäftsführender Gesellschafter der Enwito, die unter der Marke Intelligentis Unternehmensübergaben begleitet. „Eine gute Planung und ein angemessener zeitlicher Vorlauf sind unabdingbare Voraussetzungen für einen guten Verkaufspreis.“

Unternehmenswert für Übergabe optimieren

Einig sind sich Institut und Berater bei den Auswirkungen der Pandemie: „Anfangs waren die Familienunternehmen sehr zurückhaltend bei ihren Aktivitäten zum Unternehmensverkauf“, sagt Ehnert. „Wer aber vorher gut dastand und die Zeit der Pandemie zur Vorbereitung der Unternehmensnachfolge nutzte, profitiert jetzt von der Erholung. Wir merken deutlich, dass gerade die älteren Inhaber wohl überlegt an die Nachfolgeregelung gehen.“ Jedoch müssen die Unternehmenswerte vernünftig eingeschätzt, die richtigen Strategien festgelegt und rechtliche Rahmenbedingungen geprüft werden. Durch den Verkäufer beauftragte Berater helfen dabei, Stärken und Schwächen zu identifizieren und damit den Unternehmenswert zu optimieren.

Long Covid mit möglicher Wirkung auf Unternehmensverkauf

„Größeren Einfluss könnte die Pandemie auf den Nachfolgegrund Krankheit haben, wenn Unternehmer und Unternehmerinnen an den Langzeitfolgen von Covid 19 leiden und deswegen ihre Tätigkeit aufgeben müssen“, so das IfM. In der Gruppe der 15- bis 59-Jährigen waren bis Ende November 2021 mehr als 3,8 Mio. Menschen an Covid19 erkrankt. Darunter befinden sich nach IfM-Schätzung etwa 240.000 Selbstständige. Es „könnte eine mindestens fünfstellige Zahl an Selbstständigen am dauerhaften Post-Covid-Syndrom leiden. Nicht alle werden deswegen ihre unternehmerische Tätigkeit aufgeben. Dennoch könnte die Corona-Pandemie über diesen Weg zu einer Erhöhung der Anzahl der anstehenden Übergaben führen.“ Matthias Ehnert ergänzt: „Aktuell sind uns noch keine derartigen Fälle untergekommen. Daher gehen wir davon aus, dass sich die Pandemie nicht nachhaltig auf die Unternehmensnachfolgen auswirken wird.“

ak