Mocom-CEO Ian Mills: „Compounds auf einem neuen Level“

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Die K-Zeitung sprach im Interview mit Ian Mills, CEO von Mocom, über kommende Entwicklungen im Compound-Geschäft.

Ab sofort agiert Mocom, ehemaliger Geschäftsbereich Technical Compounds bei Albis Plastic, als eigenständiges Unternehmen am Markt. Mocom ist Teil der inhabergeführten Otto Krahn Unternehmensgruppe. Ian Mills, CEO von Mocom, erläutert, wohin die Reise bei Mocom geht und was sich für die Kunden ändert.

K-Zeitung: Ian Mills, seien Sie herzlich gegrüßt. Sie sind der CEO der neuen, selbständigen Mocom. Wofür steht der Name Mocom? Er erinnert überhaupt nicht an Albis.
Ian Mills: Der Name Mocom steht für ‚Modern Compounding‘. Wir haben diesen Namen gewählt, weil er zeigt, dass wir ein Unternehmen sind, das sich auf das konzentriert, was die Verarbeiter heute brauchen. Der Begriff ‚Modern‘ umfasst Qualität, Nachhaltigkeit, Innovation, Zuverlässigkeit und Verantwortung. All diese Dinge werden für mich durch ‚Modern Compounding‘ symbolisiert.
Es stimmt, eine Assoziation zu dem Namen Albis gibt es nicht. Das war eine bewusste Entscheidung. Es zeigt deutlich, dass Mocom als Compoundeur jetzt völlig unabhängig von Albis ist. Unter dem Dach der Otto Krahn Holding wurden mit der Transformation vier Marken geschaffen, die alle ihre eigene Identität haben. Eine dieser Marken ist Mocom. Allerdings möchte ich betonen, dass wir sehr stolz auf unsere Vergangenheit sind, eine fast 50-jährige Geschichte der Compoundierung unter dem Namen Albis in Hamburg.

K-Zeitung: Werden die Produkte Alcom und Altech, deren Namensbeginn sich von Albis ableitet, umbenannt?
Ian Mills: Nein, die bekannten Marken bleiben bestehen. Sie zeigen nicht nur unsere langjährige Verbindung zu Albis, es ist auch wichtig für die Produkt-Zertifizierungen und Zulassungen unserer Kunden, dass wir diese Namen beibehalten. Das einzige Rebranding, das wir vornehmen, erfolgt im Firmennamen. Alles andere bleibt, was unseren Kunden Kontinuität und Sicherheit bei unseren Produkten gibt.

"Mit der Zeit werden wir mehr Direktgeschäfte entwickeln"

K-Zeitung: Wie sieht es mit der Distribution von Mocom-Compounds aus? Bleibt diese bei Albis?
Ian Mills: Für die Mehrheit unserer Kunden wird sich auch hier nichts ändern. Albis wird unser Distributionspartner bleiben. Mocom wird künftig eine relativ kleine Anzahl von Kunden direkt bedienen, hauptsächlich in Deutschland, wo wir eigene Kundenservice-Teams aufbauen. Mit der Zeit werden wir mehr Direktgeschäfte entwickeln. Doch Albis verfügt über ein Netzwerk, das bis in Gebiete reicht, in denen wir keine Abdeckung haben, und das wird auch weiterhin so sein.

K-Zeitung: Verkauft Mocom seine Produkte auch über andere Distributeure als Albis ?
Ian Mills: Mocom arbeitet bereits mit anderen Distributeuren und wird dieses Netzwerk weiter ausbauen. Albis ist und bleibt schon alleine aus historischen Gründen unser wichtigster global agierender Vertriebspartner,  und wir werden die Zusammenarbeit weiter ausbauen. Doch vor allem außerhalb Europas arbeiten wir auch mit Unternehmen wie Nexeo und Vinmar in den USA oder Inabata in Japan gut zusammen. Dadurch profitieren wir von Reichweite und Abdeckung, wo Albis selbst nicht präsent ist.

K-Zeitung: Hat Mocom bei Albis den gleichen Stellenwert als Partner wie andere Kunststoffhersteller?
Ian Mills: Albis und Mocom sind  Schwesterunternehmen mit einer langjährig gewachsenen guten Beziehung. Gleichzeitig pflegt Albis mit den anderen Distributionspartnern eine teilweise jahrzehntelange, vertrauensvolle Zusammenarbeit. Wie in der Vergangenheit auch wird Albis das Geschäft für alle Partner erfolgreich entwickeln und zeitgleich im Kundeninteresse die jeweils individuell geeignetste Lösung vorschlagen.

"Wir planen derzeit keine größeren Veränderungen in unserem Portfolio"

K-Zeitung: Wird es Änderungen am Produktportfolio geben?
Ian Mills: Jedes Unternehmen managt sein Portfolio. Auch Mocom wird das Produktangebot immer wieder überprüfen. Derzeit gibt es allerdings keine Pläne, es in nennenswerter Weise zu verändern.
In Bereichen, in denen wir unseren Kunden einen Mehrwert bieten können, werden wir unser Portfolio natürlich ausbauen und stärken. Wir verstehen uns als innovativer Compoundeur, der seine Produkte kundenspezifisch weiterentwickelt. Natürlich wird es im Laufe der Zeit auch Produkte geben, die das Ende ihrer Lebensdauer erreichen, getrieben durch unsere Kunden, die Gesetzgebung oder aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit. Aber ich möchte nochmals betonen: Wir planen derzeit keine größeren Veränderungen in unserem Portfolio.

Compound-Produktion bei Mocom. Mocom ist die als eigenständiges Unternehmen ausgliederte Coupounding-Sparte von Albis Plastic. Foto: Mocom

K-Zeitung: Gilt dies auch für kundenspezifische Compounds, von denen die Kunden relativ kleine Mengen abnehmen, sagen wir 20 Tonnen pro Jahr?
Ian Mills: Ein Kunde, der 20 Tonnen pro Jahr kauft, ist für uns genauso wichtig wie ein Kunde, der 200 Tonnen pro Jahr kauft. Als Compoundeur sehen wir unsere Verpflichtung gegenüber dem Markt darin, flexibel zu sein und maßgeschneiderte Lösungen auch in kleineren Mengen anbieten zu können. Natürlich muss die Wirtschaftlichkeit bei jedem Geschäft stimmen. Aber ich sehe nicht, dass wir unser bestehendes Portfolio rationalisieren müssten.

K-Zeitung: Welche Vorteile hat die neue Unabhängigkeit der Mocom aus Sicht der Kunden?
Ian Mills: Das kombinierte Geschäft von Compounding und Distribution bei der Albis beinhaltete ein sehr breites Portfolio und viele Aktivitäten in einem Unternehmen. Was wir jetzt bei Mocom sehen,  ist ein viel schärferer Fokus auf das Geschäft mit Compounds, der sich durch das gesamte Team bis hin zum Management zieht. Für die Kunden bedeutet dies: Wir sehen noch deutlicher ihre Bedürfnisse und entwickeln spezifische Lösungen für sie.

K-Zeitung: Wie unabhängig von Albis kann Mocom agieren?
Ian Mills: Mocom wurde als eigenständiges Unternehmen am 12. Oktober im Handelsregister eingetragen. Damit operieren wir juristisch von Albis getrennt, und das wird sich ab sofort in unserem Geschäft spiegeln. Wir haben jetzt unser eigenes Managementteam und wir haben eine separate Berichtsstruktur zur Otto Krahn Holding. Auch im tagtäglichen Geschäft operieren wir jetzt unabhängig, sowohl in der Beziehung zu Lieferanten als auch zu Kunden.

Ian Mills sieht Mocom als globalen Compoundeur

K-Zeitung: Haben Sie als CEO der Mocom bereits Pläne für die Zukunft?
Ian Mills: Ich arbeite aktuell gemeinsam mit meinem Team  an unserer Strategie, Wettbewerbsfähigkeit und Kundenorientierung nicht nur beizubehalten sondern weiter zu steigern. Wir sehen uns künftig noch stärker als globaler Compoundeur, der seine Kunden weltweit unterstützt und regional und global die Präsenz ausbaut. Im Hinblick auf unser europäisches Geschäft werden wir innerhalb unseres Portfolios prüfen, ob und wo wir unsere Produktpalette stärken, insbesondere durch ergänzende Produktlinien zu unserem bestehenden Portfolio.

K-Zeitung: Wird es also schon bald doch zu größeren Veränderungen kommen?
Ian Mills: Nein. Wir werden auf dem starken Erbe aufbauen, das Albis uns mitgegeben hat. Das gilt auch für das Portfolio, dessen Erweiterung wir in Erwägung ziehen. Ebenso bleiben die Aktivitäten in den Spezial- und Ecosegmenten, erhalten. Wir werden uns dort sogar noch breiter aufstellen.

K-Zeitung: Planen Sie eventuell andere Compoundeure zuzukaufen?
Ian Mills: Wenn wir die passende Gelegenheit für eine Übernahme sehen, dann werden wir sie auch in Betracht ziehen, um unser Wachstum zu unterstützen. Insbesondere wenn sie uns eine regionale Expansion ermöglicht oder unser Produktportfolio sinnvoll ergänzt.

K-Zeitung: Die Ausgründung von Mocom als eigenständiges Unternehmen fiel direkt in die Zeit der Corona-Pandemie. Mit welchen besonderen Schwierigkeiten hatte Mocom zu kämpfen?
Ian Mills: Während einer solchen Transformation gibt es natürlich immer Herausforderungen und Kinderkrankheiten, die zu bewältigen sind. Erschwerend kommt die Pandemie dazu. Dennoch werden wir einen überwiegend nahtlosen Übergang von Albis zu Mocom gewährleisten. Auch dank der großartigen Unterstützung, die wir durch viele unserer Kunden und Lieferanten erhalten.
Was bei diesem Übergang natürlich besonders wichtig ist: Unser sehr loyales, engagiertes und erfahrenes Mocom-Team. Es waren harte 18 Monate mit einer Menge zusätzlicher Arbeit, auch im Zusammenhang mit der Pandemie. Zum Beispiel haben unsere Kolleginnen und Kollegen sichergestellt, dass  die Produktion auch während des Lockdowns nicht stillstand und wir in der Lage waren, Kunden ohne Verzögerung zu beliefern.

K-Zeitung: Was werden die allernächsten Schritte bei Mocom sein?
Ian Mills: Die nächsten Schritte sind für uns sehr spannend: Wir geben uns einen neuen Markenauftritt, dazu gehört der Launch einer neuen Website und  Werbeaktionen im neuen Branding. Danach können Sie auf weitere globale Entwicklungen und Erweiterungen der Produktlinien gespannt sein.

K-Zeitung: Tritt Mocom damit auf künftigen Messen unabhängig von Albis auf? Womöglich mit einem eigenen Stand?
Ian Mills: Wenn die Fakuma 2020 jetzt stattgefunden hätte, wären wir als Mocom bereits unabhängig von Albis aufgetreten, aus Platzgründen allerdings an den Albis-Stand angrenzend. Aber in Zukunft wird Mocom sich völlig eigenständig präsentieren.

K-Zeitung: Haben Sie noch eine Kernbotschaft an unsere Leser?
Ian Mills: Die Message ist: Mocom ist ein neues Unternehmen, das aus der starken 50-jährigen Geschichte bei Albis hervorgeht. Es ist unser Ziel, auf dieser Tradition aufzubauen, auf dem, was wir gemeinsam mit den Kunden bereits erreicht haben. Mocom´s Ziel ist es, für jeden Kunden einen Mehrwert zu schaffen. Ich freue mich auf die zukünftige Zusammenarbeit mit unseren Partnern, Kunden und dem Mocom-Team und hoffe, dass sie uns gewogen bleiben.

Das Interview führte Redakteur Matthias Gutbrod

  • Kurzinfo zu Mocom

Die Firma Mocom beschäftigt über 700 Mitarbeiter und wickelt an ihren weltweit fünf Produktionsstandorten jährlich etwa 11.000 Produktprozessaufträge mit einem Produktionsvolumen von 146.000 t/Jahr ab. Vorbehaltlich der Auswirkungen durch die Corona-Krise rechnet Ian Mills mit einem Umsatz von 280 Mio. EUR für das Geschäftsjahr 2020. 2019 lag der Umsatz der Albis Plastic nach eigenen Angaben bei 1 Mrd. EUR und verteilte sich etwa 70/30 auf die Geschäftsbereiche Distribution und Compounding.

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