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Recycling

Mit Mikrowellen Polyamid 6.6 chemisch recyceln

Asahi Kasei und Microwave Chemical starten ein gemeinsames Projekt für chemisches Recycling von Polyamid 6.6 mittels Mikrowellentechnologie.

Vergleich chemisches Recycling von Polyamid 6.6 mittels Hitze oder mittels Mikrowellen.

Der japanische Technologiekonzern Asahi Kasei hat gemeinsam mit Microwave Chemical ein Projekt für chemisches Recycling von Polyamid 6.6 (PA66) mit Mikrowellentechnik gestartet. Mit Mikrowellen lassen sich die Monomere Hexamethylendiamin (HMD) und Adipinsäure (ADA) mit geringem Energieaufwand und hoher Ausbeute aus PA66-Abfällen extrahieren und für die Herstellung von neuem PA66 wiederverwenden.

Effizientes Recycling von Polyamid 6.6

Asahi Kasei produziert HMD und ADA als Zwischenprodukte zur Herstellung seines Leona PA66 selbst. Leona PA66 ist ein technischer Kunststoff mit hervorragender Hitzebeständigkeit und Steifigkeit. Er wird unter anderem in Kunststoffteilen für Automobil- und Elektronikprodukte sowie im Garn für Airbag-Gewebe eingesetzt. Das energie- und kosteneffiziente Recycling von PA66 ist derzeit jedoch eine große Herausforderung.

Das japanische Unternehmen Microwave Chemical hat einen chemischen Recyclingprozess mit Mikrowellen entwickelt, der die Zielsubstanzen mit hoher Energieeffizienz direkt und selektiv erhitzen kann. Durch das gemeinsame Projekt wollen Asahi Kasei und Microwave Chemical einen Herstellungsprozess für PA66 kommerzialisieren, der im Vergleich zum herkömmlichen Prozess die dabei entstehenden Treibhausgasemissionen reduzieren kann.

Mikrowellen depolymerisieren mit weniger Energie

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Im Rahmen des Projekts werden PA66-Abfälle mittels der Plawave Mikrowellentechnik von Microwave Chemical depolymerisiert, um die Monomere HMD und ADA mit geringem Energieaufwand und hoher Ausbeute direkt zu gewinnen. Durch die Wiederverwertung dieser Monomere bei der PA66-Produktion können im Vergleich zum herkömmlichen Herstellungsprozess Treibhausgasemissionen reduziert werden.

Studien im Labormaßstab haben die effektive Depolymerisation bestätigt. Auch ein speziell entwickeltes Trenn- und Reinigungsverfahren nach der Depolymerisation funktionierte im Labor vielversprechend.

Vergleich der Herstellung von Polyamid 6.6 aus fossilem Öl oder aus PA66-Abfällen.

Bis Ende März 2024 wird in der Fabrik von Microwave Chemical in Osaka eine erste vollständige Anlage im Labormaßstab aufgebaut. Dann beginnen Demonstrationsversuche im kleinen Maßstab, um grundlegende Prozessdaten für die Kommerzialisierung zu sammeln. Die Entscheidung zur Hochskalierung der Technologie soll bis zum Geschäftsjahr 2025 fallen.

Mit Partnern aus der Wertschöpfungskette wollen beide Unternehmen einen effektiven und nachhaltigeren Materialkreislauf für PA66 etablieren. Microwave Chemical arbeitet zudem daran, die Mikrowellentechnik nicht nur für PA66 einsetzbar zu machen. Geprüft wird auch ihr Einsatz für das effiziente chemische Recycling von PMMA, PUR-Weichschaum sowie Schredder-Rückständen aus der Automobilindustrie.

Neben chemisch recycelten auch biobasierte Monomere

Neben neuen Recyclingtechnologien arbeitet Asahi Kasei auch an der Herstellung von PA66 auf Basis von biobasierten Monomeren. Im März 2022 ist Asahi Kasei mit dem US-amerikanischen Unternehmen Genomatica eine strategische Partnerschaft für HMD auf Basis von Biomasse eingegangen. Mit dem Einsatz dieses Bio-HMD plant Asahi Kasei, ein nachhaltigeres PA66 auf den Markt zu bringen. mg

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