Mit Leichtigkeit zum Erfolg

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Die Composites Europe schloss in Stuttgart mit positiver Bilanz ihr Pforten. Dabei standen Prozesse standen im Fokus der Messe.

Glas- und kohlefaserverstärkte Kunststoffe sind gefragt, wenn leichte und zukunftsweisende Lösungen gefordert sind. Dabei ist der Trend zum Leichtbau derzeit einer der stärksten treibenden Kräfte in der Composites-Industrie. Ebenso intensiv sind die Impulse, die von der Composites-Branche selbst ausgehen: Denn mit großen technologischen Fortschritten in der Fertigungs- und Verarbeitungskette gelingt es der Branche, Produktionsprozesse zunehmend zu automatisieren und zu verkürzen.

Beide Entwicklungen waren prägend für den Verlauf der diesjährigen Composites Europe, die mit 365 Ausstellern aus 30 Nationen zum 13. Mal stattfand. Insgesamt zählte der Veranstalter Reed Exhibitions 8.148 Besucher aus 71 Ländern und knüpfte damit an das Ergebnis des Vorjahres an (8.342). Bemerkenswert ist die Liste der Unternehmen, die nach Stuttgart kamen: Nahezu die gesamte Automobilindustrie – von Audi, BMW, Bugatti, Daimler über Ford, Honda und Mitsubishi bis zu Opel, Porsche, Toyota, und Volkswagen – war vertreten.

Ein ähnliches Bild in der Luft- und Raumfahrtindustrie. Gut jeder vierte Besucher repräsentierte ein Unternehmen, das als OEM oder als Zulieferer im Markt agiert. "Ein Qualitätsbeweis, der unterstreicht, dass die Entscheidung, jährlich in Stuttgart stattzufinden, marktgerecht war", so Hans-Joachim Erbel, CEO Reed Exhibitions als Veranstalter der Composites Europe.

Wachstum setzt sich fort

Aktuell wächst der Markt für Glasfaserverstärkte Kunststoffe (GFK) gegenüber dem Vorjahr um 2 % auf eine Menge von 1,141 Mio. t. Das ist das Ergebnis des jährlichen Marktberichtes der AVK - Industrievereinigung Verstärkte Kunststoffe, der zu Beginn der Composites Europe in Stuttgart vorgestellt wurde (seite 1). "Die Aussichten für die gesamte Composites-Industrie sind gut, die Potenziale enorm", sagt Dr. Elmar Witten, Geschäftsführer der AVK. Der Automotive-Bereich, der momentan wichtigste Abnehmermarkt für faserverstärkte Kunststoffe in Europa, befindet sich derzeit im Umbruch. Neben gestiegenen Anforderungen an Abgas- und Emissionswerte tragen neue Antriebskonzepte wie die E-Mobilität zur Umstrukturierung der Branche bei und eröffnen weitere Perspektiven.

Uwe Lang, bei Evonik verantwortlich für Sandwiches, demonstriert die vielfältigen Einsatzgebiete des PMI-Schaums Rohacell rund um ein Turbinen-Triebwerk: Spitze, Einlassring, Verkleidung, Wartungsklappe. „Rohacell als Kernmaterial ist eine kostensparende Alternative zu Wabenverbundstrukturen“, erklärt Lang. Der Leichtbauwerkstoff erfüllt alle Anforderungen im Flugzeugaußenbereich. Bisher waren diese nur durch Wabenverbundstrukturen zu erfüllen. Foto: K-ZEITUNG/Gutbrod
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Leichtbau bleibt Schlüsseltechnologie

Das Thema Leichtbau spielt dabei eine zentrale Rolle, wie Werner Lohscheider vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie anlässlich der Eröffnung des "Lightweight Technologies Forum" auf der Composites Europe betont: "Für uns bleibt Leichtbau eine Schlüsseltechnologie, die wir nutzen, um den Industriestandort Deutschland zu modernisieren und zu stärken – und zwar nachhaltig. Denn das ist eine breite und starke Basis für Wertschöpfung und Arbeitsplätze sowie die Märkte von heute und morgen."

Der Automotive-Bereich ist momentan der wichtigste Abnehmermarkt für faserverstärkte Kunststoffe in Europa. Foto: Reed Exhibitions

Besonders im Multimaterial-Leichtbau spielen Faserverbundwerkstoffe ihre Stärken aus. Denn immer seltener sind die Anforderungen des modernen Leichtbaus innerhalb eines einzelnen Werkstoffs zu lösen, immer häufiger geht es stattdessen um hybriden Leichtbau. Ein Ansatz, der dem Lightweight Technologies Forum zugrunde liegt: "Mit dem materialübergreifenden Forum haben wir ein Format geschaffen, das die Composites-Industrie und die Anwendungsbranchen zum integrativen und hybriden Leichtbau zusammenbringt", so Olaf Freier, Event-Director der Composites Europe. Das Forum feierte 2016 seine Premiere und hat sich seitdem erfolgreich entwickelt. Insgesamt 26 Unternehmen zeigten hier in diesem Jahr Materialien, Werkzeuge und Exponate – von Füllstoffen über Haftvermittler und Pressen zum Laminieren unterschiedlicher Materialien bis hin zu hybriden Halbzeugen. Ein Highlight war dabei die Machbarkeitsstudie eines Autositzes, der gerade einmal 8 kg wiegen wird.

"Process Live" rückt Fertigungskette in den Fokus

Dass es der Branche immer besser gelingt, die Produktionsprozesse zu automatisieren und zu verkürzen, zeigte die neue Ausstellungsfläche "Process live". Hier präsentierten Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau aufeinander abgestimmte Verarbeitungs- und Fertigungsprozesse. Beispielhaft dafür war die Live-Demonstration des Schneidspezialisten Gunnar (Schweiz), des Automatisierungsexperten Airborne (Niederlande) und des Greifsystemanbieters Schmalz (Deutschland), die gemeinsam die Verarbeitungskette vom Rollenmaterial bis zum fertigen Lagenaufbau eines Faserverbundbauteils prozesssicher in einer kombinierten Produktionszelle darstellten. Die ineinandergreifenden Hardwarekomponenten werden dabei softwareseitig komplett miteinander verbunden. "Die Zusammenarbeit unter den Verarbeitern wird immer enger. Diese Kooperationen innerhalb der Prozesskette forcieren das Wachstum der Composites-Industrie, das wollen wir mit dem neuen Format Process live deutlich machen", so Olaf Freier.

Künftige Co-Location mit Foam Expo Europe

Ab 2019 wird erstmals zeitgleich zur Composites Europe die Foam Expo Europe in Stuttgart stattfinden. Das haben die beiden Veranstalter – Reed Exhibitions und Smarter Shows – am Rande der Composites Europe bekannt gegeben. Die Foam Expo Europe, die in diesem Jahr in Hannover ihre Premiere feierte, präsentiert die gesamte Schaumstofflieferkette und ist Marktplatz für Hersteller und Käufer von technischen Schaumstoffen, Schaumstoffprodukten und Dienstleistungen. Im Mittelpunkt der Messe stehen Form-, Hart- und Weichschaumlösungen, einschließlich Rohstoffe, Chemikalien wie auch Ausrüstung und Maschinen.

Zusammen sollen beide Messen die Verbundwerkstoffe mit der Lieferkette der Schaumstoffherstellung verknüpfen. Denn nicht zuletzt basieren viele Werkstoffe aus beiden Welten auf Polyurethan (PUR) und Schaumstoffe werden oft als Kernmaterial in Sandwiches verwendet. Vor allem für die gemeinsamen Anwendungsindustrien wie Automotive, Luftfahrt, den Bausektor und die Sport- und Freizeitindustrie bietet der gemeinsame Messetermin am Standort Stuttgart Synergien.

Kongress ab 2019 mit neuem Konzept

Mit neuem Konzept wird ebenfalls ab 2019 auch der International Composites Congress (ICC) stattfinden. Der ICC, bisher traditionell der Auftakt der Composites Europe, wird künftig gemeinsam von Reed Exhibitions und der Wirtschaftsvereinigung Composites Germany veranstaltet. Im Zuge dessen soll es ein integratives Gesamtkonzept geben, durch das Messe und Kongress näher zusammenrücken.

Die kommende Composites Europe findet vom 10. bis 12. September 2019 in Stuttgart statt.

mg

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