„Messtechnik hilft, Ressourcen einzusparen“

Ressourcenknappheit und lange Lieferzeiten – diese aktuellen Herausforderungen lassen sich laut Dr. Jörg Wissdorf, Mitglied des Vorstands von Sikora, in der Extrusion durch Messtechnik abfangen. Foto: Sikora

Ressourcenknappheit, lange Lieferzeiten – Sikora-Vorstandsmitglied Dr. Jörg Wissdorf sieht im Gastkommentar Chancen, durch Messtechnik Ressourcen zu sparen.

Wie können Kunststoffverarbeiter die Qualität ihrer Produkte sicherstellen, Ressourcen wie Material und Energie einsparen und gleichzeitig Kosten minimieren – und wie kann ein Messtechnikhersteller dabei helfen? Fakt ist: Ressourcenknappheit und lange Lieferzeiten sind durch den Krieg in der Ukraine beherrschendes Thema in der Kunststoffverarbeitung; Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen. Denn Ressourcenknappheit und lange Lieferzeiten führen zu enormen Preissteigerungen und Schwierigkeiten bei der Lieferfähigkeit.

Ziel ist es, Abhängigkeiten von Rohstoffen zu reduzieren

Nicht erst seit Corona und dem Krieg in der Ukraine verlangt die Branche nach neuen Lösungen, die diesen Herausforderungen entgegenwirken. Es besteht Einigkeit, dass Kreislaufwirtschaft, der Ausbau von Recycling sowie höhere Ressourceneffizienz Tätigkeitsfelder sind, um Abhängigkeiten von Rohstoffen zu reduzieren. Aber wie lässt sich ein solcher Ansatz praxistauglich umsetzen?

"Kreislaufwirtschaft, der Ausbau von Recycling sowie höhere Ressourceneffizienz sind Tätigkeitsfelder, um Abhängigkeiten von Rohstoffen zu reduzieren."

Dr. Jörg Wissdorf

Mit diesen Fragestellungen beschäftigen wir uns bei Sikora als Messgerätehersteller intensiv seit fast fünf Jahrzehnten. Ob für die Fertigung von Kunststoffrohren, Gummischläuchen, Kabeln, Platten oder zur Inspektion und Sortierung von Kunststoffen – unser Anspruch ist es, mit unseren Technologien die Qualität der Produkte und Profitabilität der Hersteller zu steigern. Damit sind die Themen Material- und Energieeinsparung von vornherein Teil unserer Lösungen.

Messtechnik mit großem Potenzial in der Rohrherstellung

Zwei Beispiele aus unserer Praxis verdeutlichen, welches Potential innovative Messtechnik bietet: In der Rohrherstellung setzen Hersteller Messgeräte beispielsweise unmittelbar nach dem Extruder ein. Diese messen kontinuierlich die Wanddicke, Exzentrizität und den Durchmesser. Auf Basis der gewonnenen Echtzeit-Messwerte können die Extrusionswerkzeuge schnell zentriert und somit Anfahrschrott und Sicherheitszuschläge signifikant reduziert werden. So führt beispielsweise eine optimale Zentrierung durch Messsysteme auf der Basis von Millimeterwellentechnologie zu einem Einsparpotential von circa 5 % des Kunststoffmaterials.

Ein zweites Beispiel aus der Kunststoffindustrie zeigt, dass Einsparung bereits beim Material selbst beginnt: Durch den Einsatz von Online-Inspektions- und Sortiersystemen wird Kunststoffgranulat inspiziert und verunreinigtes Granulat automatisch aussortiert. Anwendung finden diese Systeme sowohl zur Identifizierung und Entfernung von Verunreinigungen in Granulat-Chargen als auch für die Regranulierung verunreinigter Endprodukte. Granulat- und Produktabfälle werden dadurch maßgeblich reduziert.

Ressourceneffizienz durch frühzeitige Kontrolle des Granulats

Daneben ist die Inspektion von Rohmaterial ein wichtiges Anwendungsfeld. In der Kabelindustrie beispielsweise benötigt der Herstellungsprozess von Hochspannungskabeln hochreines Kunststoffmaterial. Je reiner das Granulat, desto geringer ist das Risiko eines Durchschlags. Jeder Durchschlag bei einem Entladungstest kann Kosten von bis zu 150.000 EUR verursachen. Um die Qualität und Langlebigkeit der Kabel sicherzustellen, werden unter anderem Inspektions- und Sortiersysteme eingesetzt, sodass ausschließlich reines Material in den Extrusionsprozess und somit in die Kabelisolation gelangt – für höchste Qualität. Gleichzeitig werden Material und Energie eingespart und Kosten reduziert.

Ein deutlich geringerer Verbrauch an Kunststoffen steigert nicht nur die Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Hersteller, er schont auch die Umwelt und trägt somit zu einer nachhaltigen Produktion bei. Bis zu 5 Mio. t CO2 werden jährlich durch den Einsatz von Sikora-Messsystemen eingespart.

Dr. Jörg Wissdorf, Mitglied des Vorstands, Sikora

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