Medizintechnik-Verband fordert Strategie der Politik

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Die Medizintechnikbranche steht trotz oder wegen der Covid-19-Pandemie unter Druck; daher fordert der Verband von der Politik eine Strategie.

Der Verband postuliert eine gesamtheitliche Strategie, da die Branche trotz ihres hohen Stellenwerts für die industrielle Gesundheitswirtschaft im Land keine ausreichende Wertschätzung in der Politik und der Öffentlichkeit erhalte. Bvmed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll nennt als Beispiel die Mittelstands-Strategie der Bundesregierung, die die Medizintechnik mit keinem Wort erwähne.

Bvmed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll fordert von der Politik eine Strategie, die Medizintechnik als Leitmarkt anzuerkennen. Foto: Bvmed

Dabei stehe aktuell gerade die mittelständisch geprägten Medtech-Unternehmen unter großem Druck: „Das liegt zum einen an stetig steigenden regulatorischen Anforderungen beispielsweise durch die EU-Medizinprodukte-Verordnung MDR. Zum anderen liegt es an den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie. Unsere Unternehmen leiden vor allem unter der Verschiebung planbarer Operationen, unter weniger Arztbesuchen und damit auch weniger Verordnungen“, so Möll im Vorfeld der Virtual Medica, die die Messe Düsseldorf vom 16. bis 19. November 2020 veranstaltet. Dabei hat die Covid-19-Pandemie zum Beispiel Kunststoffverarbeitern neue Chancen eröffnet, Medizinprodukte zu fertigen.

Möll fordert: „Beitrag und Erfordernisse der Medtech-Branche müssen insbesondere von der Wirtschafts- und Forschungspolitik stärker beachtet werden. Wir brauchen eine Gesamtstrategie für die Medizintechnik-Branche, um Deutschland als Produktions- und Forschungsstandort wieder zu stärken.“

Laut Bvmed beschäftigen die Medtech-Unternehmen in Deutschland über 215.000 Menschen. Die Branche ist stark mittelständisch geprägt: 93 % der Unternehmen beschäftigen weniger als 250 Mitarbeiter. Im Durchschnitt investieren sie rund 9 % ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Die Exportquote der Branche lag im Jahr 2019 bei rund 65 %. Der Inlandsumsatz liegt bei über 33 Mrd. EUR.

Herbstumfrage des Verbands: durchschnittlich 4,9 Prozent weniger Umsatz

Die Herbstumfrage des Bvmed hatte im Oktober 2020 dramatische Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auch auf die Medizintechnik-Branche gezeigt. Demnach erwarten die im Verband organisierten Unternehme in diesem Jahr einen Umsatzrückgang von durchschnittlich 4,9 % – nach einem Umsatzplus von 3,3 % im Vorjahr. „Und das war zu einem Zeitpunkt, als die Heftigkeit der zweiten Welle noch nicht absehbar war“, so Möll. Der Absturz betrifft vor allem kleinere und mittlere Unternehmen. „Hinzu kommen starke Rückgänge beim für die Branche so lebenswichtigen Export.“ Der Bvmed fordert daher stärkere, vor allem regulatorische Entlastungsmaßnahmen für die Branche.

Die größten Hemmnisse in der weiteren Entwicklung der Branche sehen die Medtech-Unternehmen laut Bvmed-Herbstumfrage in den stark gestiegenen regulatorischen Anforderungen beispielsweise durch die EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR). 56 % der sprechen sich für eine vereinfachte Neuzertifizierung für bewährte Bestandsprodukte unter der MDR aus. Über ein Drittel der Unternehmen wünscht sich Förderprogramme für KMUs zur Umsetzung der MDR. Neben dem vorherrschenden Thema MDR stehen eine Verkürzung der Dauer der Bewertungsverfahren und eine generell ermäßigte Mehrwertsteuer für Medizinprodukte auf der gesundheitspolitischen Agenda

Strategie-Forderung: Medizintechnik als Leitmarkt

Möll: „Unsere Branche setzt sich dafür ein, den Produktions- und Forschungsstandort Deutschland zu stärken, indem die mittelständisch geprägte Medizinprodukte-Branche als Leitmarkt und starker Wirtschaftsfaktor anerkannt wird. Wir wollen einen schnellen Innovationszugang für moderne Medizintechnologien sicherstellen, insbesondere auch für digitale Gesundheitsanwendungen. Moderne medizintechnologische Lösungen sind faszinierend. Wir müssen sie noch besser wertschätzen und Ergebnisse aus Forschung und Entwicklung künftig schneller in die Versorgungspraxis überführen und qualitätsorientiert vergüten.“

Im September hat das Bundesforschungsministerium übrigens angekündigt, 20 Mio. EUR in die angewandte Forschung und Entwicklung von Medizintechnik zum Schutz gegen das Coronavirus zu investieren.

sk

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