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Medizintechnik: Umsatzwachstum für deutsche Hersteller

Die Medizintechnik-Branche wächst weiter. Foto: fernando zhiminaicela/Pixabay

Die deutsche Medizintechnikbranche hat den Umsatz 2021 um 6,3 % auf 36,4 Mrd. EUR gesteigert, erwartet aber für dieses Jahr starken Gegenwind.

Einer der Gründe für das große Umsatzplus der Medizintechnikbranche war laut Industrieverband Spectaris das starke Auslandsgeschäft: Der Auslandsumsatz legte um 7,4 % zu und erreichte einen Wert von 24,2 Mrd. EUR. Die Exportquote blieb damit stabil bei rund 66 %. Während das Asien-Geschäft aufgrund von Lockdowns und Reisebeschränkungen mit einem Wachstum von nur 2,8 % relativ schwach ausfiel, stiegen die Exporte in die EU und nach Nordamerika mit Zuwachsraten von 12 % sprunghaft an. Der Inlandsumsatz lag mit 12,2 Mrd. EUR um 4,2 % über dem Vorjahresniveau. Die Zahl der Beschäftigten stieg auf rund 155.000 Mitarbeiter, was einer Steigerung um 1,7 % entspricht.

Corona hatte der Branche Auftrieb gegeben

Mit diesem Ergebnis befindet sich die Branche weiter auf einem Wachstumspfad, der auch das erste Corona-Jahr 2020 bereits überstanden hatte. Im Gegenteil: Damals erwirtschafteten die hiesigen Unternehmen mit 34,25 Mrd. EUR einen um rund 3 % höheren Gesamtumsatz als noch 2019. Die Ursache für dieses kontinuierliche Wachstum lag nicht zuletzt daran, dass der weltweite Bedarf an Medizintechnik und Medizinprodukten, die im Zusammenhang mit Covid-19 stehen, den Nachfragerückgang in anderen Bereichen der Medizintechnikindustrie überkompensiert hat.

„Wie erwartet hat die deutsche Medizintechnikindustrie auch im vergangenen Jahr und zum Jahresbeginn 2022 ihren Erfolgskurs fortgesetzt. Der Ukraine-Krieg, Lieferkettenstörungen, die Auswirkungen der europäischen Medizinprodukteverordnung (MDR) und steigende Material-, Energie- und Logistikkosten belasten aber zunehmend das Geschäft und werden Spuren hinterlassen“, berichtet Dr. Martin Leonhard, Vorsitzender der Medizintechnik bei Spectaris.

Nicht nur aufgrund der zahlreichen Unsicherheiten durch den Krieg und einem insgesamt schwierigen konjunkturellen Umfeld darf die aktuell noch positive Umsatzentwicklung laut Spectaris aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Branche vor enormen Herausforderungen steht. „Der stetig zunehmende Zulassungs- und Bürokratieaufwand im Zusammenhang mit der neuen EU-Medizinprodukteverordnung bringt viele, vor allem kleinere Hersteller, an ihre Belastungsgrenze und schadet der Innovationskraft der Branche massiv“, so der Verband.

MDR setzt Medizintechnikbranche unter Druck

Laut einer aktuellen gemeinsamen repräsentativen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) mit Medicalmountains und Spectaris unter in Deutschland ansässigen Medizintechnikunternehmen werden viele Medizinprodukte als Folge der MDR schon jetzt vom Markt genommen, zahlreiche weitere spätestens 2024 verschwinden, wenn die Übergangsfristen für Bestandsprodukte auslaufen. Insbesondere drohen Nischenprodukte vom Markt zu verschwinden. Wenn sich hierfür keine Alternativen am Markt finden lassen, sind nach Darstellung der drei Organisationen zudem Versorgungsengpässe in bestimmten Versorgungsbereichen nicht auszuschließen.

„Wir brauchen jetzt den Mut auf EU-Ebene, Regulierungen, die nicht hinreichend zu mehr Sicherheit beitragen, kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls zurückzufahren“, so Leonhard weiter. „Und es muss vermieden werden, dass sich der ohnehin schon vorhandene Investitionsstau aufgrund des starken Kostendrucks nach der Corona-Pandemie auf Seiten der Krankenhäuser und der Kostenträger weiter vergrößert. Ansonsten schwächen wir den Forschungs- und Innovationsstandort Europa und gefährden die Existenz vieler innovativer Unternehmen und damit die mittelständisch geprägte Struktur der Branche in Deutschland.“

Deutlich niedrigerer Umsatz für 2022 erwartet

Nach einem moderaten Start der deutschen Medizintechnikindustrie im ersten Quartal 2022 mit einem Umsatzplus von 3,4 % erwartet der Verband für das Gesamtjahr ein deutlich niedrigeres Wachstum als im Vorjahr, was auch den stark steigenden Regulierungskosten in den Unternehmen geschuldet ist. Dem stehen allgemeine Wachstumstrends entgegen, die die Bremswirkung mildern: Die weltweit alternde Bevölkerung, technologische Fortschritte und die Digitalisierung, die weiter zunehmenden Investitionen der Emerging Markets in ihre Gesundheitssysteme sowie die allgemein und allerorts steigende Bedeutung des Gutes „Gesundheit“ kommen den deutschen Medizintechnik-Herstellern zugute.

Bis 2025 prognostiziert Frost & Sullivan ein durchschnittliches jährliches Wachstum des globalen Medizintechnikmarkts um 6,3 %. Die Teilhabe der deutschen Medizintechnik-Branche an diesem Potenzial wird nach Einschätzung von Spectaris zunehmend vom europäischen Rechtsrahmen und einem positiven Innovations- und Investitionsklima in Deutschland abhängen.

sk