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Medizintechnik: Branche rechnet mit Umsatzplus

Die Medizintechnik-Branche wächst weiter. Foto: fernando zhiminaicela/Pixabay

Die Medizintechnik-Branche wächst wieder: Die Branche erwartet in diesem Jahr in Deutschland ein Umsatzwachstum von 3,0 %.

Wie die Herbstumfrage des Branchenverbands BV-Med unter 110 Mitgliedsunternehmen zeigt, haben sich die Medizintechnikhersteller von den starken Umsatzeinbrüchen im Corona-Krisenjahr 2020 leicht erholt. Damals hatten sie einen Umsatzrückgang von 2,1 % verbucht. Das Vor-Corona-Niveau mit einem Wachstum von 4,2 % im Inland und 5,8 % weltweit ist aber noch lange nicht erreicht.

Mehrzahl rechnet mit mehr Umsatz in diesem Jahr

Die Medizintechnik-Hersteller haben sich von den starken Umsatzeinbrüchen im Corona-Krisenjahr 2020 erholt. Foto: BV-Med

57 % der befragten Medtech-Unternehmen rechnen nach der Umfrage in diesem Jahr mit einem besseren Umsatzergebnis als im Vorjahr. Das ist eine leichte Erholung gegenüber dem ersten Corona-Krisenjahr, reicht aber noch nicht an die Werte vor der Corona-Pandemie von über 70 % heran. Von einem Umsatzrückgang geht dagegen ein Viertel der Unternehmen aus. Bei über 11 % sind die Rückgänge sogar im zweistelligen Bereich. „Das zeigt, dass einzelne Bereiche der Medtech-Branche noch immer sehr stark von der Coronakrise betroffen sind, beispielsweise im Bereich der elektiven, also planbaren Eingriffe“, sagt BV-Med-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll.

Eine Einzelauswertung nach Produktbereichen zeigt, dass vor allem der Absatz von OP-Sets und Verbandmitteln unter der Krise leidet. Aber auch der Implantate-Bereich entwickelt sich noch leicht unterdurchschnittlich. Am stärksten ist das Umsatzwachstum mit 4,6 % bei den medizinischen Geräten.

Rohstoffpreise bremsen die Umsatzentwicklung

Etwas besser als im Vorjahr, aber immer noch „besorgniserregend“ bezeichnet der Verband die Entwicklung der Gewinnsituation der Unternehmen in Deutschland. 42 % gehen von einer Verschlechterung der Gewinnsituation aus. Im Vorjahr waren es noch 63 %. Die Gewinnsituation der Unternehmen wird nicht zuletzt durch die dramatisch gestiegenen Rohstoffpreise sowie Transport- beziehungsweise Logistikkosten geschmälert. 44 % der Unternehmen nennen die steigenden Rohstoffpreise als größte Hürde für die Entwicklung. Das ist, neben der verschobenen elektiven Eingriffen (62 %) mit rückläufigen Krankenhaus-Fallzahlen und den eingeschränkten Patientenkontakten (55 %), der höchste Wert.

Verschobene elektiven Eingriffe, rückläufige Krankenhaus-Fallzahlen und eingeschränkte Patientenkontakte sehen die Medizintechnik-Unternehmen derzeit als größte Hürden für ihr Geschäft. Foto: BV-Med

Trotz der schwierigen Bedingungen versuchen die befragten Medtech-Unternehmen, ihr Personal zu halten. Nur 10 % sind gezwungen, in diesem Jahr Arbeitsplätze abzubauen. 48 % halten ihr Personal. 38 % schaffen sogar zusätzliche Arbeitsplätze. Und auch die Berufsaussichten für Fachkräfte in der Medtech-Branche sind nach wie vor ausgezeichnet. Gesucht wird vor allem Fachpersonal aus den Bereichen Ingenieurwissenschaften, Medizintechnik, Naturwissenschaften, Informatik und Pflege. „Die Branche bleibt ein Jobmotor, die Zahl der Arbeitsplätze steigt weiter“, so Möll. Aktuell beschäftigt die Medizinprodukte-Branche in Deutschland mehr als 235.000 Menschen. Die Beschäftigtenzahlen sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen.

Zudem erhöht über ein Viertel der Unternehmen auch in diesem Jahr ihre Investitionen am Produktionsstandort Deutschland. Bei 43 % bleibt die Höhe der Investitionen unverändert.

Ähnlich sieht die Situation bei den Forschungsausgaben aus. 21 % der befragten BV-Med-Unternehmen erhöhen ihre Forschungsausgaben gegenüber dem Vorjahr. Bei 37 % bleiben sie unverändert.

Medizintechnik-Unternehmen wünschen sich MDR-Förderprogramme

Der mit Abstand größte Bremser der künftigen Medtech-Entwicklung bleibt die EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR): 87 % der befragten Unternehmen sehen die MDR als größtes Hemmnis für die Branche an. Dabei geht es vor allem um die Pflicht zu umfassenden klinischen Daten und um längere Konformitätsbewertungszeiten durch Ressourcen-Defizite bei den Benannten Stellen. 70 % der BV-Med-Unternehmen sprechen sich für eine vereinfachte Neuzertifizierung der bewährten Bestandsprodukte unter der MDR aus. 39 % wünschen sich Förderprogramme für KMU zur Umsetzung der MDR. Neben dem vorherrschenden Thema MDR stehen auf der gesundheitspolitischen Agenda eine Verkürzung der Dauer der Bewertungsverfahren und eine besser abgestimmte Gesundheits-, Wirtschafts- und Forschungspolitik.

Digitale Lösungen stehen im Fokus der Branche

Durch die Coronakrise gewinnen die Themen Digitalisierung und Ambulantisierung weiter an Bedeutung. Der digitale Wandel schreitet voran – auch im Vertrieb von Medizinprodukten: Mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen geben an, dass digitale Lösungen im Vertrieb und „Remote Selling“ deutlich wichtiger werden. Das größte Potenzial bei den digitalen Technologien sehen die Unternehmen in Datenanalysen beziehungsweise Business Intelligence, in Big- und Smart-Data-Anwendungen, Cloud-Technologien sowie künstlicher Intelligenz. Die Medtech-Branche fordert dafür einen besseren Zugang zu Gesundheitsforschungsdaten. 30 % der BV-Med-Unternehmen arbeiten bei der Entwicklung digitaler Lösungen bereits mit Start-ups zusammen.

Der vom BV-Med seit 2012 erhobene Innovationsklima-Index bleibt auf niedrigem Niveau. Auf einer Skala von 0 (sehr schlecht) bis 10 (sehr gut) bewerten die Unternehmen das Innovationsklima für Medizintechnik in Deutschland aktuell im Durchschnitt mit 4,3. Das ist ein nur leicht verbesserter Wert gegenüber dem Index-Tiefpunkt 2020 von 4,2. In den Jahren 2012 und 2013 lag der Index noch bei 6,2 Punkten. Als innovativste Forschungsbereiche schätzen die Unternehmen die Kardiologie und die Onkologie ein.

sk