Media Markt und Fit setzen bei Ersatzteilen auf 3D-Druck

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Eine Kooperation von Media Markt Saturn und der Fit AG hat den 3D-Druck von Ersatzteilen als Ziel. Fit-CEO Carl Fruth lüftet weitere interessante Details.

Ende Januar sorgte die Meldung zur Kooperation von Media Markt Saturn mit der Fit Additive Manufacturing Group für Aufsehen in der Branche und entsprechend hohe Klickzahlen bei der K-ZEITUNG – und da war noch gar nicht bekannt, dass es unter anderem um den 3D-Druck von Ersatzteilen geht. Höchste Zeit für eine Reise zur Fit-Zentrale in Lupburg und ein Interview mit Fit-CEO Carl Fruth, der mit überraschenden Details aufwarten konnte.

Herr Fruth, wie kam es zur Kooperation von Fit mit Media Markt Saturn?
Wie arbeiten schon lange mit Media Markt Saturn zusammen. Denn DIG:ED, ein Unternehmen aus der Region, liefert seit vielen Jahren Digitalisierungslösungen an Media Markt Saturn. DIG:ED hat zudem schon vor einigen Jahren damit begonnen, Lösungen mit Additiver Fertigung für Media Markt Saturn bereitzustellen. Ein Beispiel dafür ist die Scanstation, mit der sich Menschen scannen lassen können, um auf Basis dieser Daten kleine lebensechte Figuren – so genannte Figurins – 3D-drucken zu können.

Diesen Bereich haben wir 2018 von DIG:EDT mit dem Ziel übernommen, dieses Geschäft weiter auszubauen. Das Scannen haben wir inzwischen an einen anderen Dienstleister abgegeben und konzentrieren uns seitdem auf die Fertigung der Figuren.

Zudem haben wir uns in letzter Zeit zusammen mit Media Markt Saturn intensiv darum gekümmert, welche Auswirkungen die Additiven Fertigungstechnologien auf ihr Geschäft haben und welche Anforderungen auf ein Unternehmen wie Media Markt Saturn in Zukunft zukommen.

Und die wären?
Einer der wesentlichen Veränderungen ist der Umgang mit defekten Produkten:

Hier gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten: Reparieren oder durch ein neues Gerät ersetzen. Vor allem bei kleinen und einfacheren Geräten wird aus Gründen der Produkthaftung in den ersten zwei Jahren meistens das Gerät ausgetauscht.

Trotz der großen Zahl sind auch diese vielen 3D-gedruckten Bauteile nur ein kleiner Ausschnitt der Möglicheiten von Fit, die jetzt auch Media Markt Saturn zur Verfügung stehen. Foto: K-ZEITUNG/Kögel

Bei größeren elektrischen Geräten wäre aber ein Austausch bei jedem Defekt wirtschaftlich nicht darstellbar. Diese Geräte werden repariert und dafür müssen die entsprechenden Ersatzteile bereitgestellt werden.

Ersatzteile erst bei Bedarf 3D-Drucken

Hier gehen unsere gemeinsamen Überlegungen dahin, diese Ersatzteile nicht mehr auf Lager zu legen, sondern bei Bedarf additiv zu fertigen. Im Moment arbeiten wir daran, bei welchen Teilen so ein Konzept sinnvoll und machbar ist.

Welche Vorteile hätte denn die Additive Fertigung der Ersatzteile?
Ein großes Problem und ein großer Kostenfaktor ist heute die Bevorratung der Ersatzteile: Niemand weiß, welches Ersatzteil wie oft benötigt wird. Deshalb gehen die Unternehmen auf die sichere Seite und lagern erhebliche Mengen an Bauteilen ein, von denen dann die meisten irgendwann weggeworfen werden.

Diese Ressourcenverschwendung lässt sich aber mit dem Zeitgeist und der angestrebten Nachhaltigkeit nicht mehr vereinbaren.

Dies hat auch der Gesetzgeber erkannt und entsprechend reagiert: Im nächsten Jahr soll es für bestimmte Produktklassen verboten werden, dass die defekten Geräte einfach weggeworfen und durch Neugeräte ersetzt werden. Heißt: Die Unternehmen werden gezwungen, defekte Geräte zu reparieren.

Media Markt Saturn beschäftigt sich intensiv mit nachhaltigen Lösungen

Hierfür braucht es Lösungen und daran arbeiten wir. Denn Media Markt Saturn ist ein Unternehmen, das sich sehr mit diesem Thema beschäftigt und intensiv an der Entwicklung nachhaltiger Lösungen arbeitet und Fit kann hier seine langjährigen Erfahrungen mit der Additiven Fertigung einbringen. Aktuell sind wir in der Evaluierungsphase und gehen der Frage nach, ab wann eine Additive Fertigung wirklich Sinn macht.

Was ist denn die Schwierigkeit bei der Additiven Fertigung von Ersatzteilen?
Es geht nicht darum, ein konventionell hergestelltes Bauteil 1:1 nachzubauen, sondern die benötigte Funktion umzusetzen in ein additiv gefertigtes Bauteil. Die Additive Fertigung ist nun mal ein anderes Verfahren mit anderen Anforderungen. Wir können deshalb meistens nicht das Teil 1:1 nachbauen, aber wir können praktisch immer ein Teil herstellen, das die Funktion 1:1 erfüllt.

Dafür ist aber eine Analyse nötig und ein Konzept, wie man mit additiven Technologien entsprechende Ersatzteile herstellen kann. Das sind aufwändige Entwicklungen und dafür braucht man erfahrene, stabile Partner – wie Fit und Media Markt Saturn.

Zudem muss natürlich vorab geklärt werden, ob eventuell Schutzrechte auf dem Bauteil sind.

Die Ersatzteilversorgung ist übrigens nur ein Teil unserer Zusammenarbeit.

Und was ist dann der andere Teil?
Media Markt Saturn verfügt auch über eine Business-Sparte, bei der speziell geschulte Berater kleinere Unternehmen und Handwerksbetriebe coachen und bei der Beschaffung geeignete Elektrogeräte unterstützen.

Solche Leichtbauteile mit bionischen Strukuren sind nur mit Additiver Fertigung herstellbar. Die bionischen Befestigungsstrukturen für die Rohrleitungen wurden mit einer speziellen Software automatisch erzeugt. Foto: K-ZEITUNG/Kögel

So gibt es speziell ausgebildete Mitarbeiter, die zum Beispiel Arztpraxen in Sachen Elektrogeräte beraten. Bei diesen Beratungen kommt es immer wieder vor, dass sich bestimmte Anforderungen nicht mit Standardlösungen erfüllen lassen.

Businessberater können künftig Sonderwünsche besser erfüllen

Wir schulen jetzt die Businessberater, welche Möglichkeiten die Additive Fertigung bietet, um Sonderwünsche oder besondere Problemstellungen erfüllen zu können.

Können Sie uns denn ein Beispiel für solche Sonderlösungen nennen?
Ein aktuelles Beispiel ist ein Zahntechniker mit mehreren Arbeitsplätzen, auf denen Zahnprotesen oder ähnliches hergestellt werden. Hier sind durch besondere örtliche Gegebenheiten speziell geformte Halterungen oder Absaugungen nötig – ganz alltägliche Dinge, die sich sehr gut additiv herstellen lassen.

Und das können wir bei Fit sehr gut. Wir haben bei uns im Unternehmen bestimmt 1.000 oder sogar 2.000 additiv gefertigte Teile im Einsatz, die unseren Mitarbeitern die Arbeit erleichtern.

Eines der letzten Highlights aus der Fertigung von Fit: Diese komplett 3D-gedruckte Mittelkonsole hat Fit für Prototypen eines neuen Elektrofahrzeugs hergestellt. Foto: K-ZEITUNG/Kögel

Die große Mehrheit der Unternehmen in Deutschland hat gar nicht den Zugang zu entsprechenden Maschinen zur Additiven Fertigung, selbst wenn die Ideen vorhanden wären. Die Business Berater des Mediamarkts wissen jetzt aber nicht nur, was möglich ist. Sie haben mit Fit auch ein Unternehmen als Partner im Hintergrund, das diese Ideen sehr schnell umsetzen kann.

Wie ich finde, eine sehr gute Win-Win-Situation, denn wir als Fit könnten dies nie alleine stemmen: der Aufwand, auf die einzelnen Unternehmen zuzugehen, würde sich für uns niemals rechnen. Und die Firmenkundenbetreuer des Mediamarkts haben zusätzliche Möglichkeiten, um die Zufriedenheit der Kunden zu steigern und die Kundenbindung zu erhöhen.

Die ersten Schulungen der Business Berater sind schon gelaufen und die neuen Leistungen wurden auch schon in die Website des Mediamarktes aufgenommen.

Aktuell starten wir mit den ersten Projekten und Aufträgen und dies ist für uns alle sehr spannend.

Aber die Unternehmen könnten sich doch auch einen eigenen 3D-Drucker kaufen und die entsprechenden Teile selbst herstellen…
Das könnten Sie, aber ich bezweifle sehr, dass der Aufwand im Verhältnis zum Nutzen steht. Lassen Sie mich etwas ausholen: Wir bei Fit versuchen immer bei neuen Entwicklungen ganz vorn dabei zu sein, um unseren Kunden früh Zugriff auf neue Technologien geben zu können. Und gerade die Entwicklung in den letzten zwei oder drei Jahren hat gezeigt, dass dies der richtige Ansatz ist.

Ein eigener 3D-Drucker macht für viele Unternehmen keinen Sinn

Gleichzeitig hat sich aber auch gezeigt, dass es für den Großteil der Unternehmen keinen Sinn macht, eigene Geräte für die Additive Fertigung anzuschaffen. Es gibt inzwischen so viele unterschiedliche Verfahren und Systeme, dass nur große und auf die Additive Fertigung fokussierte Unternehmen wie Fit hier noch  mithalten und sich alle relevanten Systeme ins Haus holen können.

Wer einen eigenen 3D-Drucker hat, muss mit den Stärken und Schwächen dieses Gerätes leben. Wer mit einem Partner wie Fit zusammenarbeitet, kann für jede Aufgabe die optimale Technologie nutzen. Ich glaube deshalb, dass die Additive Fertigung immer mehr auf spezialisierte Unternehmen übergehen wird, die ein großes Spektrum abdecken können.

Günter Kögel

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