Materialmangel bremst die Kunststoffbranche aus

Die Hersteller von Kunststoffverpackungen klagen über eine Verschärfung der Engpässe bei der Versorgung mit wichtigen Rohstoffen. Foto: K-ZEITUNG

81 % der deutschen Firmen der Gummi- und Kunststoffbranche klagen laut Ifo Institut aktuell über Materialmangel; damit hat sich die Lage weiter verschärft.

Die aktuelle Umfrage des Ifo Instituts zeigt, dass der Matrialmangel im Juli einen neuen Höchststand erreicht hat – sowohl in der Gummi- und Kunststoffbranche als auch in der Industrie allgemein. Demnach beklagen 69,2 % der Industriefirmen in Deutschland Engpässe und Probleme bei Vorprodukten und Rohstoffen – nach 63,8 % im Juli. In der Branche Gummi- und Kunststoffwaren waren es im Juli 79 %. Zum Vergleich: Vor 2020 lag das Maximum in der Branche bei 31,3 %.

„Reale Gefahr für den Aufschwung“

„Für die Produktion in der Industrie bleibt das nicht ohne Folgen. Die Beschaffungskrise stellt eine reale Gefahr für den Aufschwung dar“, sagt Klaus Wohlrabe, der Leiter der Ifo-Umfragen. Die Produktion ist laut Statistischem Bundesamt seit April 2021 rückläufig.

„Die Auftragslage der Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe ist weiterhin sehr gut. Der Auftragsbestand ist laut Statistischem Bundesamt im Juni 2021 real um 2,8 % im Vergleich zum Vormonat gestiegen und erreichte damit den Höchststand seit der Einführung der Statistik 2015“, so Wohlrabe. Die Reichweite der Auftragsbestände betrug sieben Monate. Diese Ergebnisse werden durch die Ifo-Umfragen bestätigt. Die Unternehmen zeigten sich im August weiterhin sehr zufrieden mit dem aktuellen Auftrags­bestand.

Materialmangel bremst die Produktion aus

Dennoch wird aktuell in Deutschland weniger produziert aufgrund der Materialknappheit: Im Juni betrug der Rückgang im Vergleich zum Vormonat 1,3 % laut Statistischem Bundesamt. Dies deckt sich nach Einschätzung von Wohlrabe zumindest teilweise mit den Umfrageergebnissen.

„Die stark gestiegenen Einkaufspreise für die Vorprodukte machen den Unternehmen weiterhin zu schaffen“, so Wohlrabe. Die Knappheit bei Halbleitern und Chips macht sich insbesondere bei den Autoherstellern und ihren Zulieferern bemerkbar (91,5 % nach 83,4 % im Juli) und bei den Herstellern elektrischer Ausrüstungen (konstant bei 84,4 %).

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Kunststoffbranche sieht 25 % Preiserhöhungen seit dem Frühjahr

99 % der Unternehmen im Bereich Gummi- und Kunststoffwaren gaben bei der Befragung an, dass sie Preissteigerungen bei Vorprodukten verzeichnen – in den vergangenen drei Monaten betrugen diese 25,8 %.

Als Folge dieser Beschaffungskrise wollen immer mehr Unternehmen die Preise erhöhen. Die Ifo-Preiserwartungen sind auf einen neuen Rekordwert gestiegen. „Die Unternehmen geben die gestiegenen Einkaufspreise an ihre Kunden weiter“, sagt Wohlrabe. Im Bereich Gummi- und Kunststoffwaren wollen 55 % die Preise ihrer Fertigprodukte erhöhen. Dabei will fast die Hälfte die gestiegenen Einkaufspreise um mindestens 50 % weitergeben. 10 % wollen die Preiserhöhungen komplett an ihre Kunden weitergeben und 19 % sehen keine Chance, die Preise zu erhöhen.

„Die Ergebnisse der Ifo-Konjunkturumfragen zeigen, dass ein Großteil der Unternehmen von Problemen auf der Beschaffungsseite betroffen ist, und zwar eine feh­lende physische Verfügbarkeit von Inputs sowie stark gestiegene Einkaufspreise“, betont Wohlrabe. „Diese Inputkrise trifft die Industrie in einer Phase hoher Auftragsbestände. Un­ternehmen reagieren vor allem mit drei Maßnahmen: einer Anpassung der Produktion, der Bedienung der Nachfrage aus den Fertigwarenlagerbeständen sowie Preiserhöhungen für die eigenen Produkte.“

Trübere konjunkturelle Aussichten

Die Beschaffungskrise wirke sich immer mehr auf die konjunkturellen Aussichten in der Industrie aus. Wohlrabe: „Der Optimismus verfliegt mehr und mehr. Dies verheißt für den Konjunkturaus­ blick wenig positives. Die Lieferprobleme bremsen die Industriekonjunktur aus und werden auch mit Blick auf den Konsumsektor nicht ohne Folgen bleiben.“

Sabine Koll