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Masterbatch mit Duftstoffen für den frischen Geruch

Das „Fresh Air“ Masterbatch von Grafe enthält Öl als Duftstoff und sorgt bei Kunststoffartikeln aus Polyolefinen für frischen Geruch. Foto: Grafe

Grafe hat ein Polypropylen-Masterbatch entwickelt, das ein spezielles Öl als Duftstoff enthält. Dieses verströmt den Geruch eines frisch gereinigten Bades.

In einem Entwicklungsprojekt hat Grafe jetzt ein Masterbatch auf Basis von Polypropylen (PP) entwickelt, das ein besonderes Öl als Duftstoff enthält. Mit dem Duftbatch lassen sich Kunststoffartikel herstellen, die so gut riechen wie ein frisch gereinigtes Bad. Das verwendetet Duftöl bezieht Grafe von einem externen Lieferanten.

Stetige Migration des Duftstoffes

„Das Prinzip duftender Kunststoffartikel beruht auf der Migration des Duftstoffes an die Oberfläche des Kunststoffs, wobei je nach Kunststoff der Prozess unterschiedlich lange andauert“, erläutert Lars Schulze, Teamleiter Material Science. So zeigte der Dufteffekt in Polyolefinen wie PP, PE und weiteren weichen Polymeren, wie TPU eine gute, lang andauernde Wirkung. „Die Länge der Duftzeiten hängt von Art der Anwendung, der Kunststofftype, der Umgebungstemperatur und der Frischluftzufuhr ab“, so der Experte. Er verweist auf vier Monate alte Proben in PP, die immer noch angenehm duften.

Hohe Konzentration im Masterbatch

Grafe stellt für das Masterbatch mit einer außergewöhnlich hohen Konzentration an Duftöl her. Trotzdem bleibt das Masterbatch förderbar und lässt sich bei einer Dosierung zwischen 1 % und 3 % ganz normal verarbeiten. Je nach Trägerpolymer bleibt auch die Transparenz erhalten. Und erste Versuche beim Einfärben haben gezeigt, dass die Duftwirkung durch das Einfärben nicht signifikant beeinflusst wird.

Laut Schulze gibt es derzeit kaum vergleichbare Anwendungen auf dem Markt. Die direkte Integration des Duftes in Funktionsbauteile wie Schalter, Taster oder Verkleidungsbauteile sei eine Neuerung. Bisher seien Duftstoffe in Verbindung mit Kunststoffen eher aus dem Bereich Packaging und Marketing bekannt.

„Fresh Air“ – Masterbatch für den frischen Geruch

Im aktuellen Projekt, das seit Anfang 2021 läuft, hat Grafe ein Duftbatch kreiert, das wie ein hygienisch reines, frisch geputztes Bad riecht. Es trägt deshalb den Namen „Fresh Air“.

Doch die Bandbreite möglicher Anwendungen ist groß, der Duftöl-Lieferant biete ein breites Spektrum an Ölen an. „Ob klassische Badhygiene, Autobahn-WC, Urinale, Taster für Spülungen oder Duschen – allein im Sanitärsektor sind die Möglichkeiten vielfältig“, erklärt Schulze.

Auch Duft-Applikationen in Richtung Holz und Leder seien denkbar. „Wood Plastic Compounds, kurz WPC, die einen angenehmen Holzgeruch verströmen, oder PUR-Lederimitate, die realistisch nach Leder riechen, sind sehr spannende Möglichkeiten“, so Schulze. Auch künstliche Weihnachtsbäume, die nach Tanne duften, seien eine interessante Anwendung.

In der Automobilindustrie ließen sich Lenkräder oder Armaturenbretter realisieren, aus denen wohlriechende Düfte migrieren. Zudem seien Applikationen in der Möbelindustrie möglich. „Schlafzimmermöbel, die beruhigend nach Lavendel riechen, oder Küchenmöbel, die Zitronenduft versprühen – die Vielfalt ist quasi grenzenlos.“

Schulze weist noch auf einen anderen Vorteil hin: „Mit unseren Duftbatches werden schlechte Gerüche überlagert. Mit ihnen könnte ein Endkundenprodukt, welches unbehandelt den typischen Kunststoffgeruch verströmt, beim Auspacken zum wahren Erlebnis werden!“

Dreiklang aus Optik, Haptik und Olfaktorik

Mit den Duftbatches steht den Verarbeitern neben Optik und Haptik nun auch eine dritte Möglichkeit zur Verfügung, die Sinne anzusprechen, nämlich die Olfaktorik (Geruchssinn). „Perfekt wäre eine sinnvolle Kombination von Geruch und Farbe. Ein Gelb, das nach frischer Zitrone riecht, oder ein Grün, das den Duft von Minze verströmt, lässt sich hervorragend vermarkten“, meint Schulze und verweist in diesem Zusammenhang auf eine Kernkompetenz von Grafe – dem Einfärben von Kunststoffen.

Temperaturstabilität und Flammschutz als Herausforderung

Seit rund zwei Jahren beschäftigt sich Grafe mit dem Thema duftenden Farben und führt dazu Versuche durch. Die aktuelle Entwicklung soll die Initialzündung sein, um weitere Projektpartner zu gewinnen. Schulze benennt noch einige Hürden, die es zu überwinden gelte. „Temperaturstabilität, Flammschutz und mechanische Stabilität dürfen durch das Duftöl nicht beeinträchtigt werden. Zudem stellen in den Bereichen Medizintechnik, Verpackungs- und Lebensmittelindustrie strenge Hygiene-Vorgaben eine Herausforderung bei der Umsetzung dar“, so der Teamleiter des Bereichs Material Science bei Grafe.

mg

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