Markstudie: Elektroauto als Bedrohung für Polyethylen?

Der Antriebsstrang bei Elektroautos braucht laut einer Markstudie kaum noch Polyethylen, das vor allem bei Verbrenner-Autos im Motorraum und für Kraftstoffsysteme verwendet wird. Foto: Lanxess

Eine Europa-Marktstudie zu Kunststoffen im Automobil sieht beim Trend zum Elektroauto eine Bedrohung für Polyethylen im Fahrzeugbau.

Polypropylen (PP) in Pole-Position – doch für Polyethylen (PE) kann der Trend zum Elektroauto laut einer Markstudie eine Bedrohung werden. Vor allem die Sorten HD-PE, LD-PE und LLD-PE, die vor allem bei Verbrenner-Autos besonders im Motorraum und für Kraftstoffsysteme verwendet werden, könnte ein Absatzkanal wegbrechen.

Europa-Marktstudie zu Kunststoffen im Automobil

Die rasante, von zahlreichen Staaten geförderte Elektrifizierung des Autoverkehrs ist eine Herausforderung für die Automobilindustrie, aber auch für viele andere Branchen: Fahrzeughersteller sind nicht nur Hauptabnehmer für Stahl, Glas und Reifengummi, sondern zunehmend auch für Kunststoffe. Selbst kleine Veränderungen der verwendeten Rohstoffe und Materialien können dabei große wirtschaftliche Auswirkungen haben: Im Jahr 2020 wurden in Europa ca. 14,3 Mio. PKW neu zugelassen. Das Marktforschungsunternehmen Ceresana hat jetzt speziell den europäischen Markt für Kunststoffe untersucht, die in Automobilen verbaut werden.

Kunststoffe statt Stahl im Elektroauto

Elektroantriebe kommen mit deutlich weniger Bauteilen aus als Verbrennungsmotoren – und sie verändern den Rohstoff-Bedarf: Weniger Hitze im Motorraum bedeutet zum Beispiel, dass statt Metallen und teuren technischen Kunststoffen an manchen Stellen preisgünstigere Polymere eingesetzt werden können.

Um das oft noch immer problematische Gewicht der Batterien zu kompensieren, werden in Elektroautos bevorzugt leichte Kunststoff-Teile eingebaut. Das autonom fahrende und vollständig vernetzte Auto ist zwar noch eine Zukunftsvision, die Zahl elektrischer Displays und Sensoren nimmt aber bereits heute ständig weiter zu. Sogar in den Batterien stecken viele Kunststoffe: zusammengerollte oder gefaltete Folien.

Komplexer Mobilitäts-Markt

Die Nachfrage nach Kunststoffen für PKW unterliegt dem Einfluss vieler unterschiedlicher Faktoren. An erster Stelle ist dabei die Anzahl der neu hergestellten Fahrzeuge zu nennen, die im Gefolge der Covid-19-Pandemie zeitweise stark einbrach. Neben der Produktion von Neuwagen bestimmen auch andere Kennzahlen den Kunststoff-Verbrauch der Autobranche in einem Land, etwa der aktuelle PKW-Bestand und die gefahrenen Straßenkilometer. Vom durchschnittlichen Alter der PKW-Flotte hängt zum Beispiel der Bedarf für Kunststoff-Ersatzteile ab, die für Reparaturen benötigt werden. Carsharing und neue Mobilitätskonzepte wirken sich ebenfalls auf den PKW-Umsatz aus.

Für Polyethylen eine Bedrohung

Der meistgebrauchte Kunststoff in Autos ist Polypropylen (PP), eingesetzt zum Beispiel für Stoßstangen und Beleuchtung. Für Polyethylen (PE) kann der Trend zum Elektroauto eine Bedrohung werden: Die Sorten HDPE, LDPE und LLDPE werden bei Verbrenner-Autos besonders im Motorraum und für Kraftstoffsysteme verwendet. PUR dagegen wird vor allem für Sitze und Polsterungen genutzt. Die aktuelle Studie von Ceresana analysiert darüber hinaus auch die Marktdaten für ABS, PA, PVC, PC, PMMA und sonstige Kunststoffe im Automobil.

Zusätzlich finden in den Marktdaten die unterschiedlichen Anwendungsgebiete und Antriebstypen Berücksichtigung. In der Studie enthalten sind dabei alle Bauteile aus Kunststoffen, die von Zulieferbetrieben oder direkt von Fahrzeugherstellern gefertigt und in PKW verbaut werden, sowohl beim Neubau als auch bei Ersatzteilen.

mg

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