Liefernetzwerke und Messewirtschaft im Würgegriff

Dominik Bechlarz, Redakteur der K-ZEITUNG Foto: K-ZEITUNG

Die Corona-Pandemie legt die Fragilität globaler Liefernetzwerke offen. Und: Die Messewirtschaft am Tropf der Politik – wo bleiben die Perspektiven?

Wie sehr beeinflusst die Pandemie globale Liefernetzwerke – und wer denkt eigentlich an den Wirtschaftsmotor Messewirtschaft?

"Ever Given" als Symbol der Fragilität globaler Liefernetzwerke

Ein 400 m schwimmender Stahlkoloss reichte aus, um den Welthandel auf die Intensivstation zu verfrachten. Die Haverie der „Ever Given“ im Suez-Kanal hat einmal mehr deutlich gemacht, auf welchem fragilen Fundament der Welthandel fußt – und damit auch die Rohstoffversorgung. Die Folgen bekommt nun auch die deutsche Klebstoffindustrie zu spüren, für die sich die Versorgungslage weiter zuspitzt. Nach Meinung des Industrieverbands Klebstoffe (IVK) wird es Wochen oder gar Monate dauern, bis sich die Lieferketten wieder stabilisieren.

Nicht unbedingt besser sieht es im Verpackungsbereich aus. Rohstoffe fehlen, die Preise für Kunststoffe explodieren. „Die Situation in der Branche ist weiterhin extrem angespannt“, wie Dr. Martin Engelmann, Hauptgeschäftsführer der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e. V., betont. Erschwerend kommt hinzu, dass aktuell zwei von drei Kunststoffverpackungsherstellern von Force-Majeure-Fällen betroffen sind. Ein explosiver Cocktail. Will man sich künftig nicht mehr an der kurzen Leine halten lassen, bedarf es mehr Transparenz in den Lieferketten und die Erarbeitung alternativer Szenarien.

Gebeutelte Messewirtschaft braucht Perspektiven

Fest im Würgegriff der Pandemie befinden sich weiterhin die Messen. „Wir müssen jetzt anfangen, wieder Vertrauen in eine sichere und erfolgreiche Messedurchführung aufzubauen“, appelliert Jörn Holtmeier, Geschäftsführer des Auma – Verband der deutschen Messewirtschaft. Die Politik muss endlich aufwachen und einen Weg aus dem quasi Dauer-Lockdown weisen. Andernfalls droht der größten Messewirtschaft Europas der Heldentod. Ein Kaltstart des Messemotors mit Fachpack und Fakuma scheint weiterhin möglich. Vorsichtiger Optimismus ist erlaubt.

Dominik Bechlarz

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