Laufen mit Meereskunststoff

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Nachhaltiger und innovativer kann ein Laufschuh kaum sein: Das Obermaterial besteht aus weggeworfenen Fischernetzen und die Zwischensohle ist im 3D-Druck gefertigt – ebenfalls aus Kunststoffen, die dem Meer entstammen.

Adidas und Parley for the Oceans stellten Anfang Dezember in Paris erstmals einen Konzeptschuh vor, dessen Obermaterial aus Kunststoffabfällen aus dem Meer besteht. Bei dem Obermaterial handelt es sich um das weltweit erste für Schuhe, das zu 100 % aus Garnen und Fasern besteht, die aus rezyklierten und aufbereiteten Abfällen sowie illegalen Hochseenetzen aus den Ozeanen gefertigt wird.

Vom Geisternetz zur Zwischensohle

Ein weiteres Novum ist auch die Zwischensohle: Sie wird im 3D-Druck gefertigt – und zwar ebenfalls aus Meereskunststoff. Hierfür werden weggeworfene Fischernetze, sogenannte Geisternetze, aus dem Meer geborgen und zu Polyester rezykliert, das im 3D-Druck verarbeitet werden kann.

Unklar ist bislang allerdings, woher die großen Massen an Meeres­müll stammen sollen und wie sie in der Zukunft eingesammelt werden. Denn für die Konzeptschuhe hat Adidas das "Roh­material" vor der westafrikanischen Küste aus dem Wasser fischen lassen. Das dürfte – soll das Projekt ernsthaft verfolgt werden – in Zukunft nicht reichen.

Adidas ist als Hersteller von Sportartikeln bekannt, Parley for the Oceans ist eine Organisation, die Bewusstsein dafür schaffen möchte, wie schön unsere Ozeane sind und wie leicht ihr Gleichgewicht gestört werden kann. In gemeinschaftlicher Projektarbeit mit Adidas möchte Parley for the Oceans­ die Weltmeere schützen und ihrer Zerstörung Einhalt gebieten.

Laufschuhzwischensohle, maßgeschneidert im 3D-Drucker hergestellt aus rezykliertem Polyester auf Basis von im Meer treibenden ille­galen Hochseenetzen Foto: Adidas

Mit dem neuen Schuhkonzept zeigten die beiden Partner auf einem Nachhaltigkeitsforum im Rahmen der internationalen Klimakonferenz in Paris, wie die Branche ihre Designs überdenken und somit einen Beitrag leisten kann, um die Verschmutzung der Ozeane mit Kunststoffabfällen zu reduzieren.

"Es ist gut, wenn Staatsoberhäupter verbindliche Vereinbarungen treffen. Wir sollten allerdings von selbst darauf kommen, das Richtige zu tun. Die Industrie kann es sich nicht leisten, noch länger auf Anweisungen und Richtungsvorgaben zu warten. Deshalb haben wir zusammen mit dem Netzwerk von Parley for the Oceans begonnen, konkrete Maßnahmen zu ergreifen und neue nachhaltige Materialien und Innovationen für Athleten zu entwickeln. Die im 3D-Druck gefertigte Zwischensohle aus Meereskunststoff ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir neue Branchenstandards setzen können", sagte Eric Liedtke, Vorstands­mitglied der Adidas Gruppe und verantwortlich für Global Brands.

"2015 war das Jahr der Ozeane: Dank der Umweltinitiativen, die sich für die Ozeane einsetzen, hatte es dieses Thema auf die Agenda des Klimagipfels in Paris geschafft. Zudem haben die Vereinten Nationen den Schutz der Unterwasserwelt zu ihrem 14. Entwicklungsziel gemacht", sagte Cyrill Gutsch, Gründer von Parley for the Oceans.

Kein Mikroplastik in der Körperpflege

Als Gründungsmitglied unterstützt Adidas Parley for the Oceans­ bei der Aufklärung und Kommunikation seines weitreichenden "Ocean Plastic"-Programms (A.I.R. – Avoid, Intercept, and Redesign), das darauf abzielt, die Verschmutzung der Weltmeere mit Kunststoffabfällen zu beenden. Seit der Bekanntgabe der Partnerschaft im April 2015 hatte Adidas unverzüglich konkrete Schritte in diese Richtung unternommen – unter anderem die Entwicklung des genannten Konzeptschuhs. Zudem hat sich Adidas zusammen mit seinem Partner Coty verpflichtet, der Verwendung von Mikroplastik in allen Adidas Körperpflegeprodukten bis zum 31. Dezember 2015 ein Ende zu setzen.

mg

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