Kurzarbeit nimmt zu

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Von der zunehmenden Kurzarbeit ist die Kunststoffbranche weniger betroffen als Fahrzeugbau, Metallbearbeitung und Maschinenbau und von einer Krise weit entfernt.

Die Kurzarbeit in der deutschen Industrie nimmt deutlich zu, konzentriert sich aber bislang auf acht Branchen. Das geht aus einer Umfrage des Ifo Instituts hervor.

Die Hersteller von Gummi- und Kunststoffprodukten sind deutlich weniger von Kurzarbeit betroffen als andere Branchen. Foto: Ifo; Stand: 9. Juli 2019

Bei den Herstellern von Gummi- und Kunststoffwaren sind aktuell 6 % von Kurzarbeit betroffen, wobei laut Ifo Institut diese Quote aufgrund der aktuellen Entwicklung in den nächsten Monaten auf 15 % steigen dürfte.

30 % der Betriebe melden Kurzarbeit im Sonstigen Fahrzeugbau

Besonders von Kurzarbeit betroffen sind mit einem Anteil von 30 % derzeit die Betriebe im Sonstigen Fahrzeugbau, also Hersteller von Schiffen, Zügen, Luft- und Raumfahrzeugen, Panzern und von Motor- und Fahrrädern.

In der Textilindustrie liegt der Anteil bei 25 % der Firmen, bei Leder, Lederwaren und Schuhen bei 18 %. Bei Metallerzeugung und -bearbeitung sind es 9 %, im Maschinenbau sowie bei Autos und Autoteilen 7 %, bei elektrischen Ausrüstungen 5 %.

Die Gummi- und Kunststoffbranche ist damit zwar weniger betroffen als andere, liegt aber noch über dem vom Ifo Institut ermitteltem Durchschnitt des Verarbeitenden Gewerbes von aktuell bei 3,8 %. Die anderen Branchen liegen derzeit klar darunter oder haben noch null Kurzarbeit.

In den kommenden Monaten wollen Unternehmen wieder verstärkt auf Kurzarbeit zurückzugreifen, meldet auch die jüngste Konjunkturumfrage des Ifo-Instituts. Von einem außergewöhnlich starken Anstieg der Kurzarbeit ist bisher allerdings nichts zu sehen: Für Juli rechnet die Bundesagentur für Arbeit mit rund 34.000 Kurzarbeitern, die aus konjunkturellen Gründen kürzertreten müssen. Das wären zwar fast dreimal so viele wie im Vorjahresmonat. Allerdings gab es 2015 und 2016 ähnlich viele Kurzarbeiter wie derzeit, in den Jahren davor waren es sogar deutlich mehr.

Mehr Kurzarbeit in den nächsten drei Monaten zu erwarten

„In den nächsten drei Monaten dürfte der Umfrage zufolge der Anteil der Unternehmen in Kurzarbeit auf 8,5 % zunehmen. Für Deutschland wichtige Branchen werden stärker betroffen sein, zum Beispiel Automobil, der Maschinenbau und die Chemie“, sagt Timo Wollmershäuser, Leiter der Ifo Konjunkturforschung.

In den nächsten drei Monaten dürfte der Anteile der Unternehmen mit Kurzarbeit deutlich zunehmen. Foto: Ifo; Stand 9. Juli 2019

So erwarten in den kommenden drei Monaten 34 % der Textilhersteller Kurzarbeit, 28 % im Sonstigen Fahrzeugbau, 20 % in der Metallerzeugung und -bearbeitung, 17 % bei den Lederwaren und Schuhen, 16 % der Hersteller von Autos und Autoteilen, 15 % bei Gummi- und Kunststoffwaren, 11 % im Maschinenbau, 9 % bei Metallerzeugnissen. 6 % bei der Herstellung von elektrischen Ausrüstungen, 6 % bei Möbeln, 3 % bei der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, 3 % bei Papier und Pappe. In weiteren acht Branchen erwarten weniger als 5 % der Firmen Kurzarbeit, darunter aber auch die Chemie mit 2 %.

Wie das Ifo betont ist Kurzarbeit zwar ein wichtiger Indikator dafür, dass es nicht mehr so rund läuft, wie Unternehmen es sich wünschen. Kurzarbeit hilft aber auch dabei, dass sich Konjunkturkrisen nur bedingt auf den Arbeitsmarkt übertragen. Zudem ist nach Erhebungen des Ifo die aktuelle Konjunktureintrübung längst nicht so dramatisch wie vor zehn Jahren.

gk

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