„Kunststoffverbote sind der falsche Weg“

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Das EU-Parlament hat für ein Verbot bestimmter Plastik-Einwegprodukte gestimmt. Dr. Rüdiger Baunemann, Hauptgeschäftsführer Plastics Europe Deutschland, hält dies für einen Fehler.

Am 24. Oktober 2018 hat das Europaparlament für ein Verbot von einzelnen Einwegprodukten aus Kunststoff gestimmt. Grundsätzliches Anliegen ist es, sowohl die Industrie als auch die Verbraucher beim Kampf gegen Wegwerfmentalität und Meeresmüll stärker in die Pflicht zu nehmen.

Der Verband der Kunststofferzeuger Plastics Europe unterstützt die gemeinsamen Bemühungen der politischen Entscheidungsträger, Maßnahmen zur Reduzierung von Meeresmüll zu ergreifen. „In der im Januar vorgestellten Kunststoffstrategie hat die EU-Kommission auch betont, dass Kunststoffe für viele Herausforderungen wichtige Lösungen bieten, ein verantwortungsvoller Umgang mit Kunststoffen aber erforderlich sei“, so Dr. Rüdiger Baunemann, Hauptgeschäftsführer Plastics Europe Deutschland. „Hier sind wir inhaltlich ganz nah bei der Kommission.“

Investition in Abfallmanagement statt Verbote

Doch Plastics Europe gibt sich besorgt, dass die getroffenen Maßnahmen unverhältnismäßig sind. Verbote seinen nicht die Lösung, heißt es in einer Stellungnahme. „Verbote von Kunststoffprodukten schaffen kein Verständnis für nachhaltigen Konsum und umweltbewusstes Verhalten. Schlimmstenfalls führen sie sogar zu einem Ausweichen auf andere, ökologisch womöglich nachteiligere Materialien“, so Dr. Baunemann. Ziel müsse es vielmehr sein, europaweit nachhaltige Sammel- und Verwertungslösungen für Kunststoffabfälle zu etablieren. Denn die Ursachen für Meeresmüll sieht der Verband in der unsachgemäßen Abfallentsorgung, einem mangelnden Bewusstsein und einer falschen Wegwerfmentalität. Diese seien aber unabhängig vom Materialtyp.

Plastics Europe fordert klarere Regeln

Plastics Europe befürchtet zudem, dass die für die EU verabschiedeten Maßnahmen nicht durchführbar sind, da die einzelnen nationalen Regulierungsbehörden und Betreiber von Abfällen die Tür zu endlosen Interpretationen öffnen und der Markt generell verwischt wird. In Bezug auf die Definitionen für "Kunststoff" und "Einwegprodukt aus Kunststoff" und einige der Kategorien hält Plastics Europe sie für zweideutig. „Dies wird zu Problemen bei der Auslegung und Durchführung auf nationaler Ebene führen, mit der Folge, dass der Binnenmarkt fragmentiert wird“, so Karl-H. Foerster, Executive Director von Plastics Europe in Brüssel. „Wir sind zudem der Ansicht, dass die Geschwindigkeit des Prozesses nicht genügend Zeit für eine vollständige Ökobilanzierung von Alternativen zulässt. Darüber hinaus halten wir es im Sinne dieser Richtlinie für unerlässlich, den Anwendungsbereich auf die problematischsten Produktkategorien zu beschränken. Das Aussortieren bestimmter Polymere wie Lebensmittel- und Getränkebehälter aus expandiertem Polystyrol (EPS) ist diskriminierend und wird im Falle von EPS nicht durch Nachweise belegt“, führte Förster aus. Plastics Europe fordert daher eine Richtlinie, die im Einklang mit ihrem ursprünglichen Geltungsbereich steht, um Abfälle im Meer zu reduzieren.

Plastics Europe befürchtet, dass das Verbot die Industrie von Investitionen abhält, die für die Weiterentwicklung von Technologien und Infrastruktur zur Wiederverwertung von Kunststoffen entscheidend sind. Nach der Plenarabstimmung kommentierte Karl-H. Foerster: "Wir vertrauen darauf, dass die bevorstehenden Diskussionen Änderungen am Text zur Folge haben werden."

mg

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