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Kunststoffverarbeitung hält Kurs auf Kreislaufwirtschaft

„Wenn eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft tatsächlich erreicht werden soll, müssen die neu hinzukommenden Anforderungen unbedingt Eingang finden in die Kriterienkataloge der Kunden, des Handels und der Verbraucher", erklärt Roland Roth, Präsident Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie e. V., anlässlich der Jahreswirtschaftspressekonferenz 2022. Foto: K-ZEITUNG/Lenz

Der GKV zog in seiner Jahrespressekonferenz die Bilanz der Kunststoffverarbeitung für das Jahr 2021 - Der Kurs ist nach wie vor Richtung Kreislaufwirtschaft.

Der Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie e. V. (GKV) zog in seiner traditionellen Jahreswirtschaftspressekonferenz am Aschermittwoch, die Bilanz der Kunststoffverarbeitung in Deutschland für das Jahr 2021, wobei die Zeichen ganz klar auf nachhaltigen Kreislaufwirtschaft stehen.

Der Branchenumsatz der deutschen Kunststoffverarbeitung stieg im vergangenen Jahr um12,6 % auf 69,4 Mrd. Euro. Laut GKV-Präsident Roland Roth ist es aber nur eine effektive Steigerung um rund 6 %, verglichen mit der Vor-Coronazeit aus dem Jahr 2019. Gründe dafür sind die exorbitanten Kostenexplosionen bei Rohstoffen und Energie sowie die vielfältigen Lieferverzögerungen und dadurch bedingte Auftragsaussetzungen, insbesondere in der Automobil-Zulieferung.

Große Herausforderungen für deutsche Kunststoffverarbeitung

Insgesamt wurden 2021 in Deutschland 15 Mio. t (+ 5,6 %) Kunststoffe verarbeitet, davon 2,2, Mio. t recycelte Kunststoffe. Die Anzahl der Beschäftigten ist mit knapp 322.000 stabil.

Der wirtschaftliche Ausblick auf das Jahr 2022 bleibt sehr gemischt und mit hohen Unsicherheiten bezüglich Kosten und Verzögerungen verbunden. „Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Das Jahr 2021, mit der großen Hoffnung auf ein Ende der Corona-Pandemie begonnen, erwies sich nach zwölf Monaten als eines der Jahre mit den größten Herausforderungen für die Wirtschaft insgesamt und damit auch für die deutsche Kunststoffverarbeitung. Wie bekannt setzte sich die Pandemie bis zur jetzt aktuellen vierten Welle fort. Zwischenzeitliche Lockerungen mussten erneut Beschränkungen weichen, die Belastung für Menschen, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik erreicht so zunehmend ihre Grenzen“, erklärt Roth bei der Pressekonferenz.

Auch wenn die Hälfte der Unternehmen Umsatzzuwächse erwartet, rechnet gut ein Viertel mit weiter sinkenden Ergebnissen, zeigt die GKV-Umfrage unter den Mitgliedern. In der Konsequenz denken etliche Unternehmen über Produktionsverlagerungen oder-einstellungen bis hin zur kompletten Betriebsaufgabe nach.

Mit fatalen Folgen für die Wirtschaft insgesamt, warnt Roth: „Die Politik muss die staatlichen Aufschläge auf die Energiepreise dringend zurückfahren. Das Vorziehen der EEG-Reform kann nur ein erster Schritt sein. Eine Senkung der Stromsteuer und eine Entbürokratisierung der Regelung für den nationalen CO2-Preis müssen folgen.“

Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz als Ziel festhalten

Trotz der unsicheren wirtschaftlichen Lage hält die Industrie an den Zielen Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz fest. Allerdings bremsen die hohen Kosten die Investitionsbereitschaft. Der Umfrage zufolge liegen dringend erforderliche Investitionen in Energieeffizienz, Klimaschutz, Modernisierung der Produktion und Digitalisierung derzeit auf Eis.

GKV-Präsident Roland Roth hob die neugegründete Initiative „Wir sind Kunststoff“ hervor, in der sich die Industrien der Kunststoff-Wertschöpfungskette von Erzeugung, Maschinenbau über die Verarbeitung bis hinzu Recycling und Entsorgung zusammengeschlossen haben. Er forderte die Politik und die Anwender von Kunststoffprodukten zum sachlichen Dialog und zur Mitarbeit auf.

Eigenes Umdenken erforderlich

„Wenn eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft tatsächlich erreicht werden soll, müssen die neu hinzukommenden Anforderungen unbedingt Eingang finden in die Kriterienkataloge der Kunden, des Handels und der Verbraucher. Alle müssen begreifen, dass eine erfolgreiche Umsteuerung nicht nur immer den jeweilig anderen Partner betreffen kann, sondern auch eigenes Umdenken und entsprechende Aktionen erfordert“, appelliert Roth. Das sei umso wichtiger, weil sich Kunststoff in der Corona-Pandemie erneut als vielfältiger und unersetzlicher Problemlöser erwiesen habe.

Der GKV-Präsident bleibt aber optimistisch: „Wir werden 2022 als Kunststoffverarbeiter weiterhin das Beste aus den polymeren Werkstoffen herausholen und die anstehenden Aufgaben erfolgreich bearbeiten. Dabei werden wir nachweisen, dass Kunststoff im Gegensatz zu allen Unkenrufen wesentliche Beiträge zur Lösung der gesellschaftlichen und gerade auch der ökologischen Herausforderungen leistet.“

sl