Zum Inhalt springen

Kunststoffland NRW fordert Energiepreisentlastung

Mittelständisch geprägte Wirtschaftszweige werden von der Energiewende besonders belastet. Foto: Uwe Schlick/pixelio.de

Kunststoffland NRW schlägt angesichts der Energiepreise Alarm – und fordert eine Nachbesserung des jüngsten Entlastungspakets für Industrieunternehmen.

Vor dem Hintergrund der fundamentalen Veränderung der außen- und sicherheitspolitischen Situation in Europa drängt Kunststoffland NRW auf eine Nachbesserung des nicht einmal vor einem Monat beschlossenen Entlastungspakets bei den Energiepreisen insbesondere für Industrieunternehmen. „Von den kürzlich vor allem wegen der hohen Energiepreise beschlossenen Entlastungsschritten – etwa dem Wegfall der EEG-Umlage schon in diesem Jahr, der Erhöhung des Arbeitnehmerpauschbetrags, der Erhöhung des Grundfreibetrages, der Anhebung der Pendlerpauschale oder der Einmalzahlung eines Heizkostenzuschusses –profitiert die Industrie neben der Fortschreibung der schon beschlossenen Corona-Maßnahmen genau von einer Maßnahme, nämlich dem zeitnahen Wegfall der EEG-Umlage“, schimpft Ron Brinitzer, Geschäftsführer von Kunststoffland NRW.

"Streichung der EEG-Umlage nur Tropfen auf den heißten Stein"

Das Paket sei als Entlastung für Energieverbraucher geschnürt worden, aber einer der größten Verbraucher, nämlich der Industriesektor, finde damit kaum Berücksichtigung. Auch in der derzeitigen Diskussion finde die Industrie kaum statt. „Die Streichung der EEG-Umlage ist gut, aber im Vergleich zu den gestiegenen Strom- und Gaspreisen lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein“, betont Britzer.

So ist der Gaspreis nach Angaben des Statistischen Bundesamts für die Industrie im vergangene Jahr um 234 % gestiegen, für Kraftwerksbetreiber um über 300 %. Der Strompreis für Sondervertragskunden aus Industrie und Gewerbe mit in der Regel mehr als 100.000 kWh Jahresverbrauch stieg in diesem Zeitraum um 92 % an. „Darin ist die Preisrallye der letzten Tage noch nicht einmal enthalten“, so Britzer.

Weitere Entlastungen für Industrie notwendig

Deshalb fordert der Verband gerade vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Veränderungen bei den derzeit diskutierten Maßnahmen die Industrie zu berücksichtigen. Kurzfristig sei eine Senkung der Strom- und Gassteuer auf den europäischen Mindestsatz notwendig. Zudem erinnert der Verband an den nach Ansicht der Kohlekommission erforderlichen Zuschuss von mindestens 2 Mrd. EUR pro Jahr zur Senkung der Netzentgelte, der nun kommen muss.

Gerade viele mittelständische Unternehmen der Kunststoffindustrie befinden sich derzeit in einer Sandwichposition. „Kunststoff kann nur durch Einsatz von Wärme hergestellt und geformt werden“, erklärt Brinitzer, „aber viele mittelständische Kunststoffverarbeiter können ihre exorbitant gestiegenen Einkaufs- und Energiepreise aufgrund ihrer geringen Größe und der starken Konkurrenz kaum an ihre Kunden weitergeben.“ Für diese Unternehmen müsse dringend mehr getan werden.

Forderung nach langfristigem Konzept für konkurrenzfähige Energiepreise

Langfristig erwartet der Verband keine Preissenkungen, sondern eher das Gegenteil. Das hängt zum einen mit dem Umbau des Energiesystems zur Treibhausgasneutralität zusammen. Für den Umstieg auf regenerative Energien werden fossile Energieträger systematisch verteuert und müssen hohe Investitionen getätigt werden – auch von den Unternehmen selbst. Allerdings werde laut Kunststoffland NRW der auch von der Industrie als wünschenswert erachtete Ausbau der Versorgung mit erneuerbaren Energien erst mittelfristig greifen und nicht zur Energieautarkie führen, was andererseits aufgrund der derzeitigen Lage neue Importstrukturen notwendig macht. Auch dies wird nach Einschätzung des Verbands zu dauerhaft hohen Preisen führen.

Britzer: „Wir brauchen deshalb ein Konzept, mit dem die kontinuierliche Versorgung der Industrie mit konkurrenzfähigen Energiepreisen sichergestellt werden kann – dabei gehören alle Optionen auf den Tisch.“

sk