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Kunststoffabfall: Verschmutzung der Umwelt nimmt zu

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Das weltweite Aufkommen an Kunststoffabfällen betrug im Jahr 2019 rund 353 Mio. t. Rund 22 % davon verschmutzen unkontrolliert die Umwelt. Foto: OECD

Laut einer OECD-Studie nimmt die Verschmutzung der Umwelt mit Kunststoffabfall unaufhörlich zu. Abfallwirtschaft und Recycling sind unzureichend entwickelt.

Laut einem neuen OECD-Bericht hinterlässt die Welt doppelt so viel Kunststoffabfall wie vor zwei Jahrzehnten. Ein Großteil davon landet auf Deponien , wird verbrannt oder verschmutzt dauerhaft die Umwelt. Nur 9 % des Abfalls werden erfolgreich recycelt.

Vom 28. Februar bis 2. März finden in Nairobi UN-Gespräche über internationale Maßnahmen zur Verringerung der Umweltverschmutzung durch Kunststoffabfall statt. Im Vorfeld der Konferenz zeigt eine erste Analyse der OECD, der „Global Plastics Outlook“, dass die wachsende Bevölkerung und das steigende Einkommen zu einem unaufhaltsamen Anstieg der verbrauchten und weggeworfenen Kunststoffmenge führen, während die Maßnahmen zur Eindämmung des Eintrags von Kunststoff in die Umwelt zu kurz greifen.

Die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) hat derzeit 38 Mitgliedstaaten. Fast die Hälfte aller Kunststoffabfälle erzeugen OECD-Länder, so die Analyse. Die jährlich pro Person anfallenden Kunststoffabfälle reichen von 221 kg in den USA über 114 kg in den europäischen OECD-Ländern bis zu 69 kg im Durchschnitt in Japan und Korea.

Der größte Teil der Kunststoffverschmutzung stammt aus der unzureichenden Sammlung und Entsorgung größerer Kunststoffabfälle, die als Makroplastik bekannt sind. Aber auch der direkte Umwelteintrag von Mikroplastik (synthetische Polymere mit einem Durchmesser von weniger als 5 mm) ist ein ernstes Problem. Hauptquellen für dieses Mikroplastik sind synthetische Textilien und Reifenabrieb.

Verschmutzung durch Kunststoffabfall in OECD-Ländern

Die OECD-Länder sind für 14 % der gesamten Kunststoffverschmutzung weltweit verantwortlich – der Anteil bei Makroplastik liegt hier bei 11 %, für Mikroplastik bei 35 %. Der Bericht stellt fest, dass die Covid-19-Krise zwar zu einem Rückgang des Kunststoffverbrauchs um 2,2 % im Jahr 2020 führte, aber die Verschmutzung der Umwelt durch Kunststoffe zunahm. Ursächlich hierfür sind hauptsächlich Verpackungen für Lebensmitteln zum Mitnehmen, Schnelltests und Masken, die in die Umwelt gelangen.

Bewirtschaftung des Kunststoffabfalls nach Regionen und weltweit (2019). Grafik: OECD

Die OECD-Analyse liefert noch andere wichtige Erkenntnisse: Das weltweite Aufkommen an Kunststoffabfällen verdoppelte sich seit 2010 auf 353 Mio. t in 2019. Fast zwei Drittel der Kunststoffabfälle stammen aus Kunststoffen mit einer Lebensdauer von weniger als fünf Jahren, wobei 40 % aus Verpackungen, 12 % aus Konsumgütern und 11 % aus Kleidung und Textilien stammen.

Nur 9 % der Kunststoffabfälle werden recycelt (15 % werden zum Recycling zwar gesammelt, aber 40 % davon werden als Rückstände entsorgt). Weitere 19 % werden verbrannt, 50 % landen auf Deponien und 22 % entziehen sich den Abfallbewirtschaftungssystemen und landen auf unkontrollierten Deponien, werden in offenen Gruben verbrannt oder landen in der terrestrischen oder aquatischen Umwelt, insbesondere in ärmeren Ländern.

Allein im Jahr 2019 gelangten 6,1 Mio. t Kunststoffabfälle in die Gewässer und 1,7 Mio. t in die Ozeane. Inzwischen befinden sich schätzungsweise 30 Mio. t Kunststoffabfall in den Meeren und Ozeanen, und weitere 109 Mio. t haben sich in Flüssen angesammelt. Die Anhäufung von Kunststoffen in den Flüssen bedeutet, dass der Eintrag in die Ozeane noch jahrzehntelang anhalten wird, selbst wenn sich der unsachgemäße Umgang mit Kunststoffabfällen deutlich reduzieren ließe.

Steuern und erweiterte Herstellerverantwortung gefordert

Die Verringerung der Umweltverschmutzung durch Kunststoffabfall erfordert daher drastische Maßnahmen und eine internationale Zusammenarbeit. Verbote und Steuern auf Einwegkunststoffe gibt es in mehr als 120 Ländern, aber sie reichen nicht aus, um die Gesamtverschmutzung zu verringern. Die meisten Vorschriften beschränken sich auf Artikel wie Plastiktüten, die nur einen winzigen Teil des Kunststoffabfalls ausmachen.

Deponie- und Verbrennungssteuern, die Anreize für das Recycling bieten, gibt es nur in einer Minderheit von Ländern. Die OECD-Analyse fordert den verstärkten Einsatz von Instrumenten wie der erweiterten Herstellerverantwortung für Verpackungen und Gebrauchsgüter, Deponiesteuern, Pfandrückerstattungen und Pay-as-you-Throw-Systeme.

Die weltweite Produktion von Kunststoffen aus recycelten oder sekundären Kunststoffen hat sich zwar von 6,8 Mio. t im Jahr 2000 auf 29,1 Mio. t im Jahr 2019 mehr als vervierfacht, aber das sind immer noch nur 6 % der gesamten Kunststoffproduktion.

25 Mrd. EUR pro Jahr für die Verbesserung der Abfallbewirtschaftung

Insgesamt ist mehr zu tun, um einen separaten und gut funktionierenden Markt für recycelte Kunststoffe zu schaffen. Die Festlegung von Zielvorgaben für den Recyclinganteil und Investitionen in verbesserte Recyclingtechnologien könnten dazu beitragen, die Sekundärmärkte wettbewerbsfähiger und rentabler zu machen.

In Anbetracht der globalen Wertschöpfungsketten und des Handels mit Kunststoffen wird die Angleichung von Designkonzepten und der Regulierung von Chemikalien der Schlüssel zur Verbesserung der Kreislauffähigkeit von Kunststoffen sein. Ein internationales Konzept für die Abfallbewirtschaftung sollte dazu führen, dass alle verfügbaren Finanzierungsquellen, einschließlich der Entwicklungshilfe, mobilisiert werden, um Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu helfen. Der OECD-Bericht Global Plastics Outlook schätzt die Kosten für die Verbesserung der Infrastruktur zur Abfallbewirtschaftung auf  25 Mrd. EUR jährlich.

mg