„Kunststoff ist und bleibt der Werkstoff der Zukunft“

Back to Beiträge

Thorsten Ratzmann fordert auf der Fakuma eine intensivere, nachhaltigere Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette.

Pöppelmann CEO Thorsten Ratzmann forderte bei der Fakuma-Eröffnungs-Pressekonferenz statt pauschaler Kritik und Verboten in Sachen Plastikmüll eine deutlich sachlichere und differenziertere Diskussion. Foto: K-ZEITUNG/Krumbholz

Kunststoffverarbeitung Dass die Kunststoffbranche derzeit vor großen Herausforderungen stehe, erläuterte während der Fakuma Eröffnungs-Pressekonferenz Thorsten Ratzmann, CEO von Pöppelmann. Zwar ist und bleibt Kunststoff der Werkstoff der Zukunft – denn seit über 100 Jahren gibt Kunststoff innovative Antworten auf zukunftsweisende Aufgabenstellungen – aber Kunststoff als Material ist mittlerweile in Verruf geraten. „Wir haben ein starkes Reputationsproblem“, so Ratzmann.

Als Ursache hierfür nannte er „die fürchterliche Meeresverschmutzung durch Kunststoffabfälle“, die nicht nur die breite Öffentlichkeit bestürze, sondern auch die Branche selbst. „Wir wissen aber auch, dass unser Einfluss als deutscher Kunststoffverarbeiter auf diese Problematik äußerst gering ist.“

Mehr Nutzen als Schaden

In diesem Zusammenhang beklagte er die Hauruck-Aktionen des Gesetzgebers wie die Verbote von Strohhalmen und Einweg­geschirr. Auch die EU-Plastikstrategie scheine, so der CEO, nach der Formel „Plastik ist böse und muss reduziert werden“ eingestielt. Dabei sei das Gegenteil richtig: „Für eine nachhaltige Zukunft muss und wird immer mehr Kunststoff eingesetzt werden.“
Für ihn sei Kunststoff die mit Abstand effizienteste und ökologischste Wahl: Ernährungsbranche, Bekleidungsindustrie, Baubranche, Medizintechnik oder Maschinenbau seien Felder, in denen es ohne Kunststoff nicht mehr geht und in denen Kunststoff andere Mate­rialien auch aus ökologischen Gründen verdrängt habe.

Gerade in der Automobilbranche unterstreiche die aktuelle Entwicklung die Notwendigkeit des Einsatzes von Kunststoff. Hier gehöre es zu den dringenden Aufgaben, der E‑Mobilität den Weg zu bahnen. CO₂-minimierender Leichtbau für neue, energiesparen­de Mobilitätssysteme sei nur mit innovativen Kunststofflösungen möglich, an denen Projektteams in den kunststoffverarbeitenden Unternehmen tagtäglich mit Hochdruck arbeiten.

Eine der großen Herausforderungen der Branche sei es, den Materialkreislauf in der Kunststoff­verarbeitung zu schließen. „Wir müssen neue Wege gehen, langfristig wirksame – eben nachhaltige – Lösungen finden.“

Nachhaltiger Umgang mit Ressourcen

Aus diesen Gründen wurde die Initiative Pöppelmann blue gegründet, wo Experten aus den vier Unternehmensbereichen nicht nur die gesetzlichen, sondern auch die gesellschaftlichen Forderungen nach einem nachhaltigen­ Umgang mit den Ressourcen unse­rer Erde erfüllen wollen. Im Rahmen von Pöppelmann blue habe die Division Teku den blauen Pflanztopf aus 100 % Gelber-Sack-Material in Kooperation mit dem Dualen System Deutschland entwickelt.

Mit einem neuen Projekt stehe der mittelständische Kunststoff­verarbeiter in den Startlöchern. Im Bereich der Folien- und der Beutelherstellung arbeitet der Unter­nehmensbereich Famac an vollständig kreislauffähigen Folienbeuteln mit Ausgießern.

Ratzmann forderte auch eine intensivere Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette bis hin zum Einzelhandel. Allerdings brauche es dazu Partner, die bereit seien, neu zu denken und die bisherigen Paradigmen auch einmal infrage zu stellen. Auch die Politik müsse ihre Schularbeiten machen, betonte der CEO. Statt pauschaler Kritik und Verteufelung eines Werkstoffs wäre eine deutlich sachlichere und differenziertere Diskussion hilfreich.

roe

Share this post

Back to Beiträge