Kritische Stimmen beim Altkunststofftag

Dr. Dirk Textor, Vorsitzender des BVSE Fachverbands Kunststoffrecycling, bezeichnete bei der Pressekonferenz im Vorfeld der Altkunststofftage die Papierverbunde als Irrweg, der nicht in die Kreislaufwirtschaft, sondern in die Verbrennung führt. Foto: BVSE

BVSE kritisiert beim Altkunststofftag den Einsatz von Papierverbunden und die Gleichstellung von chemischem und mechanischem Recycling von Verpackungen.

Beim Altkunststofftag 2021 waren von den Referenten des BVSE und der deutschen Umwelthilfe auch kritische Stimmen zu aktuellen Themen zu hören – vor allem zum zunehmenden Einsatz von Papierverbunden als Verpackungsmaterial und zum chemischen Recycling von Kunststoffen.

Papierverbunde machen beim Recycling Probleme

Der Altkunststofftag des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. fand in diesem Jahr ausnahmsweise erst im Herbst und nicht in Bad Neuenahr, sondern in Köln statt. Foto: BVSE

So bezeichnete Dr. Dirk Textor, Vorsitzender des BVSE Fachverbands Kunststoffrecycling, Papier-Kunststoff-Verbunde als großes Problem, das aus Sicht des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. – BVSE nur durch ein konsequentes Design for Recycling zu lösen ist. Die scheinbar umweltfreundlichen Papierverbunde, die immer häufiger anstelle von gut recycelbaren Kunststoffverpackungen eingesetzt werden, sind nach Worten von Textor „weder aus Sicht des Papierrecyclings noch aus Sicht der Kunststoffrecycler vorteilhaft.“

Denn die Verpackungen sehen zwar wie Papier aus, was umweltbewusste Verbraucher zum Kauf animieren soll, bestehen aber aus einem Verbund von Papier und Kunststoff, der kaum mehr zu trennen ist. Aus Sicht des Kunststoffrecyclings kleben an den Folien, die aus den Papierverbunden gewonnen werden, trotz Heißwäsche eine Vielzahl von Papierfasern, die den weiteren Einsatz dieser Verbunde unmöglich machen. Außer zur Verbrennung taugen Papierverbunde deshalb letztlich nur für die Herstellung von EBS/SBS, so Textor beim Altkunststofftag.

BVSE-Vorsitzender bezeichnet Papierverbunde beim Altkunststofftag als Irrweg

Mehr noch: „Der Verbraucher weiß häufig nicht, ob er die Papierverbunde in der Blauen Tonne oder im Gelben Sack entsorgen soll. Letztlich stören die neuen Papierverbunde, die immer häufiger bei den Verpackungen zu finden sind, beides, nämlich das Recycling von Papier wie von Kunststoffen. Dieser Weg ist ein Irrweg, der nicht in die Kreislaufwirtschaft, sondern in die Verbrennung führt“, so Textor.

Bei dieser Einschätzung sind sich übrigens der Fachverband Papierrecycling und der Fachverband Kunststoffrecycling des BVSE einig und wollen auch demnächst gemeinsam Stellung zu Papierverbunden beziehen.

In die falsche Richtung führt nach Überzeugung des BVSE auch die Gleichstellung von chemischem und mechanischem Recycling, die derzeit heiß diskutiert wird und die es sogar in den Koalitionsvertrag der künftigen Regierung geschafft hat. So bewertet der BVSE die Pläne, in Deutschland Pyrolyse-Anlagen zur Zerlegung von Mischkunststoffen an den Start zu bringen, als problematisch.

Pyrolyse ist energetisch überaus aufwändig

Bei der Pressekonferenz im Vorfeld des Altkunststofftags kritisierten die Vertreter des BVSE und der deutschen Umwelthilfe auch die Gleichstellung von chemischem und mechanischen Recycling von Kunststoffen. Foto: BVSE

Dr. habil. Thomas Probst, Referent Fachverband Kunststoffrecycling des BVSE: „Die Pyrolyse ist ein energetisch überaus aufwändiges Verfahren, das chemische Bausteine generiert. Die Pyrolyse erzeugt flüssige und gasförmige Fraktionen, die weiteren nachgelagerten Aufbereitungsschritten bedürfen, um genutzt zu werden. Durch Pyrolyse werden beispielsweise auch bituminöse Rückstände generiert, die eine nur begrenzte Anwendung finden. Und damit stellt sich die Frage, ob solche Verfahren ökologisch gerechtfertigt sind.“

Weiteres Problem: „Die chemische Verwertung würde … mit wenigen Großanlagen die Kunststoffabfälle aus dem Kreislauf entnehmen und zerstören; erst aus zurückgewonnenen Bausteinen könnten in Teilen wieder Kunststoffe generiert werden. Dies widerspricht aber aus Sicht des BVSE dem bestehenden Kunststoffrecycling, das die Ressource erhält, Prozessenergie einspart und Treibhausgase vermindert. Nur das bestehende Kunststoffrecycling ist ökologisch nachhaltig“, betonte Probst beim Altkunststofftag.

Chemisches Recycling erreicht nur geringe Ausbeute

Dies sieht die deutsche Umwelthilfe ähnlich. Thomas Fischer auf dem Altkunststofftag: „Die Deutsche Umwelthilfe warnt unter den jetzigen Voraussetzungen vor dem chemischen Recycling als Lösungsansatz zur Bewältigung des Plastikmüllproblems, da die Umweltfolgen bisher kaum bekannt sind.“ Wie Fischer weiter ausführte, scheint das chemische Recycling „durch den hohen Energiebedarf, eine geringe Ausbeute und die Erzeugung gefährlicher Nebenprodukte … mehr Umweltprobleme zu schaffen als zu lösen. Die Deutsche Umwelthilfe fordert daher transparente und unabhängige Studien zur Untersuchung aller Umweltfolgen, bevor chemische Recyclingtechniken politisch oder finanziell gefördert werden.“

Günter Kögel