Zum Inhalt springen

Kreislaufwirtschaft live im Freigelände der K 2019

Großer Andrang bei der Eröffnung des Economic Center am ersten Messetag. Hier finden während der Messe verschiedene Livevorführungen zum Thema Kreislaufwirtschaft statt. Foto: K-ZEITUNG/Krumbholz

Gleich  mehrere Pavillons im Freigelände der K 2019 demonstrieren, was heute in Sachen Kunststoffrecycling und Kreislaufwirtschaft möglich ist.

In unmittelbarer Nachbarschaft des Pavillons der Fachgemeinschaft Kunststoff- und Gummimaschinen des VDMA zur Kreislaufwirtschaft hat Erema im Freigelände vor Halle 9 am ersten Messetag um 11.00 Uhr sein Circonomic Centre feierlich eröffnet. Seitdem können sich die Besucher der K 2019 mit über 30 Leuchtturmprojekten und verschiedenen Livevorführungen ein eigenes Bild davon machen, wie Kunststoffkreisläufe heute erfolgreich geschlossen werden können.

Was hinter dem Begriff Circonomic Centre steckt, erklärte Manfred Hackl, CEO der Erema Group, bei der Eröffnung so: „Als Wortkreation aus circular und economy drückt der Begriff Circonomic aus, was wir gemeinsam mit unseren Kunden und Partnern erreichen möchten. Es geht um die Integration des Recycling-Know-hows in die Kunststoff-Wertschöpfungskette, so dass unsere Branche, aber auch Umwelt und Gesellschaft ökologisch und ökonomisch davon profitieren können.“

Anziehungspunkt für Kunststoffrecycling

Ton Emans, President Plastics Recyclers Europe, der gemeinsam mit Manfred Hackl das Circonomic Centre eröffnet hatte, lobte dabei das Engagement des österreichischen Kunststoffrecyclingmaschinen-Herstellers für eine bessere Vernetzung und intensive Zusammenarbeit in der Branche: „Erema ist es gelungen, viele Akteure­ in dieser Kette zusammen­zubringen und mit ihnen gemeinsam das Circonomic Centre zum Anziehungspunkt für all jene zu machen, die an Kunststoffrecycling interessiert sind.“

Erema rezykliert im Verlauf der Messe 14 unterschiedliche Kunststoffabfallfraktionen zu hochwertigen Regranulaten, die zum Teil direkt auf der Messe zu neuen Endprodukten weiterverarbeitet werden. Diese Vorführungen basieren ebenso wie die gezeigten Leuchtturmprojekte auf über 30 Kooperationsprojekten mit Kunden und Partnern, welche die gesamte Wertschöpfungskette repräsentieren.

Gezeigt wird zudem eine breite Palette an hochwertigen Produkten mit Regranulatanteilen von bis zu 100 %. „Wir brauchen eine Veränderung hin zu mehr Kreislaufwirtschaft. Genau darauf arbeiten­ wir mit unseren Kunden und Partnern hin. Die Besucher des Circonomic Centres können sich ein Bild davon machen, wie mit dem Willen zu Kooperation und im Zusammenspiel modernster Technologien in den Bereichen Sortierung, Wäsche, Recycling und Verarbeitung konkrete Circular-Economy-Projekte erfolgreich auf die Straße gebracht wurden und welche Kunststoffabfallfraktionen dafür verarbeitet werden“, erklärt Marketingleiter Gerold Breuer.

Die Bandbreite dieser in einer eigenen Ausstellung präsentierten „Products made of Recyclate“ reicht von Duschgelflaschen, die aus 100 % PCR-HDPE aus dem Gelben Sack hergestellt wurden, über Schrumpf- und Stretchfolien mit bis zu 30 % Regranulatanteil bis hin zu technischen Spritzgießprodukten und Lifestylegütern.

Europa als Vorreiter und Vorbild

Manfred Hackl, CEO von Erema: Circonomic Centre als Anziehungspunkt für alle Recycling-Interessierten. Foto: K-ZEITUNG/Krumbholz

In den vergangenen Jahren, aber vor allem in den Monaten vor der K 2019 ist die Bereitschaft der Branche zur Umsetzung geschlossener Kunststoffkreisläufe enorm gestiegen. Doch während andere Unternehmen erst jetzt so richtig ins Thema einsteigen, kann Erema schon auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken, was Chance und Herausforderung zugleich ist. Manfred Hackl: „Die Gründer von Erema haben vor 36 Jahren, als Kunststoffrecycling noch kein Thema war, Weitblick bewiesen und genau darauf gesetzt. Dieser Weitblick ist auch gefragt, wenn es nun darum geht, Recycling zum fixen Glied in der Kunststoff-Wertschöpfungskette zu machen. Dabei kann Europa zum Vorreiter und auch zum Vorbild für andere Regionen werden.“

Ein Teil der Materialströme, die Erema während der K 2019 im Circonomic Centre rezykliert, wird bereits heute in der Herstellung von am Markt befindlichen Endprodukten eingesetzt. Aber das ist erst der Anfang. Machbarkeitsstudien belegen, dass auch die anderen Materialströme, die live in Düsseldorf verarbeitet werden, dank innovativer Recyclingtechnologien das Potenzial zum Einsatz in Endprodukten haben.

Vom Fischernetz zur Aufbewahrungsbox

Eindrucksvoll demonstriert wurde dies unmittelbar nach der Eröff­nung des Circonomic Centres mit einem Kooperationsprojekt von Erema, Lindner, Engel und Haidlmair, die gemeinsam eine Lösung für das Recycling und die Weiterverarbeitung von Fischernetzen vorstellten. Dazu werden während der K 2019 live auf der Messe die von Lindner geschredderten und gewaschenen Netze zu Regranulat verarbeitet. Aus diesem Regranulat­ entstehen auf einer Engel-Spritzgießmaschine mit einem Werkzeug von Haidlmair und einer speziellen FDU-Spritzgießdüse von Haidlmair FDU Hotrunner praktische und langlebige Aufbewahrungsboxen.

Die gebrauchten Fischernetze stammen übrigens aus Chile, wo sie auf Initiative des Sport- und Freizeitartikelherstellers Bureo gesammelt werden. Bureo hat schon verschiedene Produkte aus Fischernetzen hergestellt und wird eine Auswahl davon im Circonomic Centre zeigen.

Minimüllcontainer aus Rezyklat

Ganz in der Nähe zeigen Engel und SSI Schäfer in einem weiteren Pavil­lon, wie sich in der Praxis der Rezyklatanteil in neuen Produkten steigern lässt. Dazu verarbeitet Engel auf einer Victory 330/80 Spritzgießmaschine Post-Consumer-Abfälle zu Minimüllcontainern. Engel arbeitet bei diesem Exponat mit seinem langjährigen Partner SSI Schäfer zusammen, der auch bei der Produktion der großen Müllcontainer immer mehr Rezyklat einsetzt. „Unsere Kunden fordern zunehmend nachhaltige Produkte, die zu einem hohen Anteil aus aufbereiteten Kunststoffabfällen bestehen“, betont Fabiano D’Aloia von SSI Schäfer.

Deutlich macht dies ein Projekt von SSI Schäfer in einer europäischen Großstadt: Bei der Beschaffung neuer Abfallbehälter für den Hausmüll lautete die zentrale Anforderung, dass zur Herstellung der Behälter Recyclingmaterial aus zurückgegebenen Altbehältern eingesetzt werden muss. Dazu wurden 13.000 ausgediente Hausmüllbehälter aus Polyethylen von SSI Schäfer eingezogen, gereinigt, zu Mahlgut verarbeitet und rezykliert. Auf Engel Duo Spritzgießgroßmaschinen wurden anschließend 25.000 neue Behälter produziert und dabei 232 t Rezyklat verarbeitet.

Mehr als 80 Prozent Rezyklatanteil möglich

Das Projekt macht Schule. SSI Schäfer liefert immer mehr Abfall­behälter mit einem hohen Rezyklatanteil aus. „Mehr als 80 Prozent sind heute bereits möglich“, so D’Aloia. „Engel unterstützt uns mit seiner anwendungstechnischen Erfahrung und seinem Plastifizierungs-Know-how, diesen Wert noch weiter zu steigern.“ Dazu werden von Engel die Duo Maschinen für SSI Schäfer jeweils gezielt für die Rezyklatverarbeitung ausgelegt.

Kreislaufwirtschaft für die Kunststoffindustrie

SSI Schäfer und Engel engagieren sich beide stark für den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft für die Kunststoffindustrie. Dass dies umso besser gelingt, je enger die Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette zusammenarbeiten, wird auf der K‑Messe einmal mehr deutlich.

gk