Kreislaufwirtschaft im Fokus der Fakuma 2021

Zehn Monate vor Messestart zeichnet sich ab: Themen wie Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft werden im Fokus der Fakuma 2021 stehen.

Die besondere Rolle, welche die Kreislaufwirtschaft auf der Fakuma 2021 spielen wird, hat einen guten Grund: Die Kunststoffindustrie, die 2019 mit einem Umsatzvolumen von 97 Mrd. EUR rund 6 % der deutschen Industrieproduktion erwirtschaftete, ist in einem grundlegenden Wandel. Im Verlaufe des Jahres 2020 waren die Marktkennzahlen rückläufig, wobei vor allem der Recyclingmarkt, Basis für eine gelingende Kreislaufwirtschaft schlechthin, spürbar eingebrochen ist.

„Die Verwerfungen in den Märkten haben deutlich gemacht, dass sich die Preisbildung von Neuware und Recycling unterscheiden“, gibt Dr. Thomas Probst vom Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. (bvse), Referent Fachverband Kunststoffrecycling, zu bedenken. „Neuware ist letztlich an den Rohölpreis gebunden, der zurzeit konkurrenzlos billig ist. Recyclingkunststoffe bilden aber die gesamte Kette des Recyclings ab – das sind Sammeln, Sortieren, Aufbereiten und Verwerten.“

Ungenügende Sortierqualitäten und Preisverfall bei Neuware bremsen Recycling

Bis Anfang 2019 waren die Kosten des Recyclings in etwa den Kosten von Neuware ebenbürtig. Durch Preisverfälle in den Rohölnotierungen, die coronabedingt zusätzlichen Auftrieb erhalten haben, hat sich die Schere zwischen Neuware und Recyclaten immer weiter geöffnet. Kunststoffrecycler leiden zudem darunter, dass überwiegend ungenügende Sortierqualitäten angeboten werden; obendrein verschlechtern sich die angebotenen Sortierqualitäten weiter. Somit steigt der notwendige Aufwand, um marktgängige Recyclate herzustellen.

Umbau der Kunststoffindustrie zu mehr Nachhaltigkeit

Die Kunststoffhersteller und die Kunststoffverarbeiter leiden unter anhaltenden Verwerfungen – dies sind insbesondere Absatzprobleme, Kunststoffbashing und Littering. Diese Aspekte sind alle miteinander verknüpft. „Die Corona-Pandemie hat die Situation noch verschlimmert. Aber eine Krise birgt auch die Möglichkeit zur Neuorientierung, weiß Thomas Probst: „Der Umbau der Kunststoffindustrie zu mehr Nachhaltigkeit hat begonnen.“ Das Kunststoffrecycling sei ein positiver Aspekt, der weltweit Chancen und Märkte generiere und der aktiv zu kommunizieren sei, so sein Plädoyer.

D4R – Design for Recycling

Der nächste Trend, den Thomas Probst identifiziert, ist „Design for Recycling“ – kurz D4R: Zunehmend sind im Verpackungsbereich unlösliche Verbundstoffe zu sehen, beispielsweise Label und Verpackungen, die miteinander in den Verkehr gebracht werden. Etwa wird bei Hohlkörpern der Papieranteil heiß auf den Kunststoff aufgezogen, und diese Papierfasern sind dann Bestandteil der Regranulate. Hier greift D4R als positiver Trend: D4R ist eine wichtige Stellschraube dafür, die Vorgaben der Recycler zu berücksichtigen.

Nachhaltige Ansätze zur Kreislaufwirtschaft auf der Fakuma 2021

Unterdessen haben viele Unternehmen ihre Produktionskonzepte hinsichtlich Automatisierung, Digitalisierung, Vernetzung und Effizienz konkretisiert und vorangebracht. Daher wird die Fakuma 2021 als herausragendes Fachmesseereignis mit zukunftsweisenden Fragestellungen und nachhaltigen Lösungsansätzen besonders erwartet.

Wie Schall als Veranstalter der Fakuma erklärt, dient bis zur nächsten realen Fakuma die Fakuma-Virtuell als nützliches Instrument, um den fachlichen Austausch rund um Materialen, Maschinen, Peripherie, Prozesse, Simulation, Verfahren, Technologien und Tools in der Kunststoffbe- und -verarbeitung up to date zu halten. Klar ist aber auch: Der Wert des persönlichen Kontakts zwischen Anbietern und Anwendern bleibt unerreicht. Die Präsenzmesse Fakuma vom 12. bis 16. Oktober 2021 in Friedrichshafen ist daher unverzichtbar und darf fest im Kalender notiert werden, so Schall abschließend.

gk

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