Kreislaufwirtschaft als Schlüssel zur Nachhaltigkeit

Prof. Dr.-Ing. Hans-Josef Endres, Leiter des Instituts für Kunststoff- und Kreislauftechnik: Der nachhaltigerer Umgang mit Kunststoffen und stabile Marktbedingungen zum Ausbau der Kreislaufwirtschaft sind der Schlüssel zum Erfolg. Foto: IKK

Auf- und Ausbau der Kreislaufwirtschaft ist der Schlüssel für einen nachhaltigeren Umgang mit Kunststoffen, so Dr.-Ing. Hans-Josef Endres im Gastkommentar.

Der nachhaltigere Umgang mit Kunststoffen und stabile Marktbedingungen zum Ausbau der Kreislaufwirtschaft sind der Schlüssel zum Erfolg, denn die Medaille der Kunststoffe hat zwei Seiten. Kunststoffe sind mit ihren einzigartigen Eigenschaftsprofilen die „Enabler“ unseres heutigen Wohlstands. Gleichzeitig reißen die negativen Diskussionen um Kunststoffe bis hin zu Forderungen nach einer plastikfreien Welt nicht ab.

Insbesondere folgende Aspekte sind dabei für die wachsenden Restriktionen verantwortlich:
I) Kunststoffe werden größtenteils auf Basis von fossilen Rohstoffen hergestellt, II) Kunststoffe werden vielfältig mit teilweise flüchtigen Komponenten additiviert und modifiziert, III) Kunststoffe werden häufig auch für kurzlebige Einwegprodukte eingesetzt, IV) Kunststoffe werden meist deponiert oder verbrannt und nur zu kleinen Anteilen werkstofflich recycelt (insbesondere bei globaler Betrachtung), V) ihre vielfältige Verwendung kombiniert mit ihrer Beständigkeit führen zu ihrer Akkumulation in der Umwelt.

Nachhaltigerer Umgang mit Kunststoffen

Der weitere Auf- und Ausbau der Kreislaufwirtschaft ist daher der Schlüssel für einen nachhaltigeren Umgang mit Kunststoffen. Genauso wie die Kunststoffbranche die technische Performance ihrer Produkte über viele Jahrzehnte stetig innoviert und kontinuierlich vorangetrieben hat, wird dies auch für die ökologische Performance gelingen. Es gibt dazu bereits verschiedene Ansätze. Diese umfassen die Entwicklung und den Ausbau von Verfahren zu einem höherwertigen mechanischen, physikalischen oder chemischen Recycling, das Design for Recycling und gleichzeitig ein Produktdesign zur besseren Integrierbarkeit von Rezyklaten sowie die Entwicklung von biobasierten und bioabbaubaren Kunststoffen.

Stabile Marktbedingungen zum Ausbau der Kreislaufwirtschaft

Allgemein steigt die Rezyklatqualität mit der (Sorten-)Reinheit der Inputströme und dem Recyclingaufwand. Am Ende konkurrieren die Rezyklate mit den preiswerten Virgin-Materialien. Moderne Kunststoffproduktionsanlagen haben eine Produktionsmenge, die um den Faktor 100 bis 1.000 größer ist als die einer Recyclinganlage. Für den Bau großer Kunststoffrecyclinganlagen ist eine langfristige Planungssicherheit erforderlich. Dazu ist die Einbindung des Kunststoffrecyclings in langfristige förderpolitische Ziele wichtig, um stabile Marktbedingungen zum Ausbau der Kreislaufwirtschaft zu schaffen.

„Die Einbindung des Kunststoffrecyclings in langfristige förderpolitische Ziele ist wichtig.“

Vor dem Hintergrund, dass das Treibhauspotenzial von Rezyklaten etwa halb so hoch ist wie das von Virgin-Materialien, kann man dazu in Analogie zum EEG folgendes Gedankenexperiment wagen: Unter der Annahme, dass Rezyklate bestimmte Qualitätsvorgaben erfüllen, müssten diese bevorzugt abgenommen und eingesetzt werden. Erst wenn es für bestimmte Anwendungen keine Rezyklate mehr in definierter Qualität gibt, dürfen Virgin-Materialien eingesetzt werden. In diesem Fall erhalten Virgin-Materialien eine zusätzliche Umlage, zur weiteren Förderung der Kreislaufwirtschaft. Rezyklathersteller erhalten neben der Abnahmegarantie zudem eine Mindestpreisgarantie für die Rezyklate über zehn Jahre bei entsprechender Qualität.

Die Zukunft der Recyclingwirtschaft wird entscheidend durch die Qualität der Rezyklate, die gesetzlichen Vorgaben und die Wirtschaftlichkeit der Recyclingprozesse bestimmt.

Prof. Dr.-Ing. Hans-Josef Endres

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