Kreislaufwirtschaft als Riesenchance

Ingemar Bühler, Hauptgeschäftsführer Plastics Europe Deutschland: „Die Transformation zur Kreislaufwirtschaft ist für unsere Industrie wie für unsere Gesellschaft eine Riesenchance.“

Ingemar Bühler, Hauptgeschäftsführer bei Plastics Europe Deutschland (PED), sieht in der in der Kreislaufwirtschaft neue Chancen für die Kunststoffindustrie.

In der ersten Ausgabe der K-ZEITUNG im Januar 2021 sieht Bühler in einem Gastkommentar erste Indikatoren dafür, dass nach den Unwägbarkeiten der Corona-Pandemie in den nächsten Jahren vor allem die Kreislaufwirtschaft für die Kunststoffbranche eine große Chance darstellt. Hier sein Branchenausblick in voller Länge:

Vor einem Jahr wäre solch ein Branchenausblick mit Sicherheit wenig treffsicher ausgefallen. Die Entwicklung von Covid-19 zu einer weltweiten Pandemie und deren Tragweite waren im Januar 2020 schlichtweg nicht absehbar. Auch das Jahr 2021 wartet aufgrund der anhaltenden Pandemiesituation mit zahlreichen Unwägbarkeiten auf. Doch die Zulassung mehrerer Impfstoffe und die damit hoffentlich einhergehende schrittweise Rückkehr zur Normalität gibt uns zusammen mit den wichtigsten Branchentrends erste Indikatoren dafür, was uns in diesem Jahr erwartet.

Die Unternehmen der Kunststoffbranche wurden sehr unterschiedlich von der Pandemie getroffen. Während einzelne Anwendungen boomten, waren manche wenig betroffen, wiederum andere erlitten deutliche Einbußen. Auch unsere Mitgliedsunternehmen sind demzufolge bislang sehr unterschiedlich durch die Krise gekommen. Die Nachfrage nach Kunststoffen stieg besonders im medizinischen Bereich an und sorgte in Teilen für ein verändertes gesellschaftliches Stimmungsbild. Schlagartig wurde jedem Bürger klar, wie wichtig der Werkstoff für die Sicherheit in unserem alltäglichen Leben und die Bewältigung der Pandemie ist. Nicht versteckt oder im Hintergrund, sondern direkt vor unseren Augen: Ich denke vor allem an Schutzkleidung, Schutzwände, Kunststoffvisiere, aber auch Komponenten für Beatmungsgeräte, an sterile und isolierende Behälter für den Transport von Impfstoffen.

Kunststoffbranche in einem schwierigen Meinungsumfeld

Dennoch bleibt das Meinungsumfeld schwierig. Oft werden einseitige, zugespitzte oder schlichtweg unwahre Behauptungen über Kunststoffe in Medien und Öffentlichkeit verbreitet. Politische Maßnahmen wie die sogenannte Plastikabgabe oder die Einwegplastik-Richtlinie gefährden die Möglichkeiten von Unternehmen, in Innovationen zu investieren und sind gleichzeitig oftmals ökologisch unsinnig.

In diesem Umfeld muss sich die Kunststoffbranche behaupten. Das erfordert Mut und einen klaren Kompass. Die Projekte, die wir bei PlasticsEurope Deutschland in 2020 in unserem Webspecial Kreislaufwirtschaft zusammengefasst haben, liefern wichtige Hinweise, wohin der Weg unserer Branche führt und worin wir die Chancen sehen.

Immer mehr Rezyklate gehen in Kunststoff-Anwendungen und die Recyclingfähigkeit von Produkten rückt mehr und mehr in den Fokus. Einige unserer Mitgliedsunternehmen investieren in Anlagen für das rohstoffliche Recycling. Weitere Lösungen wie Technologien gegen Gerüche von Rezyklaten oder eine effiziente Abfallsortierung mittels digitaler Wasserzeichen erhöhen die Akzeptanz des Recyclings und machen die Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen zu einer künftigen Erfolgsgeschichte.

Transformation zur Kreislaufwirtschaft als Chance

Die Transformation zur Kreislaufwirtschaft ist für unsere Industrie wie für unsere Gesellschaft eine Riesenchance: denn sie ist gleichzeitig Bedingung für unsere Wettbewerbsfähigkeit wie für einen erfolgreichen Kampf gegen den Klimawandel – und sichert somit auch zukünftigen Generationen ein gutes Leben. Die skizzierten Innovationen unserer Branche zeigen, dass wir selbstbewusst und mit Freude auf die weiteren Fortschritte blicken dürfen. Wir haben allen Grund dazu.

Ingemar Bühler

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