Kreislaufwirtschaft – alle müssen mitmachen

Sabine Koll, Redakteurin der K-ZEITUNG Foto: K-ZEITUNG

Alle reden von Kreislaufwirtschaft, aber nicht jeder will selbst mitmachen; das muss sich ändern.

Bei einem entspannten Abendessen mit Familie oder Freunden – die Situation kennen Sie sicher auch – landet die Unterhaltung irgendwann beim Thema Kunststoff, Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und welche Akteure wie mitmachen oder auch nicht – und zack habe ich mich in die Rolle des Vertreters der Kunststoffbranche manövriert. Ihr schieben viele den Schwarzen Peter zu – für die Tonnen von Kunststoffmüll und Mikroplastik in unseren Flüssen und Weltmeeren. Und damit auch für die Umweltmisere auf unserem Planeten. Vorbei ist es dann mit meiner Entspannung. Ich fühle mich nämlich in der Pflicht, Argumente gegen das generelle Kunststoff-Bashing vorzubringen. Dann kann es auch schon mal hitziger und lauter werden.

Kreislaufwirtschaft muss differenziert erklärt werden

Denn ich habe immer noch das Gefühl, dass viel zu wenig differenziert wird und dass noch längst nicht jeder gut informiert ist. Zwei aktuelle Studien, über die ich auf der Seite 9 berichte, bestätigen dies. Zwei Punkte sind mir dabei besonders aufgefallen: Was Bioplastik ist, wissen viele Verbraucher nicht. Sie halten es für ein Produkt, das für die Umwelt schädlich ist. Biokunststoff wird somit als Marktingsprech oder Greenwashing von Herstellern abgetan. Skurril, oder? Woher kommt diese Einschätzung? Vielleicht durch Social Media und/oder etablierte Medien, die nicht in der Lage sind, die – okay, zugegeben – komplexen Sachverhalte kurz und knapp zu erklären. Ein Phänomen unserer Zeit: Die Menschen erwarten es im Twitter-und Google-Zeitalter, komplexe Dinge einfach in 156 oder 280 Zeichen erklärt zu bekommen. Das kann in diesem Fall nicht funktionieren, wenn man Biokunststoffen gerecht werden will.

"Die Menschen erwarten es im Twitter-und Google-Zeitalter, komplexe Dinge einfach in 156 oder 280 Zeichen erklärt zu bekommen. Das kann nicht funktionieren, wenn man Biokunststoffen gerecht werden will."

Sabine Koll

Mitmachen müssen alle Akteure – nicht nur Politik und Industrie

Der zweite Punkt, der mit auffiel, betrifft den Umgang mit der Kreislaufwirtschaft. Während meine Generation laut der Studie von DNV dazu tendiert, selbst Verantwortung zu übernehmen und das Recycling zu fördern, ruft die jüngere Generation nach der Politik: Sie soll Regularien für die Industrie schaffen, um den Kurs zu ändern. Diese beiden Sichtweisen unterschiedlicher Generationen habe ich am Esstisch selbst auch schon wahrgenommen. Dabei gibt es sicher keine falsche oder richtige Sicht: Meiner Meinung nach brauchen wir beides, um die Kreislaufwirtschaft in Schwung zu bringen. Wichtig ist nur: Packen wir es an – und warten wir nicht, bis die anderen sich bewegen.

Sabine Koll

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