Krauss Maffei: Digitalisierung und Circular Economy im Fokus

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Krauss Maffei stellt sich den ökologischen Herausforderungen, die durch den Einsatz von Kunststoff entstehen – und setzt auf Digitalisierung und Circular Economy.

Krauss Maffei macht sich fit für die Zukunft: Neben einem neuen vereinten Markenauftritt und neuen Fertigungsstätten an vier Standorten setzt der Maschinenbauer voll auf die Megathemen Digitalisierung und Circular Economy und stellt sich so den ökologischen Herausforderungen, die durch den Einsatz von Kunststoff entstehen.

Ökologische Verpflichtung und Chance zugleich

Für Krauss Maffei ist die Kreislaufwirtschaft ein Vorstandsthema, betonte Michael Ruf, Chief Operating Officer und Mitglied der Geschäftsführung, auf der Pressekonferenz seines Unternehmens am ersten Tag auf der K 2019: „Die Kreislaufwirtschaft wird eines der wichtigsten Themen der kommenden Jahre für unsere Industrie bleiben. Dabei gibt es für uns sowohl ökologische Verpflichtungen, es eröffnen sich aber zugleich auch wirtschaftliche Chancen. Schon heute ermöglichen wir es unseren Kunden, mit Krauss Maffei Know-how bei Recycling und Upcycling Teil der Kreislaufwirtschaft zu sein. Wir werden das Thema mit Leidenschaft technologisch und auch organisatorisch weitertreiben.“

Darüber hinaus hat das Unternehmen vergangene Woche einen Kooperationsvertrag mit dem Institut für Kunststofftechnik und Kreislaufwirtschaft (IKK) der Leibniz Universität Hannover geschlossen. „Hier werden wir gemeinsam Grundlagenforschung betreiben, damit Krauss Maffei in Zukunft weiterhin verstärkt State-of-the-art-Lösungen für die Circular Economy anbieten kann“, so Ruf. „Denn wir erwarten künftig eine deutliche Zunahme der Nutzung von Rezyklaten in der Kunststoffverarbeitung.“

Auch Investitionen in weitere Unternehmen, die im Bereich Circular Economy tätig sind, schloss er nicht aus. Konkrete Pläne dafür gebe es allerdings nicht.

Circular Economy live erleben

Für Circular-Economy-Lösungen verzahnt Krauss Maffei an seinem Messestand die Geschäftsbereiche EXT (Extrusion), IMM (Spritzgießen) und DSS (Digital & Service Solutions). Zu sehen ist, wie sich ein simpler Eimer in eine hochwertige Verkleidung für eine A-Säule mit Stoffdekorierung verwandelt. Möglich macht dies ein Zweischneckenextruder ZE 28 Bluepower, der das Material upcycelt.

Die zur K neu präsentierte Spritzgießmaschine GX 1100 mit einer Schließkraft von 11.000 kN fertigt Eimer aus PP, die dann – extern geschreddert – als Mahlgut wieder in den Materialkreislauf eingespeist werden. Unter der Markenbezeichnung Edelweiss Compounding produziert ein Zweischneckenextruder ZE 28 Bluepower daraus technisch aufgewertetes Recompound. Dafür werden den PP-Flakes Farbstoffe und ein 20-prozentiger Anteil an Talkum zugesetzt.

Nach der Unterwassergranulierung und Trocknung steht das Recompound wieder in hoher Qualität und mit angepassten Eigenschaften für die folgende Spritzgießanwendung zur Verfügung. Über eine Materialversorgung zur vollektrischen Spritzgießmaschine PX 320 transportiert, wird das PP in der Kavität zu einer Verkleidung für eine A-Säule geformt. Die Bauteiloberfläche bildet eine hinterspritzte Stoffschicht.

B2B-Marktplatz Polymore

Digitalisierungs-Offensive bei Krauss Maffei – Nadine Despineux, Geschäftsführerin Digital & Service Solutions: „Mit Easytrace können auch organisch gewachsene Fertigungseinrichtungen einfach und schnell von den Vorteilen von Industrie 4.0 profitieren.“ Foto: K-ZEITUNG/Heinold

Passend zum Thema Kreislaufwirtschaft startete Krauss Maffei in Düsseldorf seinen neuen digitalen B2B-Marktplatz Polymore für den Handel mit Compounds, Masterbatches, Recyclaten und postindustriellen Wertstoffen. Polymore verbindet Compoundeure und Kunststoffverarbeiter und ermöglicht allen Marktteilnehmern den einfachen und sicheren Handel von Kunststoffprodukten. Somit trägt Polymore auch dazu bei, eine Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe zu etablieren.

Die Handelsplattform mit derzeit 19 Partnern ist zunächst für Europa freigeschaltet, doch denkt Krauss Maffei auch über eine Ausweitung auf andere Kontinente nach, wie Nadine Despineux, Geschäftsführerin Digital & Service Solutions, verriet. Welche Produkte über Polymore künftig angeboten werden, das hängt nach ihrer Einschätzung von der Nachfrage auf den Märkten ab.

Krauss Maffei stellt bei Polymore die Infrastruktur und das Know-how zur Verfügung. Die Abwicklung der geschäftlichen Transaktionen erfolgt zwischen den einzelnen Handelspartnern. Diese können laut Despineux zwischen unterschiedlichen Bezahlmodellen wählen, bei denen Krauss Maffei mitverdient: So sind zum Beispiel einmalige Transaktionsgebühren möglich oder auch Subskriptionspreise.

Verantwortungsvoller Umgang mit Kunststoff

„Das Funktionieren der Kreislaufwirtschaft setzt voraus, dass es einen Kreislauf gibt. Rezyklate zu handeln und zu nutzen, stellt für viele Marktplayer eine Herausforderung dar. Das funktioniert bislang nur, wenn man einen entsprechenden Partner kennt, wie wir aus Gesprächen mit Industrie, Verbänden und Politik wissen. Mit Polymore schließen wir diese Lücke nun, indem wir für Transparenz und Verfügbarkeit im Handel sorgen“, betonte CEO Dr. Frank Stieler.

„Polymore ist außerdem ein Beispiel für das Engagement von Krauss Maffei, seine Kunden über den Verkauf von Maschinen hinaus zu unterstützen“, so Stieler weiter. „Wir zeigen hier auf der Messe, dass wir mehr können als nur Maschinenbau. Unsere Mission in Sachen Kreislaufwirtschaft ist es, dem Markt und der Industrie zum verantwortungsvollen Umgang mit dem Werkstoff Kunststoff zu verhelfen.“

Gerade oder trotz der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Situation müssten alle die Chance ergreifen, Veränderungen herbeizuführen. Stieler: „Die Industrie hält inne und programmiert sich neu. Aber wir sind uns sicher, dass Kunststoff ein Markt für die Zukunft ist, der das vergangene Niveau wieder erreichen und übersteigen wird.“

Digitalisierungs-Offensive mit Retrofit-Lösung

Mit seiner Digitalisierungs-Offensive will Krauss Maffei überdies dazu beitragen, dass sich die Kunststoffverarbeiter neu aufstellen können. Neben Polymore zeigt der Münchner Maschinenbauer in Düsseldorf zum Beispiel die Retrofit-Lösung Easytrace, mit der sich auch älteres Equipment - ganz egal ob Extruder, Spritzgießmaschine, Automation oder Peripherie – in die smarte Fabrik einbinden lässt.

Despineux bezeichnet Easytrace als „Dolmetscher zwischen Maschinen unterschiedlicher Generationen, Typen, Fabrikate und Instrumenten zur Produktionssteuerung“.

Informationen von Materialtrocknern, Kunststoffverarbeitungsmaschinen, komplexer Automation, Kameras, Druckern oder Scannern fließen in Easytrace ein. Das Besondere dabei: Das System unterstützt nahezu alle am Markt existierenden Schnittstellen, von E63 über Profinet bis hin zu E77. So lassen sich auch Maschinen unterschiedlichster Hersteller oder Maschinen älteren Baujahrs in die digitale Produktion integrieren.

Wenn die Spritzgießmaschine beispielsweise bereits über die Krauss Maffei Analysesoftware Dataxplorer verfügt, die bis zu 500 Signale pro Sekunde als Kurvenverläufe speichert und als eine Lupe für den Blick in die Tiefe des Spritzgießprozesses fungiert, läuft die Kommunikation zwischen Maschine und Easytrace direkt. Easytrace kann dann mit dem kundeneigenen MES- oder FFS-System gekoppelt werden, dort Daten ablegen oder weitere Daten übernehmen, beispielsweise für die Beschriftung der einzelnen Artikel mit Codes.

sk

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