Branche 06.06.2018 0 Bewertung(en) Rating

Kommt die Disruption in der Kunststoffindustrie?

Die Nachfrage nach Polyolefinen steigt und steigt, doch das bleibt nicht ohne negative Folgen mit möglicherweise gravierenden Auswirkungen auf die Branche. Eine PEPP-Conference zeigt, wohin es gehen könnte.

Die weltweite Nachfrage nach Polyethylen (PE), dem meistverwendeten Kunststoff der Welt, hat sich seit 1999 von 50 Mio. t auf prognostizierte 100 Mio. t in 2018 verdoppelt, so IHS Markit, ein globaler Anbieter von Wirtschaftsinformationen. Neue Analysen zeigen jedoch, dass dieses Nachfragewachstum mit erheblichen neuen Belastungen einhergeht, die die Zukunft der Kunststoffbranche bedrohen könnten, wie zum Beispiel deutlich verschärfte Umweltvorschriften nicht nur in Europa, sondern auch in wichtigen Wachstumsmärkten wie China.

Kreislaufwirtschaft für China und Indien?

"Je mehr Verbraucher in Entwicklungsländern wie China und Indien ihre Kaufkraft erhöhen, desto größer die Nachfrage nach den wichtigsten Kunststoffen, die für sehr viele Produkte von entscheidender Bedeutung sind – zum Beispiel Mobiltelefone, Computer, Verpackungen, Kleidung, Autos", sagte Nick Vafiadis, Vice President Plastics bei IHS Markit.

"Dieses konsumgetriebene Wachstum bringt jedoch größere Verantwortung sowohl für die Kunststoffhersteller als auch für die Verbraucher mit sich. Wir bei IHS Markit konzentrieren uns darauf, wie Produzenten und Konsumenten zusammenarbeiten können, um die Themen Nachhaltigkeit und Management von Kunststoffrecycling, Wiederverwendung und Abfallreduzierung anzugehen. Diese Themen sind für führende Unternehmen der Kunststoffindustrie von sehr großer Bedeutung."

 - Nick Vafiadis, Vice President Plastics bei IHS Markit „Nachhaltigkeit, Recycling und Abfallreduzierung sind künftig die Schlüsselthemen auch für führende Unternehmen der Kunststoffindustrie."
Nick Vafiadis, Vice President Plastics bei IHS Markit „Nachhaltigkeit, Recycling und Abfallreduzierung sind künftig die Schlüsselthemen auch für führende Unternehmen der Kunststoffindustrie."
IHS Markit

PEPP 2018 – Polyolefin-Konferenz in Düsseldorf

Das Thema Nachhaltigkeit und die Bewältigung steigender Umweltauflagen werden auf der PEPP 2018 – Globales Technologie- und Business-Forum für Polyethylen- und Polypropylen-Kunststoffe vom 26. bis 28. Juni in Düsseldorf diskutiert. Führende Vertreter aus der ganzen Wertschöpfungskette der Kunststoffbranche, vom Erzeuger über Verarbeiter und Markeninhaber bis hin zu Recycling- und Wiederverwertungsunternehmen, werden das Thema Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft beleuchten.

Auf der Agenda stehen auch politische Entscheidungsträger und Multiplikatoren wie der World Plastics Council und Plastics Europe, die Kunststoffhersteller Borealis, Lyondell Basell und Sabic, große Verarbeiter wie Amcor und Constantia sowie Markeninhaber, unter anderem Coca-Cola und Nestlé.

Erzeuger fordern mehr Nachhaltigkeit

"In Gesprächen mit den führenden Erzeugern wird deutlich, dass die Kunststoffindustrie die Notwendigkeit versteht, die Nachhaltigkeit in der gesamten Lieferkette sehr aktiv zu gestalten", sagte Vafiadis. "Dazu gehören führende Stakeholder-Diskussionen und die Suche nach Möglichkeiten, mit Einzelhändlern, Verbrauchern, Recyclern und sogar mit Designern zusammenzuarbeiten, um Second-Life-Anwendungen für Produkte zu planen, nachdem sie konsumiert wurden. Wir freuen uns, für diese Diskussion in Deutschland zu sein, da Europa in Sachen Nachhaltigkeit weltweit führend ist."

China als wesentlicher Treiber

Bis zum Jahr 2022 wird erwartet, dass der globale Polyethylen-Bedarf jährlich 120 Mio. t erreichen wird, während die weltweite Nachfrage nach Polypropylen voraussichtlich bei knapp 90 Mio. t liegen wird. Ein Großteil dieses Wachstums wird von China getragen, auf das rund 60 % des weltweiten Wachstums der Kunststoffnachfrage entfallen. Chinas Verbot, Kunststoffabfälle für das Recycling zu importieren, sowie der stark zunehmende Trend des Online-Shoppings tragen in China dazu bei, die Nachfrage nach neuem Kunststoffmaterial zu erhöhen, so IHS Markit.

 - Jim Seward, Vorsitzender des World Plastics Council und Vizepräsident bei Lyondell Basell, wird über die Rolle von Kunststoffen im 21. Jahrhundert referieren. (Im Bild auf dem letzten Polytalk in Malta).
Jim Seward, Vorsitzender des World Plastics Council und Vizepräsident bei Lyondell Basell, wird über die Rolle von Kunststoffen im 21. Jahrhundert referieren. (Im Bild auf dem letzten Polytalk in Malta).
Plastics Europe

Auf dem PEPP-Forum wird Jim Seward, Vorsitzender des World Plastics Council und Vizepräsident bei Lyondell Basell, die Rolle von Kunststoffen im 21. Jahrhundert untersuchen. Karl Foerster, geschäftsführender Direktor von Plastics Europe, wird sich mit den steigenden Anforderungen an die Umweltverträglichkeit befassen, einschließlich der neuen europäischen Politik, bis zum Jahr 2025 auf 55 % Recyclinganteil zu setzen, und wie sich diese Änderungen auf die Kunststoffindustrie auswirken werden.

Nachhaltigkeit wird zur Notwendigkeit

"Da die Nachfrage nach zusätzlichen Polyolefinen und die Bilder von Kunststoffverschmutzungen weltweit Schlagzeilen machen, zeichnet sich die Notwendigkeit einer nachhaltigeren Kunststoffindustrie ab", sagte Vafiadis. "Der Übergang von der Einwegwirtschaft zu einer Kreislaufwirtschaft stellt in manchen Bereichen eine notwendige Veränderung dar, um die Wertschöpfung der Kunststoffindustrie weiterhin sicherzustellen."

 - Die Abfall- und Kreislaufwirtschaft sind Themen, die die Kunststoffindustrie künftig selbst angehen muss.
Die Abfall- und Kreislaufwirtschaft sind Themen, die die Kunststoffindustrie künftig selbst angehen muss.
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Andrea Landuzzi, Global Marketing Director Polymeradditive bei Solvay, wird Beispiele diskutieren, wie eine zweckorientierte Produktentwicklung, die Hochleistungsstabilisatoren einsetzt, die Polyolefin-Industrie in die Lage versetzen kann, ökonomisch und ökologisch nachhaltiger zu werden. Hartmut Siebert, Technical Marketing ManagerPackaging bei Clariant, und Sander Koster, Gruppenleiter für Lebensmittelsicherheit bei Nestlé, diskutieren die Sicherheit bei Lebensmittelverpackungen, während Izabela Lomacka, Global Procurement Director für Verschlüsse, Etiketten und Schrumpffolien, die unter anderem bei Coca-Cola eingesetzt werden, über Trends und Nachhaltigkeit bei Verbraucherverpackungen diskutiert. Enrico Dolce, Produktentwicklungs- und Verkaufsleiter bei Fater AHP Recycling, wird über die Umwandlung von Abfall in verwertbare Rohstoffe diskutieren.

Kunststoffindustrie muss Abfallwirtschaft aktiv mitgestalten

"Das Thema Nachhaltigkeit ist in Zukunft vielleicht der wichtigste Einflussfaktor für die gesamte Kunststoffindustrie", sagte Vafiadis. "Die Abfallwirtschaft ist ein Thema, das die Kunststoffindustrie selbst angehen muss, denn es braucht alle Beteiligten, um solch ein sehr komplexes Problem zu lösen. Auf der Grundlage unserer Gespräche mit Branchenführern wird diese Herausforderung zu bewältigen sein, und dies wird der übergreifende Schwerpunkt unseres PEPP 2018 Business Forums sein.

mg

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