Klimapaket gefährdet mittelständische Industrie

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Bündnis faire Energiewende kritisiert Klimapaket der Bundesregierung: nationaler Emissionszertifikatehandel geht für mittelständische Industrie an die Existenz.

Die im Bündnis faire Energiewende organisierten mittelständischen Industrieverbände WSM, Textil + Mode, BVKI, BDGUSS, WDK und GKV und ihre Mitgliedsunternehmen stehen zu den verbindlich vereinbarten Klimaschutzzielen Deutschlands, aber nicht zum Klimapaket der Bundesregierung. Denn das von der Bundesregierung „mit heißer Nadel gestrickte und dem Deutschen Bundestag hastig vorgelegte Gesetz über den nationalen Emissionszertifikatehandel“ gefährdet nach Überzeugung der Verbände viele kleine und mittelständische Betriebe in ihrer Existenz.

„Das geplante Brennstoffemissionshandelsgesetz – kurz BEHG – ist von der Bundesregierung in seinen Wirkungen für die mittelständische Industrie nicht zu Ende gedacht“, erklären die Verbände in einer gemeinsamen Presseerklärung.

Klimapaket muss Klima schützen, aber mittelständische Betriebe überleben lassen

„Der Bundestag ist jetzt gefordert, ein Gesetz zu schaffen, das das Klima schützt und gleichzeitig mittelständische Betriebe überleben lässt. Dies darf nicht innerhalb nur eines Monats übers Knie gebrochen werden, sondern erfordert aufgrund seiner Tragweite für die mittelständische Industrie eine intensive Diskussion und Beratung. Daher fordern wir den Bundestag auf, den enormen Zeitdruck aus dem Gesetzgebungsverfahren herauszunehmen und das Verfahren zeitlich zu entzerren“, so Ingeborg Neumann, Präsidentin des Gesamtverbands der deutschen Textil- und Modeindustrie.

Ingeborg Neumann, Präsidentin des Gesamtverbands der deutschen Textil- und Modeindustrie: „Wenn wir mit unserer Klimapolitik nicht aufpassen und die Produktion in Deutschland weiter verteuern, werden wir unsere Produkte in Zukunft von ausländischen Produzenten mit weitaus schlechteren ökologischen Standards und CO2-Werten beziehen." Foto: Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie e.V.

„Wenn wir mit unserer Klimapolitik nicht aufpassen und die Produktion in Deutschland weiter verteuern, werden wir unsere Produkte in Zukunft von ausländischen Produzenten mit weitaus schlechteren ökologischen Standards und CO2-Werten beziehen. Dem Weltklima ist damit nicht geholfen, unser deutsches Industrieknowhow wäre jedoch unwiederbringlich zerstört. Das wäre nicht nur industriepolitischer Wahnsinn, sondern auch ein klimapolitisches Desaster“, warnt Neumann.

Grund für diese deutlichen Worte ist die von der Bundesregierung geplante Einführung eines allein auf Deutschland begrenzten Emissionszertifikatehandels. Kleine und mittelständische Industriebetriebe, die von der EU-Kommission aufgrund der geringen Emissionen ihrer Anlagen von der Verpflichtung zur Teilnahme am EU-Zertifikatehandel ausgenommen sind, würden dadurch nach Überzeugung der Verbände vom nationalen Gesetzgeber stärker belastet werden, als große Unternehmen. Diese nehmen zwar am EU-Zertifikatehandel teil, erhalten aber aus Gründen des Wettbewerbsschutzes (Verhinderung des sog. Carbon-Leakage) den überwiegenden Anteil ihrer Zertifikate kostenlos. Die Folge wäre, dass mittelständische Unternehmen, die industrielle Wärmeprozesse zwingend brauchen, in Deutschland nicht mehr investieren können.

Existenzbedrohende Folgen für die mittelständische Industrie

Mit dem nationalen Emissionzertifikatehandel will die Bundesregierung den Einsatz fossiler Brennstoffe wie Kohle, Koks, Gas, Benzin, Diesel und Öl verteuern, um CO2-Emissionen zu reduzieren. Doch die jetzt geplante Regelung birgt nach Überzeugung der Verbände erhebliche Gefahren: „Was für die Bereiche Wohnen und Verkehr, die bisher nicht in ausreichendem Umfang in Klimaschutzmaßnahmen einbezogen waren, in die richtige Richtung geht, hat bislang nicht berücksichtigte existenzbedrohende Folgen für die mittelständische Industrie. Eine Verteuerung mit dem Ziel der CO2-Reduktion macht nur dann Sinn, wenn stattdessen andere Energieträger von den Unternehmen eingesetzt werden können. Als alternative Energieträger kommen allenfalls Strom oder Wasserstoff in Betracht. Beide stehen in Deutschland aber nicht in der erforderlichen Menge und nicht zu wettbewerbsfähigen Preisen zur Verfügung. Die Lenkung zu anderen Energieträgern kann daher auch bei höheren CO2-Preisen derzeit nicht gelingen.“

Deshalb fordern die Verbände im Bündnis faire Energiewende neben einer Freistellung von den Belastungen aus dem nationalen Emissionshandel weiterhin eine spürbare Entlastung der Industrieunternehmen von Abgaben und Umlagen auf Strom. Die von der Bundesregierung im Klimapaket angekündigte Bezuschussung der erneuerbaren Energien aus Haushaltsmitteln folgt zwar der Forderung, die das Bündnis Faire Energiewende seit Jahren vehement gestellt hat. Die bisher geplante Einführung eines geringen Zuschusses aus dem Bundeshaushalt kann aber nach Überzeugung des Bündnisses allenfalls ein erster Schritt zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Strompreise sein.

Im Bündnis faire Energiewende sind branchenübergreifend etwa 10.000 deutsche Unternehmen mit rund 1 Mio. Beschäftigten und etwa 200 Mrd. EUR Jahresumsatz vertreten. Zum „Bündnis faire Energiewende“ zählen der Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie BDG, der Bundesverband Keramische Industrie e.V., der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie e.V., der Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie e.V., der WDK Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie e.V., und der WSM Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung e.V.

gk

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