Kein Stress – Tipps für besseres Zeitmanagement

Zeitdruck erzeugt Stress. Mit einer positiven Wahrnehmung der Zeit und besserem Zeitmanagement kann man dem entgegenwirken. Foto: Tüv Nord

Was passiert mit uns, wenn wir unter Zeitdruck und Stress stehen? Der Tüv Nord gibt Tipps für ein besseres Zeitmanagement.

Der Psychologe Christian Müller vom Medizinisch-Psychologischen Institut des Tüv Nord in Köln berichtet Überraschendes aus der Forschung und gibt Tipps für ein besseres Zeitmanagement und gegen Stress. Denn „zu viel Arbeit, zu wenig Zeit“ lautet die wohl häufigste Klage im Alltag. Was macht es mit uns, wenn eine Deadline naht und die Zeit knapp wird? Die meisten Berufstätigen hätten gerne mehr Zeit für ihre Familie. Vor allem Eltern und Vollzeitbeschäftigte leiden unter einem vollen Terminplan. Aber auch Ältere klagen vermehrt darüber, zu wenig Zeit zu haben, so das Ergebnis einer aktuellen deutschen Studie. Demnach stehen Berlinerinnen und Berliner im Ruhestand heute mehr unter Druck als Gleichaltrige vor 20 bis 30 Jahren. „Bei einem vollen Terminplan kann sich auch die Freizeit wie Arbeit anfühlen“, sagt der Psychologe Christian Müller vom Medizinisch-Psychologischen Institut des Tüv Nord in Köln. Eine Analyse von 13 Studien ergab: Wer sich für einen Kinobesuch oder eine Kaffeepause Termine setzt, hat weniger Freude daran, als wenn sie spontan stattfanden.

Zeitdruck führt zu körperlichen Stressreaktionen

Der typische Fall von Zeitdruck sieht allerdings anders aus. Es geht um Deadlines und darum, dass die anstehenden Aufgaben in der verfügbaren Zeit nicht zu schaffen sind. Der finnische Ingenieur Ari Putkonen untersuchte, wie sich Zeitdruck auf die Arbeit von Teams auswirkt. Sein Fazit: Kurzfristig steigt die Leistung zwar, doch langfristig droht geistige Ermüdung. Die Qualität der Arbeit, die Produktivität und das Engagement sanken. Zeitdruck löst eine akute körperliche Stressreaktion aus, die einem uralten, bewährten Programm folgt: Das Angstzentrum im Gehirn – die Amygdala – alarmiert die Kommandozentrale für das autonome Nervensystem, den Hypothalamus. Dieser signalisiert den Nebennieren, den Körper mit Botenstoffen wie Adrenalin und Noradrenalin zu fluten. Herz und Atem nehmen Fahrt auf, Blutdruck und Muskelspannung steigen. Bei akuter Gefahr für Leib und Leben stellt sich der Körper so auf Kampf oder Flucht ein. Unseren Vorfahren sicherte diese Reaktion das Überleben. Allerdings leidet darunter die Aufmerksamkeit für andere Dinge, die nicht mit der akuten Bedrohung zu tun haben. Was sonst noch um uns herum passiert, nehmen wir in dieser Situation nur noch eingeschränkt wahr. Für die meisten Aufgaben ist es deshalb am besten, wenn das Gehirn zwar aktiviert ist, aber nicht zu sehr. 

Stress verstärkt typisches Verhalten

Im Straßenverkehr etwa kann die eingeschränkte Wahrnehmung gefährlich werden. Zeitnot führt außerdem zu ungeduldigem, riskantem Fahren und vermehrten Regelverstößen. Experimente im Fahrsimulator zeigten: Unter Zeitdruck fuhren Versuchspersonen schneller und weiter links in der Spur, wenn sie ein Auto vor sich hatten. Wer plötzlich bremsen sollte, hatte das Fahrzeug außerdem schlechter unter Kontrolle. Auch ohne Zeitnot verhalten sich manche Menschen auf der Straße rücksichtslos. Doch Stress verstärkt das typische Verhalten noch, so das Ergebnis eines Experiments in Deutschland und den USA. Darin spielten rund 100 Studierende am Computer: Sie bekamen eine Summe Geld und sollten wiederholt entscheiden, ob sie einer anderen Versuchsperson einen bestimmten Betrag abgeben wollten. Teils hatten sie dafür nur zwei Sekunden Zeit. Unter diesem Druck verhielten sich die sozialen Studierenden noch sozialer, die egoistischen aber noch egoistischer. „Wenn Menschen keine Zeit zum Entscheiden haben, tun sie einfach, was sie sonst auch tun“, berichtet Ian Krajbich, Professor für Psychologie und Ökonomie von der Ohio State University. 

Mit positivem Zeitmanagement gegensteuern

Wer sich gar nicht erst unter Druck setzen lassen will, kann auf mehreren Wegen gegensteuern. Zum Beispiel mit Gedankenkraft, wie eine Studie nahelegt: „Es geht nicht um den Zeitdruck selbst, sondern um die Wahrnehmung von Zeitdruck“, sagt Psychologe Michael De Donno von der Case Western Reserve University. Er ließ Versuchspersonen Karten ziehen, wobei sie mit der richtigen Strategie Geld gewinnen konnten. Eine Gruppe bekam gesagt, es wäre genügend Zeit, während eine weitere informiert wurde, dass die Zeit eigentlich zu knapp sei. Tatsächlich aber hatten alle gleich viel Zeit, nämlich 100 Durchgänge. Das Ergebnis: Die Gruppe, die nicht genug Zeit zu haben glaubte, schnitt schlechter ab. Manche Termine kann man absagen, andere verschieben. Aber an einigen lässt sich nichts ändern. Hier bleibt nur, sich davon nicht allzu sehr unter Druck setzen zu lassen. Nur wie? Der Psychologe Christian Müller von Tüv Nord empfiehlt, den Fokus der Aufmerksamkeit zu verschieben: „Sich weniger auf die Zeit und mehr auf die Aufgaben konzentrieren.“

ak