Ist unser Nachwuchs durch Corona gefährdet?

Stefan Lenz, Chefredakteur der K-ZEITUNG Foto: K-ZEITUNG

Die ersten Folgen der Corona-Pandemie machen sich auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar – Der Nachwuchs an Fachpersonal scheint gefährdet zu sein.

Das Resultat des ersten Corona-Lockdowns sind erhebliche Verluste an Kompetenzen bei der Bildung unseres Nachwuchses. In der aktuellen Zeit entwickeln sich die Perspektiven für den Einstieg oder die Rückkehr in Arbeitsplätze eher ungünstig. Auf lange Sicht wird aber der Bedarf an Fachpersonal, beispielsweise Ingenieure und Informatiker, deutlich steigen. Digitalisierung, Dekarbonisierung und der demografische Wandel werden dazu führen, dass mehr Fachpersonal mit diesen Kompetenzen benötigt wird. Im Zuge der Corona-Krise kam es im Frühjahr 2020 und jetzt im Winter 2020/2021 zu insgesamt mehrmonatigen Schulschließungen.

Schulschließungen wirken sich auf Nachwuchs aus

Durch Beobachtungen können die Effekte der Schulschließungen auf die Kompetenzen der Schüler durch internationale Studien zu Lehrerstreiks und nach dem ersten Lockdown abgeschätzt werden. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen zeigen, dass erhebliche Verluste an Kompetenzen im Lesen und der Mathematik bei Schülern resultieren dürften. Die Verluste sind dabei den Untersuchungen zufolge bei jüngeren Kindern höher als bei Schülern in weiterführenden Schulen, die besser durch digitalen Fernunterricht Lernverluste kompensieren können. Die Verluste sind zudem besonders groß bei Kindern aus bildungsfernen Haushalten, die häufig weniger gut bezüglich der Lerninfrastruktur ausgestattet sind und bei denen die Eltern weniger gut den Lernprozess der Kinder zu Hause unterstützen können.

Digitalen Fernunterricht vor der Corona-Krise

Überträgt man nun diese Studien auf die Situation in Deutschland, wo die Ausgangslage für digitalen Fernunterricht vor der Corona-Krise sogar ungünstiger war, so ist zu vermuten, dass die Fortschritte bei den Pisa-Kompetenzen in Mathematik und Naturwissenschaften ohne zusätzliche unterstützende Maßnahmen der Bildungseinrichtungen wieder verloren gehen dürften. Mit sinkenden Kompetenzen dürften auch die Erfolge bei den Studierendenquoten in den Ingenieurwissenschaften und der Informatik langfristig nicht zu halten sein oder die Hochschulen werden stärker damit herausgefordert, bestehende Lücken zu schließen. Bleibt zu hoffen, dass die Bildungspolitik der aktuellen Bundesregierung hier rasch gegensteuert um noch größere „Ausfälle“ zu vermeiden.

Stefan Lenz

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