Ist die Vermögenssteuer eine Investitionsbremse?

Stefan Lenz, Chefredakteur der K-ZEITUNG Foto: K-ZEITUNG

Die von einigen Parteien im Wahlkampf geforderte Vermögensteuer könnte großen Schaden anrichten und geplante Investitionen in der Industrie ausbremsen.

Die Bundestagswahl ist geschlagen und die ersten Sondierungsgespräche laufen auf Hochtouren – ob damit auch die geplante Vermögenssteuer, die den Ruf als Investitionsbremse hat, nun doch kommt, bleibt abzuwarten. Wer schlussendlich zukünftig regieren wird ist aber zu diesem Zeitpunkt nicht absehbar, wobei die ersten Anzeichen wohl auf eine Ampel-Koalition hindeuten. Es kommen aber hier bestimmt noch spannende Tage auf uns zu.

Spannend war auch bereits der Auftakt des diesjährigen Bundestagswahlkampfs. Hier brachten Linke, Grüne und SPD die Idee einer Vermögensteuer auf den Plan: Sie wurde als Mittel präsentiert, um die Vermögensungleichheit in Deutschland zu bekämpfen. Eine Vermögensteuer von nur einem Prozent würde Unternehmen laut Experten ähnlich belasten wie eine Erhöhung der Ertragsteuer um 10 %. Ein beispielhaftes mittelständisches Unternehmen mit einem jährlichen Gewinn von 500.000 EUR vor Steuern müsste neben den darauf entfallenden Unternehmenssteuern etwa 38.000 EUR zusätzlich an Vermögensteuer zahlen. Damit würde besonders das Betriebsvermögen, mit dem Investitionen finanziert werden, zusätzlich belastet werden. Unternehmen könnte der Anreiz genommen werden, in Deutschland zu investieren. Die Folge: Viele könnten stattdessen eher im Ausland investieren. Dadurch würde die Wertschöpfung sinken und es gäbe weniger Arbeitsplätze. Durch solche Ausweichreaktionen könnten die zusätzlichen Steuereinnahmen einer Vermögensteuer bis zu 40 % niedriger ausfallen als ursprünglich gedacht.

Mit der Vermögensteuer wollen die genannten Parteien die Ungleichheit bei den Vermögen senken. Dafür ist der Gini-Koeffizient ein verbreitetes Maß. Ein Gini-Koeffizient von Null bedeutet, dass alle das gleiche Vermögen besitzen. Liegt der Wert bei Eins, besitzt eine Person das ganze Vermögen. Der Gini-Koeffizient der Nettovermögen deutscher Haushalte beträgt 0,71. Vermögen ist damit deutlich ungleicher verteilt als Einkommen. Simulationsstudien fanden jedoch heraus, dass eine Vermögensteuer von einem Prozent die Vermögensungleichheit um kaum bemerkbare 0,06 % senken würde. Wer sich erhofft, die Vermögensteuer sei die Lösung für alle finanziellen Ungleichheiten in unserer Gesellschaft, wird von ihr enttäuscht werden. Sie könnte durch ihre Wirtschaftsfeindlichkeit eher soziale Probleme verschärfen.

Stefan Lenz, Chefredakteur der K-ZEITUNG

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