Interview zur K 2022: Drei Megathemen im Fokus

Ulrich Reifenhäuser ist Vorsitzender des Ausstellerbeirats der K-Messe und Vorsitzender des Fachverbandes Kunststoff- und Gummimaschinen im VDMA. In der Interviewserie Way-2-K äußert er sich über die Megathemen der K 2022 und über die Wichtigkeit von Leitmessen. Foto: VDMA

Klimaschutz, Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft – Ulrich Reifenhäuser im Interview über die Megathemen der K 2022 und die Bedeutung von Leitmessen.

In der Interviewserie Way-2-K des VDMA im Vorfeld zur K-Messe 2022 erläutert Ulrich Reifenhäuser, Vorsitzender des Ausstellerbeirats der K und Vorsitzender des Fachverbandes Kunststoff- und Gummimaschinen im VDMA, die Bedeutung der drei Megathemen Klimaschutz, Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft und geht außerdem auf die Wichtigkeit von Leitmessen ein.

Herr Reifenhäuser, auf der K 2022 werden gleich drei Megathemen im Fokus stehen: Klimaschutz, Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft. Wie hängen diese Themen zusammen und warum sind sie so wichtig für die Kunststoffindustrie?

Ulrich Reifenhäuser: Klimaschutz ist das absolute und weltweit wichtigste Hauptthema. Circular Economy ist ein wichtiges Branchenthema und stellt eine Teillösung für das große Thema Klimaschutz dar. Die Digitalisierung ist ein Lösungsansatz, der sowohl für Maßnahmen zum Klimaschutz, als auch für die Etablierung der Circular Economy notwendig ist.
Alle drei Themen werden sehr facettenreich auf der K dargestellt werden. Die Kunststoffindustrie ist für das Ziel der CO2-Minderung, für die Verringerung des Carbon Footprints absolut entscheidend. Ohne Kunststoff wird ein sorgsamer Umgang mit dem Weltklima gar nicht möglich sein.
Die Circular Economy wiederum ist für den Werkstoff Kunststoff existenziell. Und die Digitalisierung hat neue Dimensionen erreicht. Um nur ein Beispiel zu geben: Mit ihrer Hilfe lässt sich Kunststoffabfall genau identifizieren. Das ist für das Recycling extrem wichtig.

Klimaschutz ist wichtigstes Megathema auf der K 2022

Welche Stellschrauben hat man denn, um den Klimawandel zu bremsen?

Reifenhäuser: Der Klimaschutz und damit einhergehend die Senkung der CO2-Emissionen ist das wichtigste Ziel für die Kunststoffindustrie und daher auch das wichtigste Thema auf der K. Da geht es zum Beispiel um Maßnahmen zur Verringerung des CO2-Footprints in der Produktion.
Aber das größte Handlungsthema ist sicherlich die Circular Economy. Ganz neue Stellschrauben werden wir zwar nicht finden. Wir beschäftigen uns ja nicht erst seit gestern damit. Es geht vielmehr darum, die schon eingeleiteten Prozesse zu verbessern, zu verfeinern. Welche Produkte kann man weglassen? Wie erreicht man eine Reduktion von Einsatzstoffen bei gleicher Funktionalität? Wie lassen sich Produkte recyceln, für die es bislang noch keine Recyclingmöglichkeit gab? Es gibt neue Verfahren, die das alles ermöglichen. Die werden auf der K präsentiert.
Und schließlich geht es auch darum, in unserer Industrie noch mehr Energie einzusparen. Das sind die echten Stellschrauben, die wir haben.

Energieeffizienz hat ja schon lange Priorität, schon allein, weil dadurch die Kosten sinken. Gibt es da noch Spielraum?

Reifenhäuser: Ja, es gibt immer noch Spielraum. Je größer die Notwenigkeit ist und je größer der Druck wird, etwas zu verändern, umso kreativer werden die Ingenieure. Das gilt besonders für den Maschinenbau.

Klare Meinung von Reifenhäuser im Interview: „Politik muss klare Richtung vorgeben“

Die Kunststoffindustrie kann die großen Herausforderungen nicht ohne die Politik stemmen. Welche Rolle sollte sie idealerweise spielen?

Reifenhäuser: Die Politik gibt notwendigerweise die Regeln vor. Die Bekämpfung des Klimawandels und die Circular Economy sind nicht nur nationale, es sind weltweite Aufgaben. Die Politik muss sinnvoll lenken und einen Ordnungsrahmen setzen. Dazu müssen sich die Akteure intensiv in die Themen einarbeiten, um vernünftige Vorgaben machen zu können. Strohhalme zu verbieten mag zwar medienwirksam sein, aber es trägt nichts zur Problemlösung bei.
Die Politik muss im Großen denken und eine klare Richtung vorgeben, auch in Form von Gesetzen. Das ist schon deshalb nötig, damit wir Geschwindigkeit aufnehmen bei der Erreichung unserer gemeinsamen Ziele.

Was wünschen Sie sich in dieser Hinsicht von der neuen Bundesregierung?

Reifenhäuser: Beim Klimaschutz würde ich mir eine konkrete Einschätzung von Klimaschädlichkeiten wünschen. Da sind wir beim Carbon Footprint, der CO2-Bilanz der unterschiedlichen Produkte. Bei Lebensmitteln kann man auf den Produkten lesen, wie viel Kalorien sie haben. Wieso macht man das nicht auch mit dem CO2-Footprint? Auf diese Weise könnte man Objektivität und Vergleichbarkeit herstellen.
Überdies würde ich mir wünschen, dass es klare Vorgaben für den Einsatz von Rezyklaten in den Produkten gibt. Wenn gutes Recyclingmaterial teurer ist als Neuware, dann wird es nicht eingesetzt. Also braucht man für alle gültige Vorgaben, idealerweise in Form von Quoten. Warum soll eine Mülltonne nicht zu 50 Prozent aus Rezyklaten bestehen? Auf diese Weise würde die Circular Economy einen echten Schub bekommen.

Sollte Deutschland hier Vorreiter sein?

Reifenhäuser: Wir können uns nicht Europäische Union nennen und dann jedes Land alles allein für sich machen lassen. Aber ich halte es für richtig, dass vielleicht Deutschland in Kombination mit zwei oder drei anderen wichtigen EU-Ländern mit solchen Maßnahmen vorangeht. Dann kommen wir unserem Ziel schneller näher, als wenn wir gleich mit 27 Nationen eine Einigung suchen.

„Leitmessen sind wichtiger denn je“

Die K ist von der Corona-Pandemie nicht direkt betroffen gewesen. Die letzte Messe war vor der Pandemie, die nächste wird nach ihr stattfinden. Aber viele andere Messen sind ausgefallen. Daher: Braucht man in Zukunft noch Leitmessen?

Reifenhäuser: Die Messen werden sich verändern. Es wird künftig überall Hygienekonzepte geben. Es wird neben der Präsenzveranstaltung auch zusätzliche digitale Angebote geben. Die Besucher- und die Ausstellerzahlen werden sinken. Dann kommt etwa ein Kunde auf einen Messestand. Wenn es im Gespräch um Detailfragen geht, wird vielleicht ein Kollege aus seiner Firma per Smartphone dazu geholt. Die digitale Kommunikation wird also eine wichtige Rolle spielen.
Dennoch, die Leitmessen sind wichtiger denn je. Denn die Tiefe des Austauschs ist nur von Angesicht zu Angesicht möglich. In digitalen Meetings kann man Informationen austauschen. Für Vertrauensbildung, Überzeugungsarbeit und das Wecken von Emotionen geht kein Weg am persönlichen Gespräch vorbei.
Die Messe hat überdies den großen Vorteil ein Marktplatz zu sein. Man kann sich an Ort und Stelle ganz viele substanzielle Meinungen holen. Gerade aus der Pandemieerfahrung heraus ist der Stellenwert von Messen insgesamt, besonders aber der von Leitmessen sogar gestiegen.

VDMA/kus

Schlagwörter: