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Internet-TV: Arburg erörtert Kunststoff-Innovationen

Die Experten-Runde beim Internet-TV-Format Arburgxvision im Mai 2022: Peter Barlog (Bildschirm), geschäftsführender Gesellschafter von Barlog Plastics, Arburg-Geschäftsführer Gerhard Böhm (links) und Entwicklungsingenieur Dr. Philipp Kloke (Mitte) diskutierten mit dem Moderator über Kunststoff als Innovationstreiber. Foto: Arburg

„Innovationstreiber Kunststoff – neue Materialien und was sie bringen“ war das Thema der jüngsten Internet-TV-Sendung Arburgxvision.

1.600 Interessierte nutzten die Gelegenheit Mitte Mai, sich die Internet-TV-Sendung von Arburg über Innovationen durch Kunststoff live oder im Nachgang in der Aufzeichnung anzuschauen. Es diskutierten dabei Peter Barlog, geschäftsführender Gesellschafter von Barlog Plastics, Gerhard Böhm, Arburg-Geschäftsführer Vertrieb und Service, und Dr. Philipp Kloke, Application and Process Development bei Arburg.

Unstrittig war bei den Experten in der Runde, dass eine Welt ohne Kunststoff nicht mehr denkbar ist. Aber es müsse weiterhin einiges getan werden, um in Zukunft trotzdem noch vernünftiger und sparsamer mit dem Wertstoff Kunststoff umzugehen. Böhm brachte es auf den Punkt: „Kunststoffe verrotten nun mal nicht.“ Sein Lösungsansatz ist, dass ein Kunststoff nur so viel können soll wie er für das entsprechende Produkt können muss. Ergänzend fügte Kloke hinzu, dass man Kunststoff gezielt dort einsetzen soll, wo er wirklich gebraucht wird.

Im Brennpunkt: Rezyklate und Energie

Und schon war man beim Thema Rezyklate, das nach Überzeugung der Diskutierenden bei Politik, Gesellschaft und Industrie angekommen ist. Laut Barlog übertrifft inzwischen die Nachfrage nach Rezyklaten das Angebot bei weitem. Grund dafür sind auch die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage. Die knapper werdenden Rohstoffe, gekoppelt mit den steigenden Rohstoff- und Energiepreisen, würden Recycling momentan attraktiv machen. Die Krise also als Chance? Nur bedingt. Denn immer noch kostet das Post-Consumer-Material fast doppelt so viel wie Virgin-Material. Und das bezahle kaum jemand.

Praxisbeispiel: FDC-Verfahren als Innovation

Wie man mit neuen Verfahren wirtschaftlich und nachhaltig produzieren kann, erläuterte Manuel Wöhrle, Gruppenleiter Industries, eindrucksvoll bei der Schalte in die Arburg-Zentrale nach Loßburg. Er stellte das Verfahren Faser Direkt Compoundieren (FDC) vor, bei dem Fasern individuell zugeschnitten und direkt der Schmelze zugeführt werden. Damit lassen sich nicht nur CO2-Emmisionen und Logistikaufwand reduzieren, die Bauteile werden auch um bis zu 30 % leichter und, je nach Anwendung, können bei den Materialkosten 40 bis 60 % eingespart werden.

Internet-TV-Sendung mit Versorgungs- und Kostenfragen

Die Zuschauer der aktuellen Internet-TV-Sendung von Arburgxvision beschäftigen in erster Linie Versorgungs- und Kostenfragen, wie der Live-Chat zeigte. In Sachen Lieferketten, so Barlog, müsse jeder Betrieb für sich selbst die beste Lösung finden. Kloke brachte den regionalen und damit auch preisgünstigeren Aspekt ins Spiel: „Regional denken beim Einsammeln und Verwerten.“ Hierbei könne ein digitaler Produktpass helfen. Viele Fragen sind aber noch ungelöst. Auch die, was man mit Kunststoffen machen soll, die nicht recycelbar sind. „Auf keinen Fall ins Meer oder die Flüsse kippen und nicht verbuddeln“, so Böhm. Es gibt, das wurde klar, beim Thema Recycling keine einfachen und schon gar keine pauschalen Antworten. „Natürlich wäre es ideal, wenn man aus jeder PET-Flasche auch wieder eine PET-Flasche machen könnte“, so Barlog. Doch bis dahin sei es ein langer Weg. 

Nachhaltigkeit nicht nur für Besserverdiener

Für eine wirkliche Veränderung brauche es Geduld, politische Unterstützung und die Bereitschaft der Verbraucher. Aber, so mahnte Barlog: „Nachhaltigkeit darf kein Privileg für Besserverdiener sein.“ Die Akzeptanz in der Gesellschaft zu mehr Recycling sei da und auch die Industrie sei bereiter als je zuvor. Es bleibt dennoch eine Mammutaufgabe.  

sk