Zum Inhalt springen

Initiative fördert nachhaltige Kunststoffe

Flexfunction-2-Sustain wird Technologien und Innovationen unterstützen, mit denen heutige Verpackungen durch nachhaltige Lösungen ersetzt werden. Foto: Fraunhofer FEP/Jan Hosan


Die von der EU geförderte Initiative Flexfunction-2-Sustain will nachhaltige nanofunktionalisierte Kunststoffprodukte fördern und schneller marktfähig machen.

Am 1. April startete die von der EU geförderte Initiative Flexfunction-2-Sustain, die kunststoff- und papierverarbeitende Industrie bei der Bewältigung ökologischer Herausforderungen auf dem Weg ins digitale Zeitalter unterstützen wird. 19 europäische Partner bündeln ihre Kompetenzen. Dieses Open Innovation Test Bed für nanofunktionalisierte Kunststoff- und Papieroberflächen und -membranen unterstützt Unternehmen dabei, den Zeitaufwand und die Entwicklungskosten von der Idee bis zur Markteinführung neuer Produkte maßgeblich zu reduzieren.

Durch nanofunktionalisierte Kunststoffoberflächen ergeben sich neue Möglichkeiten aus dem Ersatz von Glas und Metall. Diese erlauben die Reduzierung von Gewicht und Kosten und die Etablierung neuer Produktdesigns wie das biegbare Display. Zu den geforderten Funktionalitäten gehören zum Beispiel der Schutz vor korrosiven Gasen wie Wasserdampf und Sauerstoff, elektrisch leitfähige Folien, antimikrobielle und antivirale Oberflächen oder eine Beständigkeit gegenüber Chemikalien. Moderne Lösungen beruhen oft auf Verbund- oder Mehrschichtmaterialien. Diese Verbundstoffe sind aber weder vollständig rezyklierbar noch kompostierbar beziehungsweise abbaubar. Zudem werden viele Kunststoffprodukte aus Mineralöl anstatt aus erneuerbaren Rohstoffen synthetisiert.

Schwieriger Marktzugang für KMU

Als Lösungsansatz zur Reduktion des Kunststoffmülls werden aktuell neuartige Polymerzusammensetzungen (auf biologischer Basis und/oder biologisch abbaubar) und angepasste Produktdesigns diskutiert. Insbesondere Start-ups und kleine und mittlere Unternehmen (KMU) treiben neue Ideen voran. Begrenzte finanzielle Ressourcen und ein eingeschränkter Zugang zu technischen Einrichtungen für die Materialentwicklung, -tests und -zertifizierung sowie zu Pilot-Produktionskapazitäten hindern die Unternehmen daran, ihre Ideen und fortschrittlichen Materialien kommerziell zu verwerten. Obwohl Investoren bereit sind, umweltfreundliche Lösungen zu unterstützen, fehlt es ihnen an technischem Wissen und am Zugang zu unabhängigen Bewertungsstellen, um Ideen, Produkte und Geschäftsmodelle neuer Start-ups einschätzen zu können.

Initiative bietet zentrale Anlaufstelle

Die Initiative Flexfunction-2-Sustain zielt darauf ab, diese Einschränkungen zu überwinden, Das Open Innovation Test Bed bietet den Nutzern als zentrale Anlaufstelle einen einfachen Zugang zu ganzheitlichen, innovationsfördernden Dienstleistungen. Es unterstützt seine Kunden beim Material- und Produktdesign, bei der Technologie- und Produktentwicklung, bei der Produktverifizierung und -zertifizierung, mit Pilot- und Kleinserienfertigung sowie bei der Erschließung von Finanzierungsquellen, Märkten und Geschäftsmöglichkeiten.

Die technischen Einrichtungen und das Know-how der Flexfunction-2-Sustain-Partner decken alle wichtigen Technologien zur Nanofunktionalisierung von Kunststoffoberflächen ab. Dazu gehören gängige Beschichtungsverfahren an Atmosphärendruck und im Vakuum, die Mikro- und Nanostrukturierung von Oberflächen, Technologien für die flexible Elektronik sowie für die Laminierung und Produktintegration. Pilotanlagen zur Erprobung neuartiger Polymer-Formulierungen und zur Bewertung der Recyclingfähigkeit und biologischen Abbaubarkeit innovativer Produkte runden das Angebot ab. Anwendungstests und die Vorzertifizierung von Produkten insbesondere für Lebensmittel- und andere Verpackungen oder im medizinischen Bereich beschleunigen den Marktzugang in hochregulierten, sensiblen Anwendungsgebieten.

Flexfunction-2-Sustain richtet seine technischen Einrichtungen nach den besonderen Anforderungen folgender industrieller Anwendungsfällen aus:

  • recyclingfähige oder kompostierbare Lebensmittel- und Kosmetikverpackungen
  • Membranen für Wasserfilter und Diagnostik
  • innovative und intelligente Kunststoffoberflächen in der Automobilindustrie sowie
  • biologisch abbaubare Sicherheits- und Fälschungsschutzetiketten.

Das Konsortium besteht aus 19 Partnern, darunter Forschungseinrichtungen, Universitäten und private Unternehmen. Projektkoordinator ist das Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronen- strahl- und Plasmatechnik FEP in Dresden.

sk