“Industrie auf der Anklagebank”

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Das Kunststoffland NRW hat Verteter von Industrie, Politik, NGOs und Medien zu Covestro eingeladen, um die Lage der Branche zu analysieren und Lösungen zu finden.

Die öffentliche Diskussion über Kunststoffe nimmt immer extremere Formen an. Dabei wird der Werkstoff oft erheblich negativer dargestellt - und dann auch wahrgenommen als er eigentlich ist.Wie ist es dazu gekommen und was können die Branchenbeteiligten tun, um das Image wieder zu verbessern?

Mit diesem Thema traf der Verein Kunststoffland NRW ins Schwarze. Rund 120 Teilnehmer aus Großunternehmen und Mittelstand, die alle Bereiche der Wertschöpfungskette Kunststoff abdeckten waren nach Leverkusen gereist, um zu diskutieren und nach Lösungsansätzen zu suchen. Berührungsängste gab es nicht, im Gegenteil. Der offene Austausch mit NABU, Verbraucherzentrale und Medien war wesentlicher Teil des Programms und stand ebenso wie der Dialog mit NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart im Vordergrund der Veranstaltung.

Image Kunststoff – Weckruf für die Branche

Reinhard Hoffmann, Geschäftsführer Gerhardi Kunststofftehnik und Vorsitzender Kunststoffland NRW rief die Teilnehmer zur Geschlossenheit auf. Foto: K-ZEITUNG/Lubos

„Die Kunststoffindustrie sitzt in der Öffentlichkeit auf der Anklagebank, wir sind alle gemeinsam gefordert, jetzt zu handeln“, appellierte Reinhard Hoffmann, Vorsitzender Kunststoffland NRW an die Teilnehmer. „Wie kann man die enormen Vorteile des Werkstoffs Kunststoff weiter nutzen und zugleich nachhaltig und verantwortungsbewusst agieren?“- so brachte Hoffmann die Aufgabe der Kunststoffbranche auf den Punkt.

Dr. Hermann Bach, Innovationschef von Covestro und Vorstandsmitglied von kunststoffland forderte die Gäste auf, die Diskussion in der aktuellen Debatte anzuführen und sich an die Spitze der Bewegung zu setzen. Er selbst bezog direkt klar Position: „Kunststoff ist Innovationstreiber. Er ist Teil der Lösung für eine ganze Reihe von Herausforderungen unserer Zeit: Erneuerbare Energien, Klimaschutz, Elektromobilität. Nichts davon geht ohne Kunststoff. Ich gebe offen zu, die Erfolgsgeschichte des Kunststoffs hat eine Schattenseite. Wir haben ein Abfallproblem, insbesondere in Afrika und Asien und insbesondere bei Verpackungsmaterialien. Dieses Problem werden wir nur gemeinsam lösen können.“

Minister fordert Weiterentwicklung des bestehenden Recycling-Know-How

NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart weist auf die innovative Kraft von Kunststoff hin. Foto: K-ZEITUNG/Lubos

Die Rolle der Kunststoffindustrie als Innovationstreiber unterstrich auch Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Wirtschaftsminister des Landes Nordrhein-Westfalen. Gleichwohl gebe es weltweit große Herausforderungen. „Deutschland hat in den vergangenen 40 Jahren viel Erfahrung mit Recycling gesammelt. Diese deutsche Lernkurve muss auch in Länder exportiert werden, die derzeit die Verursacher des Problems sind“, sagte Pinkwart. Maß und Mitte seien hier wichtig.

Für den Naturschutzbund NABU skizzierte Katharina Istel grundsätzliche Positionen ihrer Organisation zum Werkstoff Kunststoff. Dabei räumte sie offen ein, dass Kunststoffe oft eine bessere Ökobilanz als andere Materialien hätten und neue Funktionen und Anwendungen erst ermöglichten. Trotzdem: Marine Litter, Mikroplastik sowie die erhebliche Zunahme der Kunststoffabfälle in Deutschland gehörten unbedingt noch stärker in den Fokus – sowohl von Regulierung als auch freiwilliger Maßnahmen seitens der Industrie. Ein „Weiter-so“ dürfte es dabei auf keinen Fall geben, auch wenn sich selten einfache oder widerspruchsfreie Lösungen finden ließen. Gerade jetzt müsse man gemeinsam agieren.

Alle an einen Tisch

Bei der Diskussion zwischen Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Wirtschaftsminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Hermann Bach (Covestro), Lothar Becker (ZDF), Ulrike Schell (Verbraucherzentrale NRW), Katharina Istel (NABU), Frauke Hoffmann (Hoffmann + Voss), Reinhard Hoffmann (Vorsitzender Kunststoffland NRW begegneten sich Wirtschaft, Politik, NGOs und Medien auf Augenhöhe.

Auch das hochkompetente Publikum lieferte klare Einschätzungen und ideenreiche Antworten, wie die Kunststoffindustrie ihrer Verantwortung gerecht werden kann. Aufschlussreich waren hier die Ergebnisse aus einer Vorabbefragung, die Kunststoffland im Vorfeld durchgeführt hatte: Über 90 % der Befragten meinen, dass der Werkstoff Kunststoff aktuell negativ in der Öffentlichkeit wahrgenommen werde. Es bestünde dringend Handlungsbedarf.

Reinhard Hoffmann mahnte die Teilnehmer in seinem Schlusswort, die eigene Verantwortung und das Thema Image Kunststoff ernst zu nehmen. „Lassen Sie uns die Herausforderungen gemeinsam angehen, nur geschlossen mit allen Akteuren werden wir dieses hochkomplexe Thema meistern.“

pl

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