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Impulse bringen Dynamik in die Kreislaufwirtschaft

Recyclingware, die im IR-Clean aufbereitet wurde, darf zu 100% für die Herstellung jeglicher Form von Lebensmittel-Verpackungen verwendet werden. Foto: Kreyenborg

„In der Kreislaufwirtschaft setzen wir untereinander Impulse“, sagt Jan Hendrik Ostgathe, Geschäftsführer der Kreyenborg GmbH & Co. KG, im Way2K-Interview.

Im Way2K-Branchen-Interview auf dem Weg zur K-Messe 2022 spricht Jan Hendrik Ostgathe, Geschäftsführer der Kreyenborg GmbH & Co. KG über Impulse für die Kreislaufwirtschaft und welche Hindernisse die Industrie noch überwinden muss.

Jan Hendrik Ostgathe: Da ist viel Bewegung entstanden. Wir sind als Familienunternehmen schon seit Jahrzehnten mit der Kunststoffindustrie verbunden. Bis vor ein paar Jahren spielte Recycling für viele Unternehmen nur eine untergeordnete Rolle. Das hat sich geändert. Marktteilnehmer, die dem Recycling früher weniger Beachtung geschenkt haben, springen auf den Zug auf. Wir sehen auch, dass große Extruder-Hersteller, die früher weniger mit Recycling verbunden waren, inzwischen Recyclinganlagen anbieten. Es gibt ganz klar einen Trend zum Recycling. Wir bei Kreyenborg verzeichnen eine gesteigerte Nachfrage der Recyclingwirtschaft nach unseren Maschinen. Spätestens seit der K 2019, die als Startschuss für die Kreislaufwirtschaft gesehen werden kann, geht diese Nachfrage bei uns linear nach oben.

Impulse aus unterschiedlichen Branchen

Ostgathe: Wir treiben uns in der Kreislaufwirtschaft alle gegenseitig. Der Konsument hat in den letzten Jahren im Angesicht des Klimawandels und der erkannten Ressourcenendlichkeit ein ganz anderes Bewusstsein entwickelt. Die großen Brand Owner reagieren darauf und viele wollen inzwischen selber grün werden und eine Vorreiterrolle übernehmen. Auch die Maschinenbauer sind Treiber, weil sie die Maschinen zur Verfügung stellen, die Recycling überhaupt erst ermöglichen. Auch der Markt ist ein Treiber. Wenn Rohkunststoffe in der Herstellung teuer werden, kann dies einen ökonomischen Vorteil für Recyclingmaterial bringen. Und natürlich treibt auch der Gesetzgeber, indem er vorschreibt, dass ein gewisser Wertstrom recycelt werden muss. Das greift alles ineinander. Es ist mittlerweile eine Dynamik entstanden, bei der sich alle gegenseitig anregen und anfeuern. Ich denke, dass dieser Weg der Richtige ist.

Ostgathe: Sie ist enorm wichtig. Jeder muss wissen, was richtig ist und gemacht werden muss. Und hier hapert es oft noch. Da wirbt zum Beispiel eine Bio-Marke mit einer Außenverpackung aus recyceltem Papier. Von innen ist dieses Papier aber mit Kunststoff beschichtet. Wer als Konsument nicht Bescheid weiß, dass man diese Verpackungen quasi nicht mehr oder nur mit hohem Aufwand recyceln kann, wird das gute Gefühl haben, etwas für die Umwelt getan zu haben. Dabei ist das Gegenteil der Fall. 

Ostgathe: Zur Verbesserung der Qualität der Rezyklate haben wir für unsere Aufbereitungsmaschinen zwei neue Methoden entwickelt. Die eine, IR-Clean, ist ein zusätzlicher Reinigungsprozess, mit dem Kontaminationen aus PET beseitigt werden. Am Ende können die so behandelten PET-Rezyklate zu hundert Prozent wieder für Lebensmittelverpackungen eingesetzt werden. Die Nachfrage nach diesem Produkt ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Bei der zweiten Methode, dem noch sehr neuen IR-Fresh, geht es darum, störende Gerüche aus HDPE-Verpackungen, etwa von Shampooflaschen, zu entfernen. In beiden Prozessen arbeiten wir sehr effizient mit infrarotem Licht als Energiequelle. Sie sind eine sehr gute Lösung, um Gerüche und Kontaminationen zu beseitigen, wenn die Wertströme mal so weit sind, dass sie auch sortiert werden können.

Hindernisse für die Kreislaufwirtschaft

Ostgathe: Die Verfügbarkeit der Materialströme ist noch unzureichend. Das bremst ebenso, wie das noch weitgehende Fehlen der Sortenreinheit. Die ist schwer zu erreichen, weil es eine große Anzahl unterschiedlicher Rezyklate, Kunststoffkombinationen in einem Produkt oder Verunreinigungen durch Druckfarben gibt. Sogenannte Multi-Layer-Verpackungen sind schwer zu recyclen, weil sie verschiedene Kunststoffe mit unterschiedlichen Eigenschaften vereinen. Man sollte darüber nachdenken, für die verschiedenen Kunststoffe getrennte Pfandsysteme zu etablieren, vergleichbar dem für PET-Flaschen. Solange es das nicht gibt und damit keine Sortenreinheit erreicht wird, solange wird Recycling schwierig sein.

Ostgathe: Wir diskutieren hier schon technische Lösungen, wie wir Wertströme darstellen können. So weit ist sonst keiner. In Südamerika, zum Beispiel, gibt es kein Pfandsystem für PET-Flaschen. Hier sammeln die Menschen PET-Flaschen auf den Straßen und verkaufen das Material an die Verarbeiter. Da gibt es fast schon mehr Recycling, als in manch anderem Industrieland. Und nur deswegen, weil sie damit Geld verdienen. Das ist der Schlüssel des Ganzen. Man muss mit Recycling Geld verdienen können. Das Virgin-Material ist in vielen Teilen der Welt noch zu billig. Die Hersteller und Verbraucher gehen zu sorglos mit dem Kunststoff um, weil es teilweise einfach kostenmäßig nicht weh tut. Man braucht gar nicht so viele Vorschriften, hier muss es spürbare Anreize für Hersteller und Verbraucher zur Verwendung von sortenreinen und somit recyclingfreundlichen Verpackungslösungen geben. Zusätzlich muss es aber noch mehr Anreize geben, dass eben diese Verpackungslösungen mit rezyklierten Kunststoffen zu realisieren sind. Es muss eine monetäre Steuerung geben. Letztendlich muss es für uns alle teurer werden, den Wertstoff Kunststoff einfach wegzuwerfen. Die Ressourcen sind endlich.

ak/VDMA