Werkstoffe 09.07.2018 0 Bewertung(en) Rating

Grünes Lego aus Biokunststoff

Lego will seine Spielsteine bis 2030 aus nachhaltigen Werkstoffen produzieren. Bei den Botanik-Spielsteinen ist mit biobasiertem Polyethylen von Braskem ein erster Schritt getan.

Der dänische Spielwarenhersteller Lego hat schon lange nicht mehr nur seine klassischen Mauersteine im Programm, sondern stellt heute rund 3.700 verschiedene Einzelelemente her. Darunter auch "botanische" Elemente wie Bäume, Sträucher und Blätter.

Lego-Bäume aus Zuckerrohr

Passend zum Thema Botanik hat Lego jetzt den Kunststoff, aus dem diese grünen Lego-Steine hergestellt werden, auf ein biobasiertes Polyethylen des brasilianischen Erzeugers Braskem umgestellt, das unter dem Namen "Green PE" vermarktet wird. Der Produktionsprozess dieses "grünen" Polyethylens beginnt mit der Dehydratation von Ethanol, das aus Zuckerrohr gewonnen wird, zu Ethylen, das dann zu Polyethylen polymerisiert wird. Dieser Zuckerrohr-Kunststoff  ist also zu 100 % aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Zudem ist er zu 100% recycelbar.

 - Botanik-Spielsteine von Lego, etwa Bäume, Sträucher und Blätter, werden aus biobasiertem Polyethylen hergestellt.
Botanik-Spielsteine von Lego, etwa Bäume, Sträucher und Blätter, werden aus biobasiertem Polyethylen hergestellt.
Lego

"Die Partnerschaft mit Lego stärkt Braskems Strategie, sich auf nachhaltige und biobasierte Produkte zu konzentrieren", sagte Gustavo Sergi, Direktor für erneuerbare Chemikalien bei Braskem. "Green Plastic ist Teil von Braskems Portfolio, das sich durch ein robustes Wachstum und ein großes Entwicklungspotentzial für die kommenden Jahre auszeichnet."

Braskem ist der erste Hersteller, der das zuckerrohr-basierte Polyethylen im industriellem Maßstab hergestellt. Produziert wird es seit 2010 im Triunfo Petrochemical Complex im brasilianischen Rio Grande do Sul mit einer Kapazität von 200.000 jato.

Komplette Umstellung bis 2030

Bereits vor drei Jahren hat das Management bei Lego 155 Mio. USD in ein neues Material Center investiert, dessen Aufgabe es ist, Lösungen und Strategien zu entwickeln mit dem Ziel, dass bis zum Jahr 2030 sämtliche Legobausteine aus biobasierten oder rezyklierten Materialien hergestellt werden können. Die Umstellung bei den Lego-Bäumen ist bislang nur ein relativ kleiner Schritt, jedoch ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg.

Bis Ende dieses Jahres werden weniger als 2 % der neuen Lego-Steine aus dem Bio-Polyethylen hergestellt – neben den Lego-Pflanzen wie Blätter, Büsche und Bäume gehören dazu dann auch Bürsten in den Autowaschanlagen und Straßenkehrmaschinen in der Lego City-Linie sowie mindestens ein Satz von Drachenflügeln.

Ersatz für ABS bleibt eine Herausforderung

Das klingt nach wenig, doch man bedenke, dass Lego 75 Mrd. Elemente pro Jahr verkauft. Dabei werden 20 verschiedene Kunststoffe verarbeitet, ein Großteil der Lego-Teile (bis zu 70 %) bestehen jedoch aus Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS). Tatsächlich kann Lego sein 2030-Ziel nicht erreichen, ohne ABS durch einen anderen Kunststoff zu ersetzen, was nicht ganz leicht sein dürfte, verleiht ABS den Lego-Steinen doch genau die Eigenschaften, die man schon als Kind an ihnen schätzte: Haltbarkeit, Farbechtheit, Schlagfestigkeit und Zähigkeit und ganz wichtig: die gute Kupplung zwei miteinander verbundener Lego-Steine. Bislang gibt es keinen biobasierten Kunststoff im kommerziellen Maßstab, der all diese Eigenschaften mitbringt.

So möchte Lego beim Ersatz für ABS sicherstellen, dass aus dem neuen Werkstoff hergestellte Steine genau in die herkömmlichen ABS-Steine hineinpassen. Versuche mit schlagzähmodifizierter Polymilchsäure (PLA) haben Probleme aufgezeigt. Die PLA-basierten Steine klickten und verklebten nicht so gut wie das ABS-Lego. Die Eigenschaft, dass die Steine zusammenklammern, bis ein Kind sie voneinander trennt – "Kupplungskraft", wie Lego es nennt – ist so wichtig, dass das Unternehmen ein spezifisches Testsystem dafür hat.

"Wir hatten 50 Jahre Zeit, um die ABS-Steine zu perfektionieren", so Tim Brooks, Lego Vizepräsident für Umweltverantwortung. "So weit sind wir bei biobasierten und rezyklierten Materialien noch lange nicht. Das betrifft nicht nur die Kupplungskraft zwischen den Steinen, sondern auch die Steuerung bei der Verarbeitung, die Schrumpfung im Werkszeug oder Probleme mit der Marmorierung der Farben."

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