Rund 200 Teilnehmer informierten sich beim „International Seminar on Biopolymers and Sustainable Composites“ von Aimplas in Valencia über die Herausforderungen und Chancen von Biokunststoffen. 
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Rund 200 Teilnehmer informierten sich beim „International Seminar on Biopolymers and Sustainable Composites“ von Aimplas in Valencia über die Herausforderungen und Chancen von Biokunststoffen. 

Veranstaltungen

Große Chancen und Herausforderungen für Biokunststoffe

Aimplas Seminar: Die weltweite Produktion von Biokunststoffen verdreifacht sich bis 2027 auf 6,3 Mio. t, doch es sind auch Herausforderungen zu meistern.

Rund 200 Personen nahmen am „International Seminar on Biopolymers and Sustainable Composites“ von Aimplas in Valencia teil, um über die Herausforderungen und Chancen dieser Branche zu diskutieren und sich über die wichtigsten Innovationen und Erfolgsgeschichten der Branche zu informieren. Bei der achten Ausgabe des vom spanischen Zentrum für Kunststofftechnologie Aimplas veranstalteten internationalen Seminars über Biopolymere und nachhaltige Verbundwerkstoffe diskutierten fast 20 Redner über die Herausforderungen und Chancen der Biokunststoffindustrie und stellten ihre Innovationen und Erfolgsgeschichten vor.

Größtes Wachstum für Biokunststoffe in der Landwirtschaft

Aktuell liegt die weltweite Produktion von Biokunststoffen bei rund 2,2 Mio. t. Wie Constance Ißbrücker von European Bioplastics sagte, wird sich diese Zahl jedoch voraussichtlich verdreifachen und bis 2027 rund 6,3 Mio. t erreichen. Das größte Wachstum wird für Anwendungen in der Landwirtschaft erwartet, die derzeit 4 % der Gesamtproduktion ausmachen, aber voraussichtlich auf 5 % ansteigen werden.

Die Vertreterin der Europäischen Kommission, Theodora Nikolakopoulou, unterstrich das Anliegen Europas, die landwirtschaftlichen Flächen zu schützen, und erklärte, dass ab Juli 2026 alle in Europa vermarkteten Düngemittel mit kontrollierter Wirkung zwingend biologisch abbaubar sein müssen. Elena Domínguez, Agrarforscherin bei Aimplas und technische Koordinatorin des Seminars, erläuterte, wie Aimplas die Europäische Kommission über die Kriterien berät, die diese Art von Anwendungen erfüllen sollten, um ihren Status als biologisch abbaubare Produkte zu gewährleisten.

Herausforderung: Kompostierbare Produkte sinnvoll einsetzen

Kompostierbare Anwendungen waren das Thema von Jordi Simón von Asobiocom. Nach seinen Worten ist es extrem wichtig, den Einsatz von Biokunststoffen auf Anwendungen zu beschränken, bei denen sie einen Wertbeitrag leisten, die Funktionalität des Produkts erhalten und am Ende des Lebenszyklus Vorteile bieten, indem sie die Nachhaltigkeit verbessern und die Umweltbelastung verringern.

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Fast 20 Referenten präsentierten in Valencia Neuerungen aus der Biokunststoffindustrie und stellten ihre Innovationen und Erfolgsgeschichten vor.
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Fast 20 Referenten präsentierten in Valencia Neuerungen aus der Biokunststoffindustrie und stellten ihre Innovationen und Erfolgsgeschichten vor.

Der zweite Block, der sich mit Normung und Zertifizierung befasste, wurde von Johana Andrade moderiert. Die Forscherin des Aimplas-Labors für biologische Abbaubarkeit und Kompostierung ist die technische Koordinatorin des Seminars. Andrade erörterte die Bedeutung von Normierungen und Zertifizierungen bei der Kommunikation der Vorteile von Biokunststoffen, um sicherzustellen, dass sie angemessen verwendet werden. Wichtig sei auch, dass sie an ihrem Lebensende ordnungsgemäß gehandhabt werden und dass die erwarteten Umweltvorteile auch in der Praxis erzielt werden.

Bei der Round Table Diskussion wurden positive Ergebnisse kompostierbarer Kunststoffe in realen Kompostierungsfällen in Industrieanlagen vorgestellt. Dabei wurde nachgewiesen, dass ein vollständiger biologischer Abbau stattfand und qualitativ hochwertiger Kompost mit weniger nicht identifizierten Abfällen erzeugt wurde.

Zahlreiche Innovationen und Erfolgsgeschichten

Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette stellten auf dem Seminar ihre Innovationen bei Materialien und Produkten vor. Von Additiven, die die Verarbeitbarkeit und Kompatibilität von Biopolymeren verbessern, bis hin zu Wasserflaschen aus recyceltem PLA mit den gleichen Eigenschaften und der gleichen Qualität wie Neuware erfuhren die Teilnehmer alles aus erster Hand.

Sie sahen sogar pyrotechnische Vorrichtungen für Flugshows, die im Blasfolienextrusionsverfahren aus Biokunststoff hergestellt wurden, sowie eine ganze Reihe kompostierbarer Behälter, Verschlüsse und Flaschen, die mit herkömmlichen Maschinen verarbeitet werden können und die gleichen Eigenschaften wie herkömmliche Kunststoffe aufweisen.

Viele interessante Projekte vorgestellt

Im Rahmen des Seminars stellt Aimplas auch die Ergebnisse einiger seiner Projekte für die Verpackungsindustrie vor, wie biologisch abbaubare Barriereverpackungen aus Lebensmittelabfällen, Kunststofffolien aus Kaffeeabfällen, aktive Verpackungen zur Verlängerung der Haltbarkeit von Käse aus Abfällen der Käseindustrie und Kartuschen für den 3D-Lebensmitteldruck.

Für den Agrarsektor präsentierte Aimplas natürliche Farben zur Bekämpfung des Befalls von Zitrusfruchtfliegen auf dem Feld, Schaumstoffe für Hydrokulturen, die aus Federabfällen der Geflügelindustrie hergestellt werden, sowie ein kompostierbares kartonähnliches Produkt, das aus den Abfällen vom Beschneiden und Pressen der Weinreben hergestellt wird.

Die Sitzungen des zweiten Tages konzentrierten sich auf Erfolgsgeschichten und beinhalteten eine Sitzung über die Umweltauswirkungen von Biokunststoffen in der freien Natur aus der Perspektive der landwirtschaftlichen Flächen und der Meeresumwelt, die das Seminar abschloss. gk