Große Bereitschaft zur Präsenz auf der Fakuma

Daniel Marker, Geschäftsführer des Kunststoffland NRW e.V. Foto: Kunststoffland NRW

Im Interview blickt Daniel Marker, Geschäftsführer Kunststoffland NRW, zurück auf die Corona-Pandemie und nach vorn auf die Fakuma 2021 als Präsenzmesse.

Für Unternehmen aus der Kunststoffbranche von NRW zählt die Fakuma traditionell zu den wichtigsten Messen und entsprechend groß ist die Präsenz der NRW-Unternehmen in Friedrichshafen. Im Vorfeld der Messe sprachen wir mit Daniel Marker, Geschäftsführer des Kunststoffland NRW über die Auswirkungen der Corona-Pandemie und die Vorfreude auf die erste große Live-Kunststoffmesse nach langer Zeit.

NRW-Unternehmen blicken sehnsüchtig Richtung Fakuma als Präsenzmesse

Die Fakuma 2021 steht als Präsenzmesse in den Startlöchern in Friedrichhafen. Wie ist das Stimmungsbild bei Ihren Mitgliedern von Kunststoffland NRW mit der Aussicht auf eine Präsenzmesse nach so langer Covid-19 bedingter Messe-Abstinenz?

Daniel Marker: Für die nordrhein-westfälische Kunststoffindustrie gilt die Fakuma – neben der Düsseldorfer Weltleitmesse K – als wichtigste Messe und zugleich als Stimmungsbarometer der Branche. Aus vielen Gesprächen mit unseren Mitgliedern wissen wir, dass die Unternehmen sehnsüchtig in Richtung Fakuma blicken und sich sehr auf die Live-Veranstaltung freuen, die Bereitschaft in Präsenz vor Ort zu sein, ist sehr groß.

Und: Die Zeit drängt. Nach mehr als 1,5 Jahren ohne Präsenzmessen ist es dringend notwendig, das Messegeschäft in all seinen Facetten wieder im persönlichen Kontakt erleben zu können, im direkten kommunikativen Austausch. Der persönliche Kontakt ist nur bedingt durch virtuelle Formate kompensierbar.

Bei Kunststoffland NRW wird es auf der diesjährigen Fakuma zudem die Neuerung geben, dass wir erstmalig auch mit einem eigenen, zusätzlichen Stand auf der insgesamt 400 m2 großen Ausstellungsfläche des NRW-Landesgemeinschaftsstandes vertreten sein werden. Insgesamt 23 Aussteller aus Nordrhein-Westfalen werden ihre innovativen Kunststoffprodukte und Dienstleistungen entlang der Wertschöpfungskette gemeinsam auf dem NRW-Stand vorstellen, drei Viertel der Aussteller auf unserem Landesgemeinschaftsstand sind zudem Mitglieder von Kunststoffland NRW, dies freut uns sehr und zeigt einmal mehr die starke Präsenz der Wertschöpfungskette Kunststoff aus NRW.

Die Covid-19 Pandemie hat flächendeckend flexibles und schnelles Handeln erforderlich gemacht. Welche Erfahrungen zieht Kunststoffland NRW rückblickend aus dieser Zeit?

Marker: Die weltweite Pandemie hat vieles wie mit einem Brennglas offengelegt und eine steile Lernkurve ausgelöst. War das Gebot der Stunde anfangs sich schnell auf die neue Situation ein- und umzustellen, mit Homeoffice, neuen digitalen Kommunikationskanälen, virtuellen Meetings oder Webinaren, so befinden wir uns mittlerweile in einer anderen Phase, haben viele Erfahrungen aus der Anfangszeit der Pandemie verinnerlicht und die Quintessenz daraus positiv genutzt.

Pandemie hat Interesse an digitalen Veranstaltungen beschleunigt

Mit Blick auf unsere Veranstaltungen konnten wir feststellen, dass die Pandemie das Interesse an digitalen Veranstaltungsformaten sehr kurzfristig beschleunigt hat. Die daraus gewonnenen Erfahrungen und Kompetenzen werden wir auf jeden Fall nutzen und darauf aufbauen, um auch zukünftig – parallel zu unseren etablierten Präsenzveranstaltungen, wie dem Branchentag oder dem Innovationstag, weiterhin digitale Veranstaltungsformate sowohl für unsere Mitglieder als auch für externe Gäste anzubieten.

So haben wir mit unserem neuen digitalen Veranstaltungsformat „Netzwerk-Morgen“ auf kurzem Wege eine Plattform geschaffen, die unterschiedlichste Themen der Kunststoffindustrie bespielt. Hier bekommen unsere Mitglieder die Möglichkeit, sich in „kleiner Runde“ monatlich zu einem aktuellen Thema auszutauschen, wie beispielsweise Ende Juli mit der Ford GmbH zum Thema Chancen und Zukunftsaussichten der veränderten Mobilität. Die Resonanz hierauf ist sehr positiv.

Losgelöst von der anstehenden Fakuma: Sie bilden mit Ihren Mitgliedern die gesamte Wertschöpfungskette ab, setzen sich für die Interessen der gesamten Branche ein. Welche Kunststoff-Themen treiben Sie für die Branche besonders voran, welche Aktivitäten, Projekte stehen an?

Marker: Die Schwerpunktthemen der diesjährigen Fakuma spiegeln einen Teil unserer Vereinsthemen sehr gut. Unsere Mitglieder haben bei unserer letzten Umfrage die Themen Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft/Recycling, Image Kunststoff und Digitalisierung als Spitzenreiter der Schwerpunktthemen genannt und uns damit nochmals klar bestätigt, dass wir im Verein auf die richtigen Themen gesetzt haben, die wir auf allen Ebenen mit aller Kraft vorantreiben.

Natürlich ist uns allen bewusst, dass die Themen digitale Transformation, Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit und gerade auch das emotionsgeladene Thema Image Kunststoff übergreifende große Themen darstellen, die es erfordern, sämtliche Akteure der Wertschöpfungskette Kunststoff und darüber hinaus branchenübergreifend zu vereinen. In diesem Zusammenhang wird der Dialog der Kunststoffindustrie mit Anwenderindustrien, Markenherstellern, Handel und NGOs weiter an Bedeutung gewinnen.

Kunststoffland NRW hat hier bereits seit Jahren gute Kontakte auch außerhalb der klassischen Kunststoffindustrie und baut diese stetig aus. Nur im gemeinsamen Schulterschluss wird es gelingen, zukunftsfähige Konzepte zu erarbeiten, die am Ende in überzeugende Geschäftsmodelle münden.

Aktivitäten rund um den Green Deal und das neue Klimaschutzgesetz – Stichwort Dekarbonisierung – stehen im Rahmen der neu ins Leben gerufenen Industrieinitiative „Chancen der Dekarbonisierung gemeinsam nutzen“ an, die wir in Kooperation mit „Produktion NRW“ und dem VDMA anbieten.

Exzellenzzentrum für zirkuläre Kunststoffwirtschaft in NRW

Und ein großes Herzensprojekt von Kunststoffland NRW: Wir sind dabei im Rheinischen Revier ein Exzellenzzentrum für zirkuläre Kunststoffwirtschaft als Modellregion für NRW und Deutschland zu realisieren, entstanden aus der Frage, wie wir die Kreislaufwirtschaft weiter voranbringen können. Wir haben uns in Kooperation mit dem VCI NRW, der RWTH Aachen und weiteren Partnern um öffentliche Mittel des Landes beworben, um letztendlich Recyclingverfahren zu entwickeln, die einander komplementieren.

Ziel des Exzellenzzentrums wird sein, Recyclingverfahren zu verbessern und Unternehmen unterschiedlichster Größe die Möglichkeit anzubieten verschiedene Ansätze auszuprobieren, um Lücken zu schließen.

Im Kunststoffland NRW e.V. engagieren sich aktuell rund 150 Mitglieder und Kunststoffland NRW hat sich zum Sprachrohr der Kunststoffindustrie in NRW entwickelt. Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Marker: Kunststoffland NRW hat sich seit seiner Gründung sehr positiv entwickelt. Viele Unternehmen haben schnell erkannt, welch großes Potential in einem Zusammenschluss dieser Art steckt. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass dieser positive Trend weiter anhält, denn gerade in schweren Zeiten – und das hat die Corona-Pandemie gnadenlos offengelegt – ist es umso wichtiger, Allianzen zu bilden und Herausforderungen in der Gemeinschaft zu bewältigen. Darum wollen wir als Verein natürlich weiterwachsen, Neuzugänge der Wertschöpfungskette Kunststoff sind jederzeit herzlich willkommen. Wer sich ein eigenes Bild von Kunststoffland NRW machen möchte: auf der Fakuma bietet sich eine ideale Gelegenheit für ein persönliches Gespräch.

Günter Kögel

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